Herzlich willkommen!

Alice

Herzlich willkommen auf meiner Homepage

Hier finden Sie meine Blogbeiträge sowie Informationen zu mir, meinen Büchern, meinen Hobbys und den Themen, die mich gerade umtreiben, im Moment natürlich vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie, die mir sehr zusetzt, denn sie rührt an viele meiner Urängste, aber auch die schrecklichen „Kindergenesungsheime“, in die so viele Kinder meiner Generation in den 60er Jahren „verschickt“ wurden. Doch es gibt natürlich auch immer noch viel Schönes und Hoffnungsvolles zu berichten, denn die Natur läßt sich von Covid-19 zum Glück nicht beeindrucken. In meinem Garten blüht und duftet es, und ich bin so viel wie möglich draußen.

Ein großes Dankeschön geht an meine geduldige Maine Coon-Assistentin Alice, deren entspanntes Schnurren Sie leider nicht hören können.

Ich freue mich, dass Sie meine Seite gefunden haben und wünsche Ihnen einen hellen Tag!

Veröffentlicht unter Allgemein | Schreib einen Kommentar

„Juninacht“ von Hans-Joachim Leidel

Irgendwie schafft es mein Schwiegervater Hans-Joachim Leidel (den ich Jachym nenne) immer noch, mir genau im richtigen Moment einen kleinen Text oder eines seiner Gedichte zu schenken. Wie mag es wohl gerade heute in meine langweiligen Steuerunterlagen gelangt sein? Der Monat ist jedenfalls ideal! Zum ersten Mal gefunden habe ich es im Februar vor acht Jahren in unserem „Spiegelschrank“ in meinem Arbeitszimmer. In „seiner“ Schublade mit Notizen, Zeichnungen, Tagebüchern, unveröffentlichten Texten und unzähligen losen Blättern. Es war Anfang Februar, nur wenige Tage vor Jachyms 50. Todestag. Mein Mann war gerade auf einem Kongress in Berlin, ich war mit den Katzen allein im Haus, ziemlich melancholisch und dachte plötzlich an meinen unbekannten und doch so vertrauten Schwiegervater. Die Schublade hat ein Geheimschloss (genau wie sein alter Schreibtisch) und war gar nicht so leicht zu öffnen (hier im Haus klemmen alle Schubladen, wahrscheinlich weil sie zu voll sind). Außerdem musste ich erst die hohen Bücherberge wegräumen, die ich dauerhaft davor aufgetürmt habe.

Ungefähr zur selben Zeit dachte in einer ganz anderen Stadt noch jemand intensiv an Jachym. Auch er kannte ihn nicht persönlich, und doch schrieb er einen ausführlichen Wikipedia-Eintrag für ihn. Als ich am nächsten Morgen Jachyms Namen googelte, war der Eintrag plötzlich da, und vor mir lag immer noch das gerade entdeckte Gedicht. Mit ein bisschen Unterstützung von Jachym habe ich dann erstaunlich schnell „Lichtreich“, den Verfasser des Wikipedia-Eintrags, von dem ich nur das Pseudonym kannte, ausfindig gemacht, mit ihm Kontakt aufgenommen und ihm ein Foto geschickt.

Erklären kann man diese merkwürdigen Fügungen nicht. Es ist ein bisschen wie „Zauberei“. Aber das Gedicht ist ja auch magisch. Geschrieben in einer einsamen Nacht, in den 1950er Jahren in der Pension „Rauch“ in Hamburg. Es würde mich nicht einmal wundern, wenn es das heutige Datum gewesen wäre. Bei Jachym ist alles möglich.

Juninacht

Ein Vogelschwarm klirrt kühl im schwarzen Baum,
sanfte Ballons ziehn einsam in die Sterne.
Der Mensch sucht seine Hände in der Ferne
und bettet sie an seiner Schläfe Schaum.

Ach, wie der Mond die Dinge traurig macht!
Durchs Wiesenland sieht man die Weiden steigen.
Zikaden sticken in den blauen Zweigen
den lichten Saum an das Gewand der Nacht. 

Veröffentlicht unter Gedicht, Lyrik | Verschlagwortet mit , , , | Schreib einen Kommentar

Köln und Corona: Fronleichnam

Weihrauch

Heute, am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, feiern die Katholiken Fronleichnam, und es ist zugleich der letzte kirchliche Feiertag vor Weihnachten, der in der Woche liegt. Die meisten fallen auf einen Donnerstag, und zu Nicht-Coronazeiten findet dann entweder mein Malkurs oder mein Literaturkreis (oder auch beide) nicht statt. Doch in den letzten Monaten hat Corona ohnehin alles verhindert.

Fronleichnam gilt als einer der Höhepunkte des katholischen Kirchenjahres, wird besonders prunkvoll begangen und erinnert an das letzte Abendmahl Jesu mit den Jüngern. Den Corona-Podcast mit Christian Drosten gab es zu meiner Verwunderung trotzdem, doch dann fiel mir ein, dass in Berlin heute kein Feiertag ist.

Pontifikalamt vor dem Dom

Kölner, die in der Nähe des Doms leben oder heute morgen früh dorthin gepilgert sind, hatten das besondere Vergnügen, kurz nach halb zehn den Dicken Pitter, die mächtigste unserer Domglocken, läuten zu hören, deren tiefe, dröhnende Stimme nur an den höchsten Feiertagen und zu besonderen Anlässen erklingt.

Auf dem Roncalliplatz hatten sich 300 Gläubige versammelt, jeder hatte einen Stuhl, wahrte den nötigen Abstand und trug eine Maske. Der große Platz sah ungewöhnlich leer und geordnet aus. Alles war anders als sonst. Aber Corona hält sich nun mal nicht an Feste und stört einfach überall.

Weihrauch (Klara Kulikova/unsplash)

Schon der Name Fronleichnam erinnert mich an meine Kindheit. „Wat bedeutet dat komische Wort?“ Fron war ja nichts Schönes und hatte vor allem mit Arbeit, Mühsal, Sklaven und Schufterei zu tun. Fron und Pein hatte ich schon öfter gehört, aber Leichnam war richtig scheußlich. Das waren verstorbene Menschen, also Tote und Kadaver! Kadaver sagten die Männer damals noch ziemlich oft. Vielleicht lag das am Krieg, der gerade erst vorbei war. Dann war ein Fronleichnam wohl so was wie ein misshandelter Toter? Der gegeißelte Jesus von Karfreitag? Oma waren meine Sondierungen wohl ziemlich unheimlich. Wer meiner Vorfahren mir diese journalistische Fragelust vererbt hat, weiß ich nicht. Ich passte ja sowieso nicht in meine Familie. Oder sollte meine Mutter früher auch mal so eine wissensdurstige kleine Nervensäge gewesen sein? Die meisten meiner Fragen habe ich Oma gestellt, denn wir waren uns besonders nah, und zu ihr hatte ich unerschütterliches Vertrauen. Ich konnte mich darauf verlassen, dass alles, was wir besprachen, unter uns blieb. Niemals hat sie mich verpetzt. Als ich mit sieben in die Schule kam, lebte sie bereits nicht mehr, und als ich endlich richtig lesen konnte, entdeckte ich, dass ich die Antworten auf meine Fragen in Büchern viel besser finden konnte als bei meinen Familienmitgliedern. Bücher schimpfen nicht, lachen einen nicht aus, hüllen sich nicht in schweres Schweigen, haben eine Engelsgeduld und seufzen nicht mal genervt.

Fronleichnam

„Wat du immer all wissen willst!“ wunderte sich Oma. Stimmt, ich wollte die Welt, in der ich lebe, verstehen. Wie wunderbar ist heute das Internet, wenn man nur zu suchen versteht! Dort kann ich meinen Wissensdurst sofort stillen. Als Kind hielt ich die Prozession für das Wichtigste an Fronleichnam. Die gab es an diesem Tag zuverlässig, jedes Jahr und in voller Pracht. Das gesamte Dorf war an dem Tag auf den Beinen. Protestanten gab es bei uns ja so gut wie keine, und außerdem hatten wir mit „denen“ ohnehin keinen Kontakt. Als Kinder durften wir mit evangelischen Kindern weder sprechen noch spielen. Und sie auch nicht mit uns.

Altar im Freien

„Hoffentlich wird das Wetter gut!“ sorgte sich Oma vor Fronleichnam tagelang. Aber das war es meistens. An was ich mich vor allem erinnere? Es ging überaus feierlich zu, es gab Gesang und Musik, überall waren Blumen, Girlanden, Sträuße in hohen und kleinen, bauchigen und schmalen Vasen, Blumen in Töpfen, bunte Gestecke, sogar kleine Teppiche aus Blüten. Außerdem gab es vor den Haustüren unzählige weiße und rote Kerzen in Haltern und Leuchtern, kleine Altäre auf zweckentfremdeten Hockern mit weißen Deckchen und Kreuzen aus Holz oder Metall (in allen Variationen), gar nicht so selten (wir lebten ja am Niederrhein) sogar Marienstatuen (Maria ist am Niederrhein allgegenwärtig). Die Dorfbewohner standen in Sonntagskleidung stolz und irgendwie verlegen vor ihren Häusern, bekreuzigten sich, wenn der Zug vorbei kam, oder gingen in der Prozession mit. Es gab Fähnchen schwenkende Kinder, es hingen bunte Fähnchen und Wimpel in den Fenstern, aber vor allem gab es viele, viele Menschen. Einem schüchternen Kind fällt das wohl besonders auf. Oma kannte die meisten und kam aus dem freundlichen Nicken und Zulächeln gar nicht heraus. Sie hat ihr ganzes Leben in diesem Dorf verbracht und war sehr beliebt. Ich ging an ihrer Hand und war stolz auf sie.

