Hasenherz

„Hasenherz und Sorgenketten“

Angst mit all ihren Facetten ist mir seit meiner Kindheit vertraut. Ich wuchs mit einem kriegstraumatisierten Vater auf, dessen dunkle Schatten auch mich quälten. Ich hatte bereits mit sechs Jahren Panikanfälle und litt sehr unter meinen vielen Ängsten, doch es dauerte lange, bis ich am Ende meiner Kraft war und mir endlich Hilfe suchte. Inzwischen hatte ich eine ausgewachsene Generalisierte Angststörung mit allem, was dazu gehört. Endlose Sorgenketten brachten mich nachts um den Schlaf. Ich fühlte mich gefangen in mir selbst wie in einem hohen Turm, zu dem keiner mehr Zutritt hatte.

Während meiner Therapie lernte ich meine Angst „richtig“ kennen und stellte zu meiner großen Verwunderung fest, dass sie weder ein grauenhaftes Monster noch meine Feindin war. Nachdem ich ihr Gesicht gesehen hatte, erkannte ich, dass sie zu mir gehört. Sie ist mein innerer Zwilling, meine „bleiche Schwester“. Dieses Erlebnis hat meine Haltung zu mir selbst und meiner „Schwäche“ grundlegend verändert. Seitdem kämpfte ich nicht mehr gegen sie und versuche nicht mehr, sie gewaltsam zu überwinden oder los zu werden, sondern sie anzunehmen und liebevoll und humorvoll mit ihr umzugehen. Ja, selbst die Angst hat einen Sinn für Humor, man muss ihr nur eine Chance geben. Es war mir dabei ein Herzensanliegen, all denen, die aus lauter Angst stumm sind, eine Stimme zu geben, und ihnen Mut zu machen, sich ihren Ängsten auf eine eher ungewöhnliche Art zu nähern. Angst ist auch heute noch ein Stigma und ein Tabuthema. Keiner will sie haben, keiner gibt sie gern zu, und Nichtbetroffene haben für Angstopfer meist nur Spott und Hohn übrig. Mein Buch ist daher auch ein kleines Plädoyer für die Besonderheiten von ängstlichen und hochsensiblen Menschen.

Ganz wichtig: Nur wer Angst hat, kann mutig sein!

Buchrezension zu „Hasenherz und Sorgenketten

Artikel über delegierte Ängste:  Beate Felten-Leidel „Im Schatten fremder Ängste“