Oktoberland

Perfect bliss (unsplash)

Wie in jedem Jahr freue ich mich auf meinen Lieblingsmonat und heiße ihn herzlich willkommen, auch wenn er diesmal sicher nicht so farbenprächtig daherkommen kann wie sonst. Zu viele Blätter sind im Sommer verbrannt, verdorrt und vorzeitig abgefallen.

Heute morgen las ich im Kölner Stadt-Anzeiger ein Interview mit dem britischen Star-Koch Nigel Slater, der ganz ähnlich zu ticken scheint wie ich. „Im Sommer funktioniere ich einfach nicht gut genug. Mir ist ständig heiß, ich habe kaum Energie, und ich hasse es zu schwitzen.“ Vielleicht ist er auch hochsensibel? Er liebt allerdings vor allem den Winter. Bei mir ist es eindeutig der Herbst.

Ich merke förmlich, wie all meine quirligen Lebensgeister wieder zurückkehren, mich begeistert umwuseln, mir vielstimmig Ideen zurufen und Lust auf völlig neue, aber auch altvertraute kreative Tätigkeiten machen. Der Porzellanmalkurs mit seinem Duft nach Nelkenöl und Terpentin hat grade wieder angefangen, vor mir liegt das nagelneue Scraperboard-Kit und lädt zum kontrastreichen Bildermachen ein, die kleine Halloween-Veranda muss unbedingt in verschiedenen Blautönen gestrichen und zusammengesetzt werden, damit meine Mäuse endlich ihre winzigen Kürbisse richtig in Szene setzen können, mein neuer Roman ist immer noch nicht ganz fertig „poliert“ – ich hänge noch zu sehr an ihm und kann ihn  irgendwie nicht los lassen und allein hinaus in die Welt schicken. Und dann warten da noch all die Filme, die ich schon so lange sehen möchte, in der langen „Watch List“. Seit kurzem habe einen amazon firestick, den ich noch nicht so ausgiebig genutzt habe, wie ich es gern getan hätte. Es war mir einfach zu warm zum Filmegucken! Außerdem gibt bald wieder Lesungen, die es vorzubereiten gilt. Lauter schöne Herausforderungen.

Herbstbuch (unsplash)

Es ist natürlich kein Zufall, dass mein nächster Roman an Halloween beginnt und ein Jahr später an Halloween endet. Mir hat wohl noch nie ein Buch so viel Freude gemacht, und noch nie waren mir die Personen so nah. Ich könnte sie glatt in ihrer Wohnung am Brüsseler Platz besuchen oder alle hierher zum Tee einladen. Oder sogar für immer hier einziehen lassen. Nach all der gemeinsam verbrachten Zeit sind sie echte Familienmitglieder. Für meinen Mann zum Glück auch. Wir haben Martin und Marigard sogar schon mehrmals mit in Urlaub genommen und uns dabei dauernd gefragt: Was würden sie jetzt tun oder sagen? Sie haben es uns immer sehr bald mitgeteilt. Ihre Reaktionen waren oft überraschend und unvorhersehbar.  Jetzt fehlt nur noch ein Verlag, aber da bin ich zuversichtlich.

Martins Hände (unsplash)

Manchmal suche ich im Internet nach den Gesichtern meiner Hauptpersonen. Ich weiß natürlich genau, wie sie aussehen und würde sie sofort erkennen! Aber wie soll man Fotos von jemanden finden, den es gar nicht gibt? Moment mal: gar nicht gibt? Sie sind absolut real! In Marigards Vater Martin bin ich sogar ein klein wenig (möglicherweise auch mehr) verliebt. So was ist mir auch noch nie passiert. Schon ein merkwürdiges Gefühl, den Kopf so voller Geschichten, Gesichter und Stimmen zu haben. Manchmal träume ich von meinen Figuren, und sie teilen mir mit, was ich doch bitte unbedingt noch ändern sollte, weil sie das nie im Leben so sagen oder tun würden. Oder sie lassen mich wissen, was ich in einer Szene noch vergessen habe. Bisher haben sie mich immer überzeugt! Ich habe jetzt schon Angst, wie einsam ich mich fühlen werde, wenn ich sie nicht mehr jeden Tag um mich habe. Aber dann schreibe ich eben einfach eine Fortsetzung. So wie bei den Winnie-Romanen. Marlies und Winnie haben damals auch einfach keine Ruhe gegeben. Auch wenn sie keinen Vater hatten, in den ich ein klein wenig (möglicherweise auch mehr) verliebt war.

Bücherwolken (unsplash)

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