Kreuz

Und dann die Prozession selbst! Nur an diesem Tag konnte man den prächtigen bestickten Baldachin, auch Himmel genannt, bewundern, unter dem unser Pastor mit der hocherhobenen Monstranz durch die Straßen zog. Ich weiß nicht mehr, ob wir von der Kirche aus durchs Dorf zogen und zum Schluss auf dem Friedhof vor dem gewaltigen (sehr realistischen) Hochkreuz landeten, wo ebenfalls ein großer, geschmückter Altar aufgestellt war, oder ob wir uns zuerst dort versammelten, die Messe im Freien feierten und erst am Ende gemeinsam in die Kirche zogen. Es spricht viel mehr für die zweite Erinnerung, aber ich sehe irgendwie beides und kann leider niemanden mehr fragen. Vielleicht war das abhängig vom Wetter? Vor allem erinnere ich, dass ich die Stimme von „Herrn Pastor“ draußen auf dem Friedhof nicht gut hören konnte und auch nicht verstand, was genau er sagte, denn wir hatten damals natürlich keine guten Mikrophone. Der Wind wehte seine Sätze einfach in die andere Richtung, aber das machte nichts, denn er redete die meiste Zeit Latein. Auf jeden Fall roch es überall nach Weihrauch, draußen nur in kurzen kleinen Wolken, aber in der Kirche wahrlich betäubend und nebelartig schwer. Zur Erinnerungsauffrischung habe ich mir eben ein Räucherkügelchen angezündet, dabei ist mir dann noch einiges eingefallen, das lange verschüttet war. Ich liebe olfaktorische Trigger.

Die Priester (wir hatten damals vier, unseren Herrn Pastor, zwei Pfarrer im Ruhestand, die im zweiten Pfarrhaus lebten, und auch noch einen Kaplan, der in der Kaplanei wohnte und wunderbar singen konnte) waren in leuchtend helle Gewänder gehüllt, sämtliche Messdiener und Vorbeter marschierten ernst und rotweiß bzw. schwarzweiß vornweg und scharten sich während des Gottesdienstes um den Altar. Und ging da nicht auch noch ein junger Mann am Anfang der Prozession und trug eine Fahne mit Christussymbolen vor sich her? Oder war es das St. Laurentius-Wappen unserer Gemeinde? Vielleicht waren da auch noch zwei junge Männer, die den Kreuzträger flankierten? Die Fotos, die ich im Internet finde, erhärten diese Vermutung.

Monstranz (Jacob Bentzinger/unsplash)

Auf jeden Fall war es ein extrem wichtiges und geheimnisvolles Fest, denn es hatte ja mit „dem Leib Christi“ und mit „der Wandlung“ zu tun, wie Oma mir erklärte. Genau deshalb wurde die Hostie durchs Dorf getragen. Die Vorstellung, dass sich in der Eucharistie das Brot in den Leib Christi verwandelte und der Wein in sein Blut, war mir alles andere als geheuer. „Dann sind wir ja Menschenfresser und Kannibalen!“ Das kam nicht gut. Dafür waren sicher die vielen Märchen verantwortlich, die sie mir dauernd vorlesen musste (beim Erzählen vor dem Schlafengehen schlief sie im dunklen Zimmer neben mir im Bett oft ein und musste tadelnd am Ärmel gezupft werden: „Wat hat die Prinzessin denn dann getan, Oma?“) Sie war sicher der Meinung, dass man solche Fragen nicht mal denken durfte. „Das ist ein ganz großes Geheimnis, Kind!“  Das sah ich ein. Normalerweise wurde der Leib des Herrn in der Monstranz schließlich nicht draußen herumgetragen, sondern stand sicher und unerreichbar im Tabernakel. Oma versuchte übrigens oft, mich durch optische Elemente abzulenken. „Guck mal, Kind, wie schön die Gewänder sind! Und guck mal, da is‘ ja auch die Tochter vom Kohlenmann!“

Die Prozession war eine Art dörflicher Flurumgang mit verschiedenen Stationen, an denen wir alle stehen bleiben. Der Herr Pastor spendete seinen Segen in alle Himmelsrichtungen, alle bekreuzigten sich wieder, und die Prozession endete dann (in meiner Erinnerung meist in der Pfarrkirche) höchst feierlich, wieder mit Weihrauchschwaden und viel Latein. Manchmal kam sogar mein Vorname vor.

Fronleichnam – Beten mit Blumen

Heute kenne ich die Antworten auf die meisten meiner Kinderfragen. Fronleichnam geht auf vrône (mhd. Herr) und lîcham (mhd. Leib) zurück, und der Festumzug soll den Gläubigen zeigen, dass Gott allgegenwärtig ist. Also nichts Dramatisches mit Leiche und Schufterei! Oma konnte kein Mittelhochdeutsch und hat sich diese Fragen ganz bestimmt nie gestellt. Sie nahm ihre Religion an, wie sie kam. Gläubig und unkritisch. Aber inzwischen habe ich zu Fronleichnam noch ganz andere Informationen gefunden. Schade, dass ich Oma damit nicht beeindrucken kann.

Zum ersten Mal wurde das Fest offenbar 1246 in Lüttich gefeiert, und die erste Prozession in Köln fand vermutlich zwischen 1274 und 1279 statt. Das Fest wurde 1264 von Papst Urban IV auf diesen Tag gelegt, und die erste Anregung dazu geht auf eine Vision (oder Traumvision) der heiligen Juliana von Lüttich zurück. Sie sah 1209 den verdunkelten Mond, und Christus erklärte ihr den dunklen Fleck mit dem Fehlen eines eigenen Fests für die Eucharistie. Es bedurfte also dringend eines speziellen Festtags!

Monstranz

Die „Transsubstantiationslehre“, also die Verwandlung von Brot und Wein in das echte Fleisch und Blut Jesu Christi (vorher verstand man beide nur als Symbole), wurde erst 1215 zum Dogma erhoben, und prompt gab es einige Jahrzehnte später noch ein Wunder, ein vielbeachtetes und gleich doppeltes „Blutwunder“.

Im Jahr 1263 kam ein böhmischer Priester namens Peter von Prag, der stark an der „Transsubstantiationslehre“ zweifelte, auf seiner Pilgerreise nach Rom nach Bolsena in die Kirche der Heiligen Christina. Die war schon 304 als Märtyrerin gestorben, und ihr Tag ist der 24. Juli. Die Katakombe ihrer Kirche war bereits berühmt, denn es gab dort geheimnisvolle Blutflecken auf dem Altarstein zu sehen (das erste Blutwunder). Peter von Prag nahm dort an einem Gottesdienst teil, und als er die Hostien für das Abendmahl vorbereiten wollte, bemerkte er leuchtend rote Flecken auf den Oblaten (das zweite Blutwunder). Blutende Hostien! Das konnte nur als eindeutiges Zeichen für den Zweifler gedeutet werden, dass diese Hostien in der Tat keine einfachen Oblaten waren, sondern wahrhaftig der verwandelte Leib Christi! Zufällig weilte der Papst nur wenige Kilometer entfernt auf seinem Sommersitz, erfuhr von dem Blutwunder und war tief beeindruckt. Und so setzte Urban IV in Orvieto schließlich ein Jahr später Fronleichnam ein, das neue Fest für die ganze Kirche.

Oma als junge Frau

Dummerweise gibt sich das kleine Mädchen in mir immer noch nicht zufrieden. „Aber woher kommen die roten Flecken, Oma? Hostien können doch nicht bluten!“ Ich befrage das Internet und meinen Mann – und werde erstaunlich schnell fündig. Rückblickend geht man heute davon aus, dass es sich bei den Verursachern für das „Blut“ um bestimmte gramnegative Stäbchen (Serratia marcescens) handelte, die auf kohlehydrathaltigen Nährböden auffällige Flecken verursachen, die eindrucksvoll und markant rot leuchten. Offenbar waren diese Stäbchen damals ziemlich häufig, denn im Mittelalter gab es einen wahren Boom um blutende Hostien. An den Orten, wo sie gefunden wurden, entstanden gleich berühmte Wallfahrtsstätten, und es folgten Pilgerströme, Ablassbriefe und Wunderheilungen. Martin Luther ließ sich dadurch nicht beeindrucken, bezeichnete die Bluthostien schlichtweg als „Teufelsspuk“ und schaffte für sich das Fest wieder ab. Weihrauch mochte er leider auch nicht besonders, so dass er in der Evangelischen Kirche keine Rolle spielt. Jetzt weiß ich endlich auch, warum Protestanten Fronleichnam nicht feiern! Oma seufzt. Mein Wissensdurst ist jetzt  fast gestillt. Bleibt noch die letzte Frage. „Warum der Papst ausgerechnet dieses Datum gewählt? Gab es vielleicht ein heidnisches Fest, das man unbedingt christlich überlagern wollte? Vielleicht die Sommersonnenwende?“ Bisher habe ich dazu noch nichts gefunden.

Oma, wie ich sie kannte

Den schönen Erinnerungen können meine kritischen Fragen und ernüchternden Antworten übrigens nichts, aber auch gar nichts anhaben. Das Fest bleibt ein Highlight meiner Kindheit und erinnert mich zärtlich an Oma und unsere gemeinsamen Kirchenerlebnisse. Oma hätte das  alles gar nicht wissen wollen. Was sie wohl zu den Früchten meiner Recherche gesagt hätte? „Jetzt hat dat Kind mir dat schöne Fest so richtig verschangeliert!“ Vielleicht stimmt es ja: „Ignorance is Bliss“. Manchmal kann Unwissenheit ein Segen sein. Kritische Geister machen wirklich vor gar nichts Halt. Nicht mal vor Mysterien, Tabus und Blutwundern.

