Lichtmess und Imbolc – Maria und Brigid

Luna Moon Hare im Februar – Imbolc (Wendy Andrew)

Die Tage werden länger, das Licht verändert sich, es wird wieder heller. Ich fand es fast ein bisschen berauschend, heute morgen mit geschärften Sinnen durch meinen Garten zu wandern. Schneeglöckchen und Winterlinge blühen schon, und die ersten Krokusse bahnen sich zartblau und lila den Weg durch die harte Erde. Die Luft war angenehm kühl und klar, ich konnte sie tief einatmen und frisch durch meine Lungen strömen lassen. An einigen Stellen gibt es noch Schneenester, ein paar Teichpunkte sind noch vereist, aber der Rest des Gartens zeigt erste Anzeichen von Frühling. Ich ging bewusst „der Nase nach“. Einige Sträucher blühen gerade, etwa die Japanische Zieraprikose (Prunus mume). Besonders eindrucksvoll sind die intensiv nach Maiglöckchenen und Veilchen duftenden Geißblattsträucher (Lonicera purpusii) und die pfeffrig und zitronig duftende Zaubernuss (Hamamelis). Eigentlich ist sie ja ein Strauch, aber in unserem Garten hat sie die stattliche Größe von mehreren Metern erreicht und sieht eher aus wie ein Bäumchen. Mir gefällt ihr englischer Name: witch hazel. Hexenhasel.

Luna Moon Hare am Winterhimmel (Wendy Andrew)

Im letzten Jahr habe ich mir vorgenommen, die acht keltischen Jahresfeste angemessen zu feiern und vor allem den Mond genau zu beobachten. Ich versuche, mir seine (eigentlich sind es ja „ihre“, denn in den meisten Sprachen ist der Mond eine „Mondin“) schönen deutschen und indianischen Namen zu merken. Drei Vollmonde habe ich bereits zwischen unseren Bäumen bewundert. Im November den Nebelmond oder Nebelung (Beaver Moon, Frosty Moon), im Dezember den Kalten Mond oder Julmond (Cold Moon), und im Januar den Wolfsmond oder Hartung (Wolf Moon), der in diesem Jahr besonders intensiv war, denn er war gleichzeitig auch ein Blutmond. Leider habe ich davon nicht viel sehen können, jedenfalls nicht von unserem Haus aus. Dabei bin ich in der Nacht extra um sechs aufgestanden!

Die acht keltischen Jahresfeste (Wendy Andrew, aus „Luna Moon Hare“)

Der Februar ist ein geheimnisvoller Monat. Sein Name geht zurück auf das lateinische Wort „februare“, das „reinigen“ bedeutet. Es ist die Zeit des Frühjahrsputzes und der Reinigung, die Zeit, sich von Altem zu trennen, um Platz für Neues zu schaffen. Der Februar Vollmond heißt Schneemond, Milchmond oder Hornung, früher hieß er auch Stummer Mond (Snow Moon, Hunger Moon, Milk Moon). In meiner Kindheit markierten den Anfang des Monats zwei besondere Feste, an die ich mich noch gut erinnern kann. Damals endete die Weihnachtszeit erst nach 40 Tagen. Erst an diesem Tag wurden in den katholischen Häusern und Kirchen Krippen und Christbäume abgebaut.

(Foto: pixabay)

Der erste besondere Tag hieß „Mariä Lichtmess“ und war eindeutig weiblich geprägt (seit 1970 steht die „Darbietung des Herrn“ im Vordergrund) und das Fest der Kerzen und Lichter. „Als ich klein war, gab es sogar richtige Lichterprozessionen“, erzählte meine Oma. Aber leider gab es die in meiner Kindheit offenbar nicht mehr. Meine Oma, die selbst Maria hieß, nahm mich morgens mit in unsere Dorfkirche, und wir ließen unsere Kerzen weihen. Wir hatten sehr viele dabei, zwei Taschen voll. Die meisten Kerzen waren lang und weiß, aber verschieden groß und dick. Zur Kerzenweihe nahmen wir auch die Kerzen von Verwandten mit, die an dem Morgen keine Zeit hatten, weil sie arbeiten mussten oder krank waren. Damals war es wichtig, stets geweihte Kerzen im Haus zu haben, und neben der Eingangstür hing auch immer ein kleines Gefäß mit Weihwasser, hinter dem der kleine Palmzweig steckte, der jedes Jahr an Palmsonntag gesegnet wurde. Wir zündeten in meiner Kindheit übrigens auch bei Gewitter oder Unwetter Kerzen an, die sogenannten „Wetterkerzen“. Auch die Kirchenkerzen, die im Laufe des Jahres in der Kirche brennen würden, wurden an diesem Tag geweiht – Altarkerzen, Kommunionkerzen und Taufkerzen. Alle wurden gesegnet und mit Weihwasser besprengt. „Das Fest heißt auch Mariä Reinigung“,erklärte meine Oma. 40 Tage nach der Geburt eines Sohnes wurden die Mütter nämlich wieder „eingesegnet“. Bis dahin galten sie als „unrein“, was mir höchst ungerecht vorkam. „Mariä Reinigung“? Wieso sollte eine Frau „unrein“ sein, nur weil sie ein Baby bekommen hatte? Oma erklärte mir, dies sei ein sehr feierlicher Akt, aber so richtig konnte ich ihr das nicht glauben.