Tut mir leid, Oma. Aber jetzt habe ich den ganzen Tag an die sanfte alte Frau mit den abgearbeiteten Händen gedacht, die ich so geliebt und so früh verloren habe. Wie sehr ich um sie getrauert habe, wurde mir erst viel, viel später bewußt. Die Erinnerungen haben mir gut getan, und vielleicht kann sie es ja da, wo sie jetzt ist, irgendwie spüren? Auf diese Frage erwartet das kleine Mädchen in mir komischerweise ausnahmsweise mal keine Antwort. Vielleicht gehe ich noch kurz in den Garten und halte Ausschau nach einem Schmetterling. „Man kann ja nie wissen.“ Den Satz hab ich von Oma, und er hat mir schon oft geholfen.

Veröffentlicht unter Corona, Feste, Kindheit, Köln, Niederrhein | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Köln und Corona: Masken (1)

(Leo2014/pixabay)

Jetzt ist die Pandemie bereits über 100 Tage alt, und noch immer ist kein Ende abzusehen. Letzte Woche las ich in der Zeitung einen Bericht über die Vorbereitungen für den nächsten Rosenmontagszug. Der Kölner Karneval soll 2021 trotz Corona stattfinden, die Prunkwagen sollen wie geplant gebaut werden, und „d’r Zoch“ kommt (natürlich) auch. Wenn es bis dahin keinen Impfstoff gibt, wird er allerdings nur in stark veränderter Form möglich sein. Vielleicht werden die Wagen an verschiedenen Stellen der Stadt aufgestellt und die Jecken können dann von einem zum anderen ziehen und Kamelle sammeln.

(Leo2014/pixabay)

Köln ohne Karneval ist schwer vorstellbar. Seit 1946 ist der Rosenmontagszug, den es schon seit 1823 gibt, nur ein einzige Mal ausgefallen. Ich erinnere mich noch. Das war 1991, während des zweiten Golfkriegs. Doch so einfach geben sich die Kölner nicht geschlagen, wenn es um ihre fünfte Jahreszeit geht. Bisher haben sie allen Orkanen, Überflutungen und Katastrophen getrotzt. Sogar im Krieg wanderten verkleidete Jecke durch die Ruinen, und selbst an der Front und im Lazarett sangen die Kölner Soldaten das Heimweh-Lied von Willi Ostermann. Irgendwas fällt ihnen immer ein, um ihren Karneval zu retten.

(LunarSeaArt/pixabay)

Auch 1991 fanden sie einen Ausweg, sie belebten einfach den alten „Geisterzug“ neu. Den gab es zwar auch schon seit 1860, aber im Ersten Weltkrieg war er verboten worden und geriet danach offenbar in Vergessenheit. Jetzt gehört er wieder zur Tradition. Seit der Wiederentdeckung machen nun auch jedes Jahr (an Karnevalssamstag) die Geister die Straßen unsicher, mitsamt ihrem Maskottchen, dem „Ähzebär“, der den Winter persönlich darstellt. In diesem Jahr gespensterten sie für den Klimaschutz, als Gewitterwolken und Nebelgeister und in vielen anderen gruseligen Gewandungen. Auch Schnabelköpfe waren wie immer dabei, doch zu denen komme ich später.

In Köln ist man an Masken gewöhnt. Hier zuckt keiner mit der Wimper, wenn Mitte November plötzlich überall Hexen, Prinzessinnen, Vampire, Piraten oder Superhelden auftauchen. Die vermutlich kleinste Maske ist wohl die dicke rote Knollennase. Doch die „neuen“ Masken, die wir seit einiger Zeit (fast) alle tragen, sind wenig phantasievoll und dienen nicht der Verkleidung, sondern dem Schutz. Sie sind wahrlich keine Hingucker und verdecken im Gegensatz zu den Karnevalsmasken nur die untere Hälfte des Gesichts. Anfangs haben sie mir Unbehagen bereitet, inzwischen gehören sie fast schon zum Alltag dazu und geben ein zaghaftes Gefühl von Sicherheit. Offenbar helfen sie ja wirklich, Corona in Schach zu halten. Ich habe zum Glück kein Problem damit, mir bekannte Menschen auch „maskiert“ zu erkennen, und kann Stimmen auch noch stoffgedämpft gut verstehen. Eine Freundin von mir, die kaum noch hören kann, ist darauf angewiesen, von den Lippen zu lesen, und fühlt sich seit Monaten abgeschnitten von der Welt. Für taube und schwerhörige Menschen sind diese Masken ein Riesenproblem.

Gesine mit Maske (BFL)

Aber offenbar sind sie nötig. Wenn wir sie tragen, nehmen wir Rücksicht, halten uns an die Schutzregeln, tun etwas für die anderen und damit letztlich auch für uns selbst. Die meisten Kölner scheinen vorsichtig zu sein, auch wenn es hier momentan (Stand von gestern) lediglich noch 45 Infizierte gibt. Vielleicht ist die Zahl nur deshalb so niedrig, weil wir so diszipliniert der Maskenpflicht nachkommen? Ob die „Maskierung“ den verkleidungsgewohnten Kölnern wohl leichter fällt als anderen?

Leider haben am letzten Wochenende 10.000 Menschen in der Deutzer Werft gegen Fremdenhass und Rassismus demonstriert, am Sonntag dann noch einmal 5.000 auf dem Neumarkt. Gerechnet hatte man lediglich mit 500 Personen. Die Stimmung war bedrückend. „America we see you“. Wie viele der Demonstranten mögen wohl Masken getragen und den nötigen Abstand gewahrt haben? Ich hoffe inständig, dass die zahlreichen Massenveranstaltungen in aller Welt keine weiteren Corona-Monsterwellen auslösen.

Kleine Sammlung (BFL)

Die „neuen“ Masken sind einfarbig oder bunt gemustert und sehen insgesamt recht langweilig aus. Sie sind flach bis häßlich spitz, lassen Brillen beschlagen und Ohren schmerzen und haben viele Namen: Behelfsmaske, Behelfs-Mund-Nasen-Maske, Gesichtsmaske, Textilmaske, Alltagsmaske, Mund-Nase-Bedeckung (MNB), Schutzmaske, Hygienemaske, Stoffmaske, Papiermaske, Community-Maske, DIY-Maske, Do-it-yourself-Maske. Es gibt sie mit langen und kurzen Haltebändern und diversen Gummis. Ich hatte keine Ahnung, wie viele Gummisorten es gibt! Einige sind angenehm weich und elastisch, andere hart und starr. (Mamas Hosengummis! Manchmal peinigten sie mich sogar in den sonntäglichen Kniestrümpfen!) Andere leiern schnell aus und lassen den Schutz ständig von der Nase rutschen, während wieder andere dauerhaft stramm und einschneidend bleiben.

Ich habe auf die harte Tour gelernt, dass man frisch erworbene Masken auf keinen Fall mit unverknoteten Gummis in die Waschmaschine stecken sollte. Es dauert Stunden, bis man die Gummis, die beim Waschen (zumindest bei mir) alle rausrutschen, endlich wieder in ihre engen Tunnel gefrickelt hat. Man gerät dabei ins Schwitzen und Fluchen und sogar die Fingernägel brechen ab. Noch schlimmer ist es, wenn der Pfeifenputzer- oder sonstige Draht sich in der Waschmaschine verbiegt oder gar spitz herausragt, Stoffe aufreißt und partout nicht wieder an seinen Platz will.

(Adam Niescioruk/unsplash)

Meine Mask-Awareness ist in den letzten Monaten durch die Omnipräsenz verschiedenster Gesichtsbedeckungen so gestiegen, dass ich mir viele Gedanken zum Thema Masken gemacht habe. Durch die Katastrophennachrichten haben sich auch die OP-Masken und die FFP-Atemschutzmasken nachhaltig in meinem Bewusstsein verankert und versetzen mich in latente Dauerunruhe, denn Krankenhäuser sind ja mein spezielles Angstgebiet. Angeblich sind die chirurgischen Masken bequem und leicht, aber man kann sie nur einmal tragen, umweltfreundlich sind sie also nicht.

(Jacob Boavista/unsplash)

Auch die schweren Atemschutzmasken und Visierhelme der Polizei sind jetzt dauernd in den Nachrichten zu sehen, und gleich fallen mir auch wieder die martialischen Gasmasken aus Kriegszeiten ein, die an Insektenköpfe erinnern und von denen mein Vater nur mit Grauen sprach. Im Ersten Weltkrieg trugen sogar Pferde und Hunde solche Gasmasken und sahen aus wie bizarre Horrorfilmwesen. Kurz bevor die Pandemie losging, habe ich mich noch mit dem Thema beschäftigt, denn im Literaturkreis wollten wir als nächstes „Im Westen nichts Neues“ lesen (Remarque ist in diesem Jahr 50 Jahre tot). Aber dazu kamen wir durch den Lockdown nicht mehr. Harter Lesestoff, und wenn man einen kriegstraumatisierten Vater hatte, kann der Roman viele belastende „geerbte“ Erinnerungen triggern.

Die Giftgasangriffe müssen entsetzlich gewesen sein. Selbst wer eine Schutzmaske trug, war nicht sicher, denn es wurde ein brechreizauslösendes Gas entwickelt, das mühelos in die Masken eindrang und die Träger zwang, sie abzureißen. Woraufhin der Gegner gleich das eigentliche, tödliche Giftgas einsetzte. Welche Gehirne denken sich solche Grausamkeiten aus? Auch beim Anblick der bis an die Zähen bewaffneten amerikanischen Polizisten wird mir elend. Ich sehe das unbarmherzige Knie im Nacken von George Floyd. Über acht Minuten lang. „I can’t breathe!“

(Kuma Kum/unsplash)

Der Vorläufer der Schutzmasken  und vielleicht auch der Gasmasken war wohl die Maske des sogenannten Pestarztes, des „Dottore della Pesta“. Eine lange „Rabenmaske“, gefüllt mit Flüssigkeit (Essig oder Kräuteressenzen), Räucherwerk oder Kräutern (Wacholder, Gewürznelken, Zitronenmelisse, Kampfer, Myrrhe u.a.). Zu Zeiten des „Schwarzen Todes“ glaubte man, wohlriechende Kräuter und Spezereien könnten den Maskenträger vor dem „Pesthauch“ bzw. den gesundheitsgefährdenden „Miasmen“ (üble, krankmachende Dünste, giftige Ausdünstungen, Ansteckung) schützen. Auch der Begriff „Malaria“ entspringt dieser Vorstellung von gefährlichen, ansteckenden Dünsten, denn wörtlich übersetzt bedeutet er „schlechte Luft“.

(Marc Vandecastteele)

Zusätzlich zur auffälligen Maske mit dem langen Schnabel oder Rüssel und den eingesetzten Glasaugen (die gegen den krankmachenden Blick schützen sollten) trugen die Pestdoktoren des 17., 18. und 19. Jahrhunderts gewachste Stoffgewänder oder Ledermäntel, die alle Körperteile bedeckten, lange Handschuhe und einen Krempenhut. Echte Schutzkleidung also. Oft hatten sie auch noch einen Stab, mit dem Untersuchungen durchgeführt und die Infizierten auf Abstand gehalten werden konnten.

(xxxmax/pixabay)

Wenn ich im Fernsehen die bis zur Unkenntlichkeit vermummten Ärzte auf den Intensivstationen sehe, muss ich an die schwarzen Pestärzte denken, auch wenn die medizinische Kleidung heute ganz anders aussieht. Doch auch die Menschen in den Covid-Stationen wirken wie Wesen aus einem Fiebertraum. Vieles ist gleich geblieben: Genau wie in Pestzeiten versuchen auch wir, uns vor der Luft, dem Atem, den Infizierten zu schützen. Nur dass wir heute wissen, dass es winzige Viren sind, die uns krank machen. Wir wissen sogar, wie sie aussehen, wie genau wir uns infizieren, wie sie sich in unseren Körpern vermehren und dass wir uns vor allem vor den unsichtbaren Aerosolen in der Luft hüten müssen. Auch Angst und Hilflosigkeit sind leider geblieben. Allzu oft können unsere Ärzte nichts mehr tun für ihre sterbenden Patienten. Wer den Covid-Intensivstationen mit den Beatmungsgeräten entkommt, ist kein Genesener, sondern ein „Survivor“, ein Überlebender.

(vreichel/pixabay)

Heute assoziiert man die Schnabelmasken vor allem mit dem Karneval in Venedig. Ich weiß nicht, ob es die „Rabenköpfe“ schon während der ersten großen Pestepidemie gab, der Justitianischen Pest (Mitte des 6. Jahrhunderts). Als im Frühjahr der Karneval in Venedig aus Sorge vor einer weiteren Ausbreitung der Pandemie abgesagt wurde, sah man schon die ersten Schnabelmasken in den Straßen der Lagunenstadt. Corona ließ sich weder durch sie noch durch den Lockdown aufhalten und wütete in Italien besonders schlimm.

Pestärzte (BFL)

Menschen mit Vogelköpfen haben mich schon als Kind fasziniert, doch sie sahen nicht aus wie die Pestärzte. Sie waren Mischwesen. Meinen ersten Vogelmann sah ich in den Collagen von Max Ernst, es ist ein laufender Mensch mit dem Kopf eines Zaunkönigs, vielleicht ist es auch eine Schnepfe, genau kann ich das nicht erkennen. Mein erstes Buch heißt nicht von ungefähr „Mann mit dem Vogelkopf“. Es ist wohl wieder eine dieser merkwürdigen Fügungen, dass auch mein Mann eine persönliche Beziehung zu Vogelkopfwesen hat. Das eigens für ihn entworfene Exlibis, das hier in so vielen Büchern klebt, stellt den Pestarzt dar.

(Alefolsom/pixabay)

Die unheilverkündende Schnabelmaske des „Dottore della Pesta“, die das ganze Gesicht bedeckte, fand ihren Weg bald in die Maskenwelt des Karnevals und erinnert gleichzeitig auch an die noch älteren venezianischen Halbmasken. Die beliebten „Zanni“ haben ebenfalls Schnabelnasen, sind in der „Commedia dell’Arte“ verankert und verbunden mit Theaterfiguren wie Pulcinella, Scaramouche, Brighella, Arlecchino oder Capitano. Sie werden in verschiedenen Formen und Farben angeboten. Aber irgendwie haftet auch ihnen in meiner Wahrnehmung (vor allem den schwarzen und weißen Varianten) die Erinnerung an den „Schwarzen Tod“ an, der Europa so schwer heimsuchte. Inzwischen kann ich mir noch besser vorstellen, wie sich die Menschen damals gefühlt haben müssen.

Auch Bücher fallen mir ein: Boccaccios „Decamerone“, „Die Pest“ von Albert Camus, „A Journal of the Plague Year“ von Daniel Defoe und das Tagebuch von Samuel Pepys.

(Blickpixel/pixabay)

Ich liebe phantasievolle Verkleidungen und Masken, auch wenn ich mich selbst nur ungern „maskiere“, weil meine Haut sich dabei schon nach kurzer Zeit unwohl fühlt. Das gilt auch für die weichen Corona-Stoffe, die schnell unangenehm feucht werden, die Nase wie verrückt jucken lassen (nur nicht ins Gesicht fassen!) und den gewohnten Umgang miteinander ziemlich unmöglich machen. Wir haben plötzlich aufgehört uns anzulächeln.

Seelenlos glänzende schwarze Helmköpfe (wie bei Darth Vader in „Star Wars“) oder Schockgesichter (wie der verzerrt grinsende Joker, der gräßliche Freddy Krueger oder Stephen Kings Horror-Clown) sowie Vermummungen, die einzig dem Zweck dienen, unerkannt Verbrechen zu begehen (wie die Spitzhüte des Ku-Klux-Klans), machen mir Angst und dringen ein in meine Alpträume. Dazu gehören für mich auch die ironisch grinsenden weißen Guy Fawkes-Masken, die alle Träger gleich aussehen lassen. Masken verbergen die Mimik, machen den Träger darunter unsichtbar. Nur gut, dass wir im Moment nicht alle so herumlaufen müssen! Übrigens kann man auch zu Corona-Zeiten und fern von Amerika einem hässlichen alten Bekannten begegnen. So wurde in Thüringen vor kurzem die Maske des Ku-Klux-Klans als „Alternativ-Mund-Nasen-Schutz-Pullover“ zum Verkauf angeboten. Zum Glück wurden die Pullover, es gab sie in Schwarz und in Weiß, gleich wieder aus dem Verkehr gezogen.

Wer mag wohl die allererste Maske erfunden haben? Das bisher erste bekannte Exemplar stammt bereits aus der Jungsteinzeit, man schätzt die Entstehungszeit auf etwa 7.000 vor Christus. Es handelt sich um eine einfache Steinmaske mit runden Augenlöchern, schmaler, gerader Nase und offenem Mund. Sie ist aus rosa-gelbem Kalkstein und wirkt geradezu minimalistisch. Wer trug sie? Wurde sie überhaupt getragen oder wurde sie vielleicht aufgehängt? Welchem Zweck diente sie? Wir werden es wohl nie erfahren.

(sdk/pixabay)

 

Veröffentlicht unter Corona, Köln | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Kleine Pandemische Sprachbetrachtung (2) – „There is no Glory in Prevention“

 

(AnnelieseArt/pixabay)

Als Übersetzerin fallen mir natürlich die vielen Anglizismen und englischen Sätze auf, die uns in Coronazeiten zunehmend begegnen, obwohl es dafür durchaus auch deutsche Begriffe gibt. Aber irgendwie sind die englischen Wörter „griffiger“ und klingen besser. „Lockdown“ (Ausgangssperre – leider gibt es auch Lockdown-Partys, zu denen sich Unvorsichtige hinreißen lassen) oder „Shutdown“ (Herunterfahren) haben es jedenfalls locker ins Deutsche geschafft. „Home-Office“ bzw. „Homeoffice“ (mit Rechner und Kommunikationstechnik ausgestatteter Arbeitsplatz zu Hause) kannten wir zwar schon länger, aber eher in der Theorie und nicht im geräumigen Eigenheim oder winzigen Apartment und schon gar nicht mit den Kindern als Dauer-Challenge. Auch „Home-Schooling“ bzw. „Homeschooling“ klingt more up to date als Hausunterricht, häuslicher Unterricht oder gar Domizilunterricht.

(Alexandra_Koch/pixabay)

Neu dagegen war auch für mich das „Social Distancing“ (räumliche Trennung, physische Distanzierung). Ein etwas komplizierter Begriff, der möglicherweise besser „Physical Distancing“ heißen sollte, denn gemeint ist ja nur die körperliche, physische Distanz bei weiter bestehender gesellschaftlicher Nähe. Aber das englische Wort „social“ ist ohnehin schillernd und bedeutet längst nicht nur sozial, sondern auch gesellig, gesellschaftlich, umgänglich, sozialistisch und mehr. Gemeint ist ja gerade nicht die soziale Isolation, an die man gleich denkt, wenn man den Begriff mit „Soziale Distanzierung“ übersetzt. Aber man kann natürlich auch argumentieren, dass unsere sozialen Kontakte auf ein Minimum beschränkt werden sollen, so dass der Begriff dann am Ende doch irgendwie greift. Wie ich in der ausländischen Presse lese, tut sich auch die englischsprachige Welt mit der Entscheidung für oder gegen „social“ oder „physical“ schwer. Es gibt Verfechter für beide Varianten. „Superspreader“ (Virenschleuder) und „Superspreading-Ereignis“ sind da eindeutiger und klingen dem Ereignis angemessen. Viele neue Wörter. You live to learn.