(Foto: pixabay)

Heute bin ich oft dankbar dafür, dass ich mitten im Marienkernland am Niederrhein groß geworden bin, wo im Volksglauben die Große Göttin in Form der Muttergottes noch eine enorme Bedeutung hatte – und wohl immer noch hat. So leicht ließ sie sich hier nicht vertreiben, überall stehen ihre Kirchen und Kapellen, und im Mai bekam sie ihren eigenen Maialtar und eigene Andachten mit schönen Liedern. Soweit ich mich erinnere, beteten meine Oma und meine Großtanten ausschließlich zu Maria. Ansonsten höchstens zum heiligen Antonius, wenn sie mal wieder Sachen verlegt und verloren hatten. „Auf den ist meistens Verlass“, sagte Oma, und sie hatte Recht. Durch die Omnipräsenz von Maria bekam ich schon früh ein Problem mit der (männlichen) Dreifaltigkeit, auch wenn man sich den heiligen Geist durchaus weiblich vorstellen kann, denn er verkörpert im Grunde die Lebensenergie und die Schöpfungskraft, also ein mütterliches Prinzip. Leider heißt sie trotzdem der Geist im Deutschen, was mich nicht überzeugte. Im biblischen Urtext steht für das deutsche Wort Geist „ruach“ (Hebräisch) im Alten Testament sowie „pneuma“ (Griechisch) im Neuen Testament. Beide lassen sich mit Hauch, Luft oder Wind übersetzen. Trotzdem fehlte mir Maria! Nachhaltige Beruhigung trat erst ein, als ich irgendwann die Große Göttin in all ihren Manifestationen und mit all ihren Namen entdeckte.

Die drei Matronen in Nettersheim (BFL)

Der Wallfahrtsort Kevelaer war nicht weit, aber wirklich gefreut hat mich die Erkenntnis, dass ausgerechnet in meiner Gegend in der Römerzeit (70-240 n Chr.) drei ungewöhnliche Göttinnen verehrt wurden: die drei Matronen. Sie entsprechen in vielem der keltischen Dreiheit Maiden, Mother, Crone (Jungfrau, Mutter, weise Alte). Doch das wusste ich als Kind leider noch nicht, auch wenn die Niers schon früh mein Seelenfluss war, mit dem ich gelegentlich sogar „sprach“. Merkwürdigerweise hatte ich auch immer das Gefühl, dass ich eine Antwort bekam. In der Tat gab es genau dort zur Römerzeit einen Stein für die drei Niersmatronen. Sie kommen auch in einer meiner Erzählungen vor, die „Nebel über der Niers“ heißt.

Brigid und Zaubernuss (BFL)

In Irland ist der 2. Februar der Tag der heiligen Brigid, die wahrscheinlich aus einer alten heidnischen Licht- und Frühlingsgöttin hervorging und dann kurzerhand zur Heiligen erklärt wurde, weil sich ihre Verehrung nicht unterdrücken ließ. Das alte Fest heißt auf Englisch Imbolc (bei uns Imbolg – wahrscheinlich bedeutet es „im Bauch“), und wird vom Sonnenuntergang des 1. bis zum Sonnenuntergang des 2. Februar gefeiert. In der Göttinnen-Triade verkörpert sie das junge Mädchen, die jungfräuliche Göttin, also die Maiden. In Irland hat sie ein eigenes Symbol, das Brigid-Kreuz. Es soll das Haus und seine Bewohner beschützen. Vor vielen Jahren habe ich mir aus Irland so ein Kreuz mitgebracht. Seitdem hängt es hier im Haus, doch bis vor kurzem habe ich es nie richtig „gewürdigt“. Diesmal wollte ich die Jahrestage bewusster begehen, sowohl den alten Lichter-Kerzen-Tag, der mich so an meine Oma erinnert, als auch das Fest von Brigid, deshalb habe ich viele Kerzen angezündet und mir eine Brigid-Figur gemacht. Traditionell ist sie aus Stroh, Bast oder Binsen, aber da ich nichts davon hatte, bekam meine Brigid ein Kleid aus frühlingsfarbenen Bändern. Brigid ist eine Lichtbringerin, ihr Element ist das Feuer, und sie trägt das neu erwachte Licht, eine hell leuchtende Flamme in den Händen. So bringt sie Wärme und Erleuchtung in die kalte Zeit und beschützt das neu geborene Leben. 

Am 3. Februar gingen wir übrigens gleich wieder in die Kirche und holten uns den Blasius Segen, an den ich allerdings bald nicht mehr glaubte. Wie konnte der heilige Blasius nur zulassen, dass ich ausgerechnet am Tag meiner Erstkommunion Mumps hatte, mit meinen dicken Backen aussah wie ein veritables Hamstermonster und gleich nach der Messe wieder ins Bett musste?

„Softly to Avalon“ (Wendy Andrew)

Die Bilder von Luna Moon Hare stammen aus dem gleichnamigen Buch von Wendy Andrew, einer britischen Künstlerin, die u.a. Karten, Poster und ein wunderschönes „Goddess Wheel“ gestaltet hat. Sie hat eine Homepage, die Painting Dreams heißt, hier ist der Link: Wendy Andrew . Thank you so much for your pictures, Wendy!

Dieser Beitrag wurde unter Kindheit, Niederrhein abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.