(amit69/pixabay)

Wofür die Abkürzung PCR steht, kann ich mir jetzt endlich auch merken, nachdem Christian Drosten es oft genug wiederholt hat: Polymerase Chain Reaction (Polymerase Ketten-Reaktion, erklären kann ich das jetzt allerdings nicht).  Die Abkürzung weckt bei mir viele Erinnerungen. So höre ich gleich einen netten Menschen sagen: „Ich mach jetzt mal schnell noch die PCR.“ Lange her. Als Psychiatrie-Übersetzerin hatte ich mein Arbeitszimmer einige Jahre im Laborhaus der Kölner Uni-Klinik, und schräg gegenüber im Laborraum wurden jeden Tag interessante Tests mit wohlklingenden Namen wie Western Blot, Elisa und PCR (damals noch recht neu) durchgeführt, und wenn man in den Raum spähte, sah man auf den Tischen entspannt schaukelnde Geräte (Mikrotiterplatte auf Rüttler).

In den Anfängen der Aids-Pandemie saß ich damals sozusagen genau gegenüber der Quellenauswertung, denn dort wurden vor allem unzählige HIV-Tests durchgeführt. Mein Zimmer war schön und geräumig, mit zwei Schreibtischen und Regalen voller Bücher (meinen eigenen, nebst einigem Krimskram), und war eigentlich für einen Arzt gedacht. Nur einen Computer hatte ich dummerweise nicht, weil mein Chef der Ansicht war, dass ich (und Frauen überhaupt) damit nicht umgehen könne. Also musste ich alles mühsam niederschreiben, in ein blödes Gerät diktieren, von einer Sekretärin tippen lassen, Korrektur lesen und danach nochmal von der Sekretärin verbessern lassen. Sie war nett, aber oft hat sie Begriffe nicht verstanden und nur nach Gehör geschrieben. Da hätte man sich wirklich mehrere Arbeitsschritte sparen können. Außerdem kann ich sehr gut mit Computern umgehen.

Apropos Aids-Pandemie: Ich erinnere mich noch an meine tiefe Verunsicherung, an meine Alpträume und auch daran, dass eine gute Freundin lachte, als ich ihr von der (damals noch tödlichen) neuen „Seuche“ erzählte. „Mit dir geht mal wieder die Fantasie durch! Alles Panikmache!“ Egal, die Freundschaft besteht längst nicht mehr. Mir hat die Krankheit damals große Angst gemacht, und „danach“ war für mich alles anders als vorher, die Leichtigkeit des Seins war vorbei, aber vor allem sind mehrere liebe Freunde von mir an Aids erkrankt und elend gestorben. Doch man konnte sie anders als heute bei Corona bis zum Schluss noch besuchen, wenn auch in Schutzkleidung. Zur ihrem Schutz, nicht zum eigenen!

Im Erdgeschoss jenes (inzwischen abgerissenen) Laborhauses standen komische Gefäße mit menschlichen Gehirnen, aus denen feinste Schnitte angefertigt und anschließend eingefärbt wurden. Ich muss jedes Mal daran denken, wenn ich Walnüsse sehe. Manchmal brachte ein nervöser Eilbote „frische Muskelschnitte“ in ekligen Plastikbeuteln. Ich habe die Proben höchst ungern im Empfang genommen, und nur, wenn sonst keiner die Klingel hörte. In der Kaffeepause um die Mittagszeit (der nette Mensch und ich waren die einzigen Teetrinker, so dass er immer fürsorglich auch für mich eine Tasse machte) wurden ab und an besonders gelungene histologische Schnitte herumgezeigt, was mir sofort auf den hochsensiblen Magen schlug. Und dann gab es dort auch noch eine nette Putzfrau, die eine Katze hatte und eine Art Seelenverwandte von mir war. Wie hieß sie doch gleich? Aber ich ufere aus. Dazu neigt man als Romanautorin. Sorry. Zurück zur aktuellen Pandemie.

Das Corona-Motto „Flatten the curve“ (die Kurve flach halten, ich habe auch schon „Stop the Curve“ gesehen, ach, wenn das nur ginge!) und die Corona-Mantras „Stay home, stay safe, save lives“, „Stay alert“ und „Keep calm“ in allen Varianten (and wash your hands, carry on, drink tea, love Colin Firth, stay at home) dürften hier inzwischen jeden erreicht haben. Auch das WHO-Mantra „Test, test, test“ hat es geschafft, allerdings vor allem in der Übersetzung als „Testen, Testen, Testen“. Unter der Strategie „Hammer and Dance“ (beides sehe ich gerade lebhaft vor mir!) versteht man ein abwechselndes Anziehen und Lockern der Eindämmungsmaßnahmen. Momentan sind wir offenbar nach dem ersten Hammer im ersten gemäßigten Dance-Modus.

Relativ unbekannt war für viele Nichtmediziner bisher wohl der Begriff „Cocooning“ (Kokon-Strategie), bei dem ich spontan an die geheimnisvolle Verpuppung von Schmetterlingen denke. Man bezeichnet damit aber auch das gemütliche Einigeln im eigenen Heim, und in diesem Sinn, allerdings nicht annähernd so gemütlich, wird es als Anti-Corona-Strategie auch benutzt. Risikopersonen werden abgeschirmt und bleiben zu Hause („Alte ins Nest!“). Auch im Kreißsaal und auf der Wöchnerinnenstation scheint es in Pandemie-Zeiten Cocooning zu geben, habe ich gelesen (nur noch eine gesunde Person darf mit in den Kreißsaal).

kind of cocoon (Dieter_G/pixabay)

In der Medizin versteht man darunter übrigens auch noch etwas anderes, vor allem im Bereich des Impfens. Ein Beispiel: Säuglinge sind besonders anfällig gegen Keuchhusten und können daran sterben. Um die Kleinen zu schützen, ist es sinnvoll, wenn alle Bezugspersonen geimpft sind. So wird quasi ein schützender Familien-Kokon „gesponnen“, was aber leider durch die zu geringe Impfbereitschaft in der Realität nicht sonderlich gut funktioniert. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher jetzt die Impfung der Schwangeren (am Beginn des letzten Drittels der Schwangerschaft). Das funktioniert sehr viel besser, denn werdende Mütter bringen ihr Kind nicht unnötig in Gefahr. Keuchhusten ist in keinem Alter ein Spaziergang im Park. Mich hat es als Erwachsene voll erwischt (bis dahin dachte ich fälschlich, es sei „nur“ eine Kinderkrankheit), und ich weiß noch genau, wie mich die heftigen Hustenkrämpfe alle paar Sekunden auf den Fußboden zwangen. Alles tat weh, ich bellte schier ununterbrochen, bekam keine Luft und fürchtete, mir würde jeden Moment der Kopf explodieren oder ein Blutgefäß im Gehirn platzen. Ich wäre fast im Krankenhaus gelandet, so schlecht ging es mir. Seitdem lasse ich mich auch gegen Keuchhusten regelmäßig impfen, denn man ist nach Durchmachen der Krankheit leider nicht immun. Nochmal will ich das auf gar keinen Fall erleben!

Update (Markus Winkler/unsplash)

Völlig neu war für mich allerdings der augenöffnende Satz „There is no glory in prevention“, den ich zum ersten Mal bei Professor Drosten hörte und der gar nicht leicht zu übersetzen ist. Wörtlich wohl mit „Vorbeugen wird nicht belohnt“ oder „Kein Ruhm für Prävention“, aber der tiefere Sinn wird erst verständlich, wenn man das Ganze weiter ausschmückt. „Die Verhinderung gefährlicher  Krankheiten bringt leider (wenn überhaupt!) bei weitem nicht den gleichen Ruhm wie ihre Heilung“. Oder, ganz frei: „Wer heilt, hat recht und wird berühmt, wer Krankheiten „nur“ verhindert, wird möglicherweise auch noch angefeindet und beschimpft. Heutzutage gerät man deswegen sogar leicht in Twitter-Gewitter und virtuelle Shitstorms (hat im Englischen übrigens nicht ganz dieselbe Bedeutung wie bei uns). Das gilt sogar für Leute, die lediglich versuchen, die Prävention zu fördern (siehe Bill Gates) oder einen Erreger erforschen und darüber wissenschaftlich fundiert informieren (siehe Prof. Drosten, der gerade wieder neue Morddrohungen und gestern sogar ein Drohpaket mit einer offenbar üblen Substanz erhalten hat, genau wie der SPD-Politiker und Arzt Karl Lauterbach).

Für meinen Mann war der Satz nicht neu, denn als Arzt kennt er das „Präventionsparadox“ nur allzu gut. Im Bereich der Impfepidemiologie beobachtet man das Prinzip seit langem. Tritt eine gefährliche Krankheit auf, ist die Akzeptanz der Impfung bei der Bevölkerung zunächst hoch. Man hat Angst und sieht, dass andere schwer krank werden und will das auf gar keinen Fall selbst haben! Beispiel: Im Stammbaum meiner Eltern sehe ich mit Schrecken, wie viele Kinder früher an Diphterie gestorben sind. Allein bei meiner Mutter waren es mehrere Geschwister, bei meinem Vater ein Schwesterchen (dazu kamen bei beiden auch noch Cousins und Cousinen, Nichten und Neffen), aber in den Generationen davor waren es noch viel, viel mehr Kinder.

Die Krankheit galt bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nicht von ungefähr als „Würgeengel der Kinder“. Heute ist sie aufgrund von Impfungen sehr stark zurückgegangen und tritt hier nur noch vereinzelt auf. Mein Vater hat sie im Zweiten Weltkrieg dann noch einmal aus nächster Nähe erleben müssen, weil sie als Epidemie grassierte und auf einen Schlag 3 Millionen Menschen infizierte. Meine Eltern hatten daher eine Heidenangst vor dieser Infektionskrankheit. Ich auch. Bei jeder Halsentzündung hieß es gleich: „Hoffentlich hat das Kind keine Diphterie!“ Da ich ziemlich oft krank war und meine Mutter  wohl doch ein bisschen Angst vor dem Impfen ihrer zarten Tochter hatte (ich wurde als einzige in der Klasse nie gegen Pocken geimpft), bekam ich erst 1963 meine Diphterie-Impfungen, wie ich in meinem Impfausweis sehe. Gerade noch rechtzeitig. Meine viel jüngere (noch ungeimpfte) Schwester musste die Krankheit durchmachen, es ging ihr richtig schlecht und sie hatte tagelang hohes Fieber. Ausgerottet ist die Diphterie zwar immer noch nicht, aber der Würgeengel der Kinder hat durch die Impfung seinen Schrecken verloren. Jetzt hat man Angst vor der Impfung! Genau so funktioniert das Präventionsparadox. (Kleiner Nebengedanke: Ob sich die Impfbeteiligung wohl steigern ließe, wenn man die Impfungen wieder selbst bezahlen müsste? Was nichts kostet, taugt schließlich nichts!) Aber wie heißt es doch so schön: „If you don’t like the vaccine, try the disease.“

Die Auswirkungen des Präventionsparadox-Prinzips kann man gerade gut beobachten: Hier ist ja zum Glück (noch!) nicht viel passiert, also kann das Virus so schlimm ja nicht sein und deshalb können wir jetzt auch alle wieder ganz normal weiterleben wir vorher. War doch alles total überzogen! Die meisten Leute, die hier krank waren, sind wieder gesund und die Alten wären sowieso bald gestorben. Die Politiker und Virologen haben uns hinters Licht geführt (um Machtgelüste auszuleben, sich selbst zu bereichern, die Weltherrschaft an sich zu reißen, weiß der Kuckuck, wie die Verschwörungstheorien alle lauten). Explosives Thema.

News (Markus Winkler/unsplash)

Wer in den letzten Wochen und Monaten die englischsprachige Presse verfolgt hat (ich habe zusätzlich zur New York Times auch den Guardian abonniert), kennt die schockierenden Bilder und Filme aus den New Yorker Krankenhäusern und Leichenhallen und ist vorsichtiger mit Schlussfolgerungen und Schuldzuweisungen. Doch bei uns führt das Präventionsparadox gerade dazu, dass die Risikowahrnehmung ausgerechnet durch den Erfolg der Präventionsmaßnahmen ins Kippen gerät. Genau wie beim Impfen. Die Angst vor der Krankheit nimmt ab, weil man sie nicht (mehr oder noch nicht) sieht, und die Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen der Schutzimpfung bzw. die Entrüstung über die einschneidenden Vorbeugungsmaßnahmen wächst. Am Anfang war man noch kooperativ, da konnte man ja auch noch nicht einschätzen, was einem blühte. Aber dann passierte NICHTS! War also alles nur Panikmache! Die Krankenhäuser sind leer! Was soll der ganze Lockdown-Mist? Dafür verlieren wir jetzt unsere Jobs und haben wochenlang in Quarantäne gehockt? Wo sind denn nun all die Schwerkranken und Toten?

Es wird auf hohem Niveau geschimpft und demonstriert. Bei einer Protestveranstaltung rief vorige Woche eine aufgebrachte Frau: „Ich demonstriere für mein Recht, mich mit Corona zu infizieren!“  Im Internet kursiert seit einiger Zeit eine lange Petition gegen die Corona-Impfpflicht, die ihren Weg blöderweise auch schon mehrfach in meine Mailbox gefunden hat. „Zwangsimpfungen gesetztlich untersagen.“ Wir lassen uns doch von denen nicht zwingen! Unterzeichnet immerhin von 276.947 Personen (Stand heute). Dabei gibt es noch nicht mal einen Impfstoff! Wenn es ihn doch bloss gäbe! Positiv zu werten ist höchstens, dass die Unterzeichnenden allesamt bereit sind, zurückzustehen, wenn ein Impfstoff verfügbar ist, damit wenigstens andere sich schützen lassen können.

„There is no Glory in Prevention.“ Wer todkrank ist und geheilt wird, ist seinem Retter sein Leben lang dankbar. Wer eine Krankheit nicht bekommt, weil er dagegen geimpft ist oder weil Vorsichtsmaßnahmen dies abwenden konnten, nimmt es nicht wahr. Dankbar? Wofür? Da war doch gar nichts! Wir haben in Deutschland bisher nur deshalb so wenige Fälle – obwohl 181.293 bestätigte Infektionsfälle und (nach heutigem Stand, 14:30 Uhr/Johns-Hopkins-Universität) 8.377 Todesfälle meiner Meinung nach nicht grade wenig sind, weil wir sehr frühe und umfangreiche Testungen, ausgezeichneten Virologen, umsichtige Politiker und den ganzen (rechtzeitigen) Quarantäne- und Lockdown-Mist hatten! Aber das kann sich sehr schnell ändern (hoffentlich nicht!).

Ein genauer Blick in die italienischen, französischen, englischen, spanischen und amerikanischen Krankenhäuser müsste eigentlich jeden sofort zur schockierten Einsicht bringen. In New York standen reihenweise Kühllaster voller Leichen vor den Hospitälern und Beerdigungsinstituten. Zeitweise gab es nicht mal genug Leichensäcke, Särge und Gräber für die Toten. Aber New York ist nun mal weit weg und hier stehen keine Kühllaster. Dabei sind wir immer noch mitten drin in der weltweiten Pandemie, auch wenn grade Dance-Modus ist. Um die Bevölkerung zu schonen oder Panik zu vermeiden, hat man hier die Katastrophenbilder und Filmaufnahmen kaum oder nur sehr kurz gezeigt, und diese Rücksichtnahme geht bei einigen offenbar gerade nach hinten los. Wir sind nicht immun, weil es uns (noch) gut geht und wir ein stabiles Gesundheitssystem haben. Genau das haben auch andere gedacht, die es dann eiskalt erwischt hat. Willkommen im Club von Boris Johnson, Donald Trump und Bolsonaro.

Message on a tree (Nick Fewings/unsplash)

Veröffentlicht unter Corona | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Innere Kraftorte – Der Nachtgarten

Garden (Yukitaka Iha/unsplash)

In meiner Vorstellung ziehe ich mich gern in meine inneren Gärten zurück. Es gibt drei, einen Nachtgarten zum Einschlafen und für tagsüber einen freundlichen sonnigen Obstgarten und einen wilden englischen Cottage Garden. Ich kenne sie so genau, dass ich sie mühelos zeichnen kann. Für alle gibt es reale Vorbilder, in denen ich sinnliche Eindrücke sammle. Für den Nachtgarten finde ich sie in den Schattenbereichen unseres eigenen Hausgartens und im großen Japanischen Garten in Leverkusen. Ich versuche, ihn mehrmals im Jahr zu besuchen, mich in aller Ruhe darin zu bewegen und dabei möglichst viele Fotos zu machen, die ich mir später zu Hause genau ansehe, um mir alle Eindrücke einzuprägen oder gezielt zu verstärken, damit ich sie auch mit geschlossenen Augen gut abrufen kann. Wie die Hütte im Käuzchenwald sehen auch die inneren Gärten bei jedem Besuch ein wenig anders aus, je nach Verfassung und Jahreszeit, nur die Grundstruktur bleibt bestehen.

In the shade (BFL)

Am schönsten ist mein Nachtgarten im Frühling und Herbst. Ich besuche ihn abends im Bett zum Entspannen und Beruhigen, zum „Erden“ und „Abschalten“. Früher konnte ich darin sehr gut einschlafen, denn es gibt dort ein kleines Haus mit einem bequemen Bett, aber seit Corona gelingt mir das Einschlafen besser in der Hütte im Wald, wobei auch das langsam schwieriger wird, daher muss ich mir vielleicht bald noch ein weiteres Plätzchen suchen. Käuzchen gibt es in den Gärten übrigens auch. Sie scheinen in all meinen Kraftorten zu leben, genau wie an den Wänden meines Arbeitszimmers.

Um in den Nachtgarten zu gelangen, muss ich zuerst durch ein großes uraltes Tor, das zwischen hohen Steinmauern liegt. Ich lege die Hände auf das raue Holz und warte. Wenn ich Glück habe, öffnet sich das Tor, gleitet lautlos beiseite, schließt sich sofort hinter mir, und ich kann den Garten betreten. Es klappt nur, wenn ich keine störenden Gedanken habe und mich ganz auf den inneren Ort einlasse, sonst muss ich aufgeben oder noch mal von vorn anfangen, manchmal sogar mehrmals – mich dem Tor erneut aus einiger Entfernung nähern, mich davor stellen, das Holz berühren und stumm darum bitten, eingelassen zu werden. Die Steinmauer um meinen japanischen Garten erinnert mich an die alten Mauern von englischen Herrenhausgärten und auch an die lange Mauer, die in meinem Geburtsort früher von der Kirche bis hin zum kleinen Friedhof führte. Überhaupt mag ich alte Mauern und auch die kleinen wilden Pflanzen, die dort in den Fugen wachsen. Wir haben hinten im Garten eine Trockenmauer, die eine Kräuterspirale umschließt und aus der alle möglichen winzigen Gewächse sprießen, vor allem Farne. Ganz von selbst, und ich nenne sie „Gartengeschenke“.

Stone Flower (BFL)

Einmal habe ich „richtig“ von meinem Nachtgarten geträumt und war total erstaunt, den sonst nur im Wachzustand imaginierten Ort plötzlich so unerwartet im Schlaf zu sehen. Doch ich stand nur vor der verschlossenen Tür und musste unverrichteter Dinge wieder gehen. Mir ist zwar so gut wie immer bewusst, dass ich träume, aber ich bin leider keine gute luzide Träumerin, denn ich kann die Handlung selten beeinflussen. Ich träume mit allen Sinnen und wachem Bewusstsein, aber in meiner Traumwelt scheinen Gesetze zu gelten, auf die ich (noch) keinen Einfluss habe. Ich kann mich allerdings leicht aus unangenehmen Träumen herauskatapultieren oder wie an einer unsichtbaren Nabelschnur herausziehen. Aber dann ist der Schreck meist schon so groß, dass ich mit Herzrasen erwache.

Red Bridge (BFL)

Der echte Garten in Leverkusen liegt offen, ist von allen Seiten einsehbar und kann über Brücken und durch mehrere Eingänge betreten werden. Mein geheimer Garten dagegen ist komplett umwallt, hat nur ein Tor und wird ausschließlich von mir besucht, obwohl ich auch hier das Gefühl habe, dass mein Vater noch vor kurzem anwesend war. Vielleicht ist er in einen der angrenzenden Gärten gegangen, den freundlichen Obstgarten oder den wilden Cottage Garden mit Rosenbüschen, Clematis, Fingerhut, Frauenmantel, Herbstanemomen und der Bank unter den Kletterrosen – alles Pflanzen, die ich hier im Garten habe und die auch in den Gärten meines Vaters wuchsen.

Dreaming Flowers (BFL)

Zwischen den Gärten wandert ein zahmer Fuchs hin und her, der sich streicheln lässt, aber vor allem finde ich hier alle Katzen, die je mein Leben geteilt haben und inzwischen gestorben sind. Nur Alice fehlt, denn sie ist ja noch bei mir. Den Trosttrick mit dem „versetzten“ Weiterleben habe ich aus den Harry Potter-Büchern. J.K. Rowling hat ihre Mutter sehr früh verloren, vielleicht hat sie mit den inneren Bildern ja nicht nur ihrer Romanfigur, sondern auch sich selbst geholfen? Der Tod ist in ihren Büchern jedenfalls nicht das Ende. Als Dumbledore stirbt, ist er gleich darauf in seinem Portrait im „Headmaster’s Office“ zu sehen und schläft, wacht und spricht dort weiter, ohne dass ihm Zeit und Tod noch etwas anhaben können. Harrys verstorbene Eltern sind für ihren Sohn im Spiegel von Erised auch noch zu sehen. Beide Vorstellungen sind für mich sehr anrührend und tröstlich und erinnern mich an meine eigenen inneren sicheren Orte.

Fox (Nathan Anderson/unsplash)

Die acht Katzen freuen sich jedes Mal, mich zu sehen. Meine Kindheitskatze Topsi, schwarzweiß, klein und drahtig, ist meistens die erste, die angerannt kommt und Köpfchen gibt, aber dann sehe ich auch schon den riesigen silbergrauen Cisco, meinen Seelenkater, bei dessen unerwartetem Tod ich vor sieben Jahren tatsächlich Angst hatte, ich würde den Verstand verlieren. Wie gut, dass ich ihn hier noch besuchen kann. Meistens laufen mir die anderen Katzen spätestens dann entgegen, wenn ich auf die zweite Brücke trete, und wir schlendern zusammen über Trittsteine und Wege durch den geheimnisvollen Schattenteil bis zum Fischteich und dann die Stufen hoch zum Teehaus. Oder ist es ein kleiner Tempel?

Contemplation (BFL)

Hinter dem Tor wachsen Farne und Hostas, Rododendren und Azaleen, Hortensien und Elfensporn, rechts gibt es einen Moosgarten mit leisem Wasserlauf und glänzenden Steinen, und überall stehen halbverborgen  kleine  und große Statuen und Steinornamente. Natürlich findet man überall auch Bäume und Sträucher – vor allem Koniferen, Fächerahorne und große Eichen, aber auch Pinien, Kamelien und Bambus. Und am Fischteich steht eine Trauerweide, die so groß ist wie meine alte Baumfreundin an der Dorenburg in meinem Heimatort.

Rhododendron (BFL)

Der japanische Nachtgarten ist eine Oase der Entspannung, kontemplativ und meditativ, sanft und beruhigend, mit Hügeln und Wasser, weich fließenden Formen, ein wirklich poetischer Ort. Immer wieder leuchtet kräftiges Rot zwischen mattem Grün und Weiß und vielen Rosa- und Lilatönen. Es herrscht ein angenehmes Wechselspiel von Licht und Schatten, Hell und Dunkel, Hügeln und Flächen, feucht und trocken, rund und eckig. Einige Steinlaternen und Statuen habe ich mir aus dem realen Garten in Leverkusen ausgeliehen. Kurz vor dem Teehaus gibt es auch einen Abschnitt mit fein geharktem Kies, einer Bank und Findlingen. Dort kann man besonders gut nachdenken und den Geist klären. Der Garten ist nicht immer gleich. Es hängt ganz davon ab, was mir gerade gut tut und welche Bilder mir mein Unterbewusstsein schenkt. Ich bin da offen und lasse mich auf meinen Bildern davontragen.

Water Steps (BFL)

Auch hier gehe ich zum Einschlafen am liebsten meinen vertrauten Weg, nachdem sich das Tor hinter mir geschlossen hat. Oft mit bloßen Füßen, um den Boden, die Pflanzen, das Moos, die Steine, das Holz und den Kies besser zu spüren, ich höre die Pflanzen und Bäume atmen, das Wasser leise plätschern (das höre ich tagsüber auch hier im Garten, denn wir haben einen  kleinen Teich mit Goldfischen, Quellstein und Holzsteg), gehe über die Trittsteine des großen Koi-Teichs den Hügel hoch bis zum Haus, in dem in einem fast leeren Raum mein aufgedecktes Bett steht. Hier ist es angenehm kühl, von draußen hört man die leisen Klänge eines Windspiels (ich habe mehrere hier im Garten, so dass ich den Ton im Ohr habe) und den sachten Wind in den Blättern.

Right Path (BFL)

Im Haus steht in dem fast leeren Zimmer ein niedriger dunkler Tisch mit einer Teekanne und einer Schale Tee, ich trinke daraus, lege mich auf das Bett, und der Blick durchs Fenster ist blattschattig mit zarten bis kräftigen Gelb- und Grüntönen. Meine Katzen scharen sich um mich, und ihr entspanntes Schnurren bringt mich zuverlässig zum Einschlafen, wenn ich es einmal bis hierher geschafft habe. Oft wünsche ich mir, dass das Letzte, das ich in diesem Leben höre, das Schnurren einer Katze ist. Der warme, weiche Tierkörper vibriert auf äußerst beruhigende Weise, und die Wellen pflanzen sich wohlig in meinem Körper fort und tragen mich mit sich in den Schlaf.

Garden View (BFL)

Am schönsten war es, wenn mein gutmütiger Cisco sich wie eine überdimensionale Fellmütze um meinen Kopf legte (das tat er immer, wenn ich krank war und das Bett hüten musste, aber oft auch einfach nur so) und anfing, laut und tief zu schnurren. Es tut mir bis heute leid, dass ich nie auf die Idee gekommen bin, seine Stimme aufzunehmen, aber damals ahnte ich noch nicht, dass ich ihn schon so früh verlieren würde. Jede Katze klingt anders. Alice schnurrt leiser und höher, bei Ben klang es irgendwie gepresst, und an das Schnurren meiner Kinderkatzen kann ich mich nicht mehr richtig erinnern. Aber vielleicht würde ich es trotzdem wiedererkennen?

Ladybird (Artem Makarov/unsplash)

Manchmal schlafe ich im Nachtgarten auch schon draußen ein, die Katzen auf dem Schoß, neben mir auf der Bank oder unten an meinen Füßen. Mein getigerter Dorfkater Sam hatte die Angewohnheit, mit beiden Vorderläufen meinen Hals zu „umarmen“ und zärtlich mit seiner rauen Zunge die kleine Kuhle in der Mitte des Schlüsselbeins zu lecken, was ungemein kitzelte und mich oft zu Tränen rührte. Er leckte auch jeden Morgen meine Füße. Im Geheimen Garten macht er das immer noch und bringt mich damit zum Lachen.

Unmittelbar vor dem Einschlafen höre ich nur noch das Schnurren. Die Luft ist klar und würzig, duftet blättrig, holzig, harzig, frisch und herb, durchsetzt mit Efeu- und Farnnoten, aber gelegentlich auch ganz kurz intensiv lilienartig. Manchmal wachsen im Teich statt der Seerosen langstielige Lotusblumen. Ich weiß nicht, wie ihre Blüten in Wirklichkeit riechen, und habe mir daher meinen persönlichen Lotusblütentraumduft geschaffen. Er ist süß und stark und vermischt sich harmonisch mit den Schattengerüchen der Nacht.

Soft Ground (Leo Sammarco/unsplash)

Veröffentlicht unter Angst, Hochsensibel, Imaginieren, Natur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Kleine Pandemische Sprachbetrachtung (1) – Corona-Wortschöpfungen

Corona-Zeitung? (geralt/pixabay)

Als Schriftstellerin und Übersetzerin beobachte ich seit Anfang des Jahres mit Interesse die zunehmende Coronisierung meiner Muttersprache und bin schon gespannt, welche der vielen neuen Begriffe aus der aktuellen Pandemiefülle es in den Duden schaffen werden. Alle drei bis fünf Jahre kommt eine Neuauflage, und bei der letzten (2017) wurden 5.000 neue Wörter aufgenommen (unter anderem Brexit). Als ich vorige Woche (wieder mal) bei der Duden-Sprachberatung anrufen musste (leider kostenpflichtig), weil ich eine knifflige Rechtschreibfrage hatte, die ich allein unmöglich bewältigen konnte (die nette Mitarbeiterin konnte das natürlich sofort und befand sich offenbar im Home Office, denn die Verbindung war anders als sonst grottenschlecht), kam mir spontan die Idee, die Pandemie mal ein bisschen auf sprachlicher Ebene zu erforschen. Offenbar bin ich nicht die einzige Sprachinteressierte, die auf diese Idee gekommen ist. Googeln Sie mal „Corona und Sprache“!

Corona-Katze? (Chiplanay/pixabay)

Vorbemerkung: Als Katzenfrau kenne ich „Corona“ schon lange. Eine besonders grässliche Variante davon verursacht nämlich bei Katzen die gefürchtete und nach Ausbruch immer tödliche Krankheit FIP (Feline infektiöse Peritonitis) und gehört zu den heimtückischsten Viren überhaupt (wenn man Viren denn eine derartige Eigenschaft zuschreiben kann). Das feline Coronavirus (FCoV) bleibt in der Umgebung wochenlang infektiös, wird über den Kot ausgeschieden und von anderen Katzen oronasal (über den Mund und die Nase, klingt gefährlich vertraut, oder?) aufgenommen, ist höchst mutationsfreudig, kommt weltweit vor und gehört wohl zu den häufigsten infektiösen Todesursachen bei Katzen. Sehr, sehr viele Katzen kommen damit in Kontakt, ohne dass sie schwer erkranken. Leider mutiert das Virus immer wieder unvorhersehbar, scheinbar willkürlich und spontan in bestimmten Katzen, und man weiß nie, warum und in welchen. Besonders Kitten (auch wenn sie zunächst noch so gesund und entspannt wirken und man sie so lieb hat, dass es einem schier das Herz bricht, wenn man sie verliert) und gestresste oder kranke ältere Tieren sind davon betroffen. Einzelheiten erspare ich Ihnen lieber, aber mir wird schon bei der Erinnerung schlecht. Das klinische Erscheinungsbild ist äußerst vielfältig, und ich habe mehrmals bei geschockten Verwandten und Freunden miterleben müssen, wie ihre  Katzenkinder qualvoll an FIP starben. Es kann alle Katzen treffen, ob aus dem Tierheim, aus liebevoller Familienhaltung, von erfahrenen Züchtern oder vom Bauernhof. Meine eigenen Tiere sind bisher zum Glück davon verschont geblieben, aber ich hatte jedes Mal, wenn ich Kitten aufgezogen habe, Riesenangst vor FIP und habe mich erst beruhigt, wenn die Kleinen mehrere Monate bei mir und „über den Berg“ waren. Es gibt einen Impfstoff, aber der wirkt (wenn überhaupt) nur bei Tieren, die nie Kontakt zu den Viren hatten (sehr selten), kann die Krankheit mitunter sogar auslösen (also nur Katzen ohne Antikörper impfen) und umstritten ist er auch. Die Wirksamkeitseinschätzung schwankt  je nach Tierarzt zwischen „vergiss es“ und 80%. Schon das Wort Corona ist für mich daher katzenbedingt erschreckend besetzt, auch wenn ich weiß, dass unter den vielen „harmlosen“ Schnupfenviren auch Coronaviren sind. Ich hoffe inständig, dass Sars-CoV-2 nicht auch eines Tages anfängt, spontan zu mutieren. Als ich las, dass sich sowohl Großkatzen als auch Hauskatzen mit dem neuen Virus bei Menschen angesteckt haben, wurde mir extrem mulmig. Das nur zur Einstimmung. Ich wollte, ich würde FIP nicht so gut kennen. Es stimmt wirklich: Ignorance is bliss.

Corona-Regeln? (congerdesign/pixabay)

Flooding – In den letzten Monaten habe ich das Wort Corona so oft gehört, dass es bei mir einen gewissen Voldemort-Efffekt auslöst, was sich aber möglicherweise durch ein extremes „Flooding“ wieder ins Lot bringen lässt. Einen Versuch ist es wert. Bei der Therapie von Phobien ist „Flooding“ oft erfolgreich: Wer Angst vor Spinnen hat, wird den Viechern so lange und so massiv ausgesetzt, bis seine oder ihre Angst aufhört. Vielleicht klappt das verbal bei Corona ja auch und dann fühlt man sich besser und ist auf Dauer richtig schön gegen das Wort abgestumpft. Die Kombinationen, die dauernd auf uns einprasseln, kann man ohnehin kaum noch zählen. Allein in den kurzen WDR-Nachrichten waren es heute morgen bereits sieben, aber die standen alle schon auf meiner Liste.

Meine kleinen Sprachbetrachtungen beginnen also heute mit den Corona-Combis (sorry, Duden-Redaktion, aber es sieht mit C einfach schöner aus). Eine Woche lang habe ich mir eifrig C-Begriffe notiert – alle, die ich in unserer Tageszeitung, den Nachrichten, im Internet und in meinem Sprachgedächtnis so gefunden habe. Dass es so viele sein würden, hätte ich allerdings nicht erwartet, daher ist meine Sammlung aus Zeitmangel (oder doch eher aus Faulheit) weder vollständig noch alphabetisch, wofür ich um Nachsicht bitte. Als ich gerade fertig war (typisch!), entdeckte ich den lesenswerten Artikel von Christine Möhrs „Ein Wortnetz entspinnt sich um Corona“ (mit Mindmap und „Wortbildungsprodukten“). Dr. Möhrs ist eine Mitarbeiterin des Leibnitz-Instituts für deutsche Sprache (IDS) in Mannheim. Die IDS-Seite war für mich übrigens eine echte Entdeckung und die erste Belohnung für meine fleißige Sammelarbeit.

Corona-Besucher? (congerdesign/pixabay)

Hier kommt meine (durchaus noch ausbaufähige) Sammlung, bei der sich gleich auch einige Fragen auftun: Corona-Virus (kennen wir inzwischen zu Genüge), Corona-Ausbruch (klar, Wuhan), Corona-Welle (die erste legt sich grade, die zweite wird bestimmt noch schlimmer), Corona-Krise (weltweit, mitten drin), Corona-Party (wie früher die Masern-Partys, beides ganz und gar nicht zu empfehlen), Corona-Babys (vielleicht auch nicht zu empfehlen? aber sind das nun Kinder von Corona-Müttern oder Babys, die im Lockdown gezeugt wurden? ob es davon wohl mal viele geben wird? sinken Reproduktionsraten und Vermehrungsgelüste in Pandemien oder nehmen sie zu?), Corona-Ferien (für Kinder sicher vor allem langweilig?), Corona-Maßnahmen (heiß diskutiert), Corona-Tests (auch in den Varianten C-Antikörpertest und C-Schnelltest zu haben), Corona-Ticker (nervt jeden Abend, vor allem der Fanfarenstoß und die blöden Stachelkugeln), Corona-Abitur (die armen Schüler) Corona-Update (im NDR mit Prof. Drosten, leider nur noch zweimal die Woche), „Kekulés Corona-Kompass“ (im MRD, montags bis samstags; optisches Pech, dass Corona kein K am Anfang hat), Corona-Sprechstunde (klar, worüber die da sprechen), Corona-Briefing (mein Favorit: NDR), Corona-Mythen (viele, z.B. „gegen die Krankheit helfen heiße Bäder“, übrigens auch Sonnenbäder, außerdem Knoblauch, Ingwer, Meditieren mit Lungenkraut, hochprozentiger Alkohol sowie Spritzen und Trinken von Desinfektionsmitteln und  Haushaltsreinigern à la Donald Trump.), Corona-Lügen (z.B. „Mundschutzmasken gefährden die Menschen“, „Wir sind längst am Ende der Pandemie“), Corona-Leugner („Es gibt gar keine Viren!“), Corona-Verweigerer (ja, gibt es auch, sehr gelungen fand ich die Überschrift „Corona-Verweigerer attackieren Corona-Streife“). Es folgt eine kleine leserfreundliche Corona-Verschnaufpause mit Abschnitt, also tief durchatmen, gleich geht es weiter und wird dann auch noch persönlicher.

Corona-Paar? (congerdesign/pixabay)

Corona-Angst (leider, siehe FIP), Corona-Fatigue (ja, echt ausgeprägt), Corona-Alpträume (auch, wird besser, wenn man die Träume aufschreibt), Corona-Lockerungen (Hoffnungsfunke), Corona-Frisur (gut, dass mich keiner sieht), Corona-Schnitt (nur den Pony, sonst fällt es auf), Corona-Mattheit (s. oben), Corona-Stress (ditto), Corona-Bonds (übersteigt mein schwach ausgeprägtes Zahlenverständnis.), Corona-Anleihen (ebenso), Corona-Neuverschuldung (schlimm), Corona-Hilfen (dringend notwendig), Corona-Bonus (längst fällig, vor allem bei Pflegekräften), Corona-Verordnung (kompliziert und überall anders, ein „Flickenteppich“ halt, auch so ein nerviges Corona-Wort, dabei sind die Dinger eigentlich ganz schön und sehr gut waschbar, zum Beispiel die von IKEA), Corona-Bußgeldkatalog (auch kompliziert und überall anders), Corona-Berichterstattung (mitunter wirklich ätzend, vor allem die Talk Shows, in denen alle schlecht gelaunt durcheinander und gegeneinander reden, und die vielen Sondersendungen, die jeden Abend das Programm derart aufmischen, dass alles, was man eigentlich sehen will, später kommt als angekündigt und das Aufnehmen nicht mehr funktioniert – oder ist das bloß bei unserem blöden Recorder so?), Corona-Verdacht (stressig), Corona-Nachweis (wie kriegt man den eigentlich mitgeteilt? per Mail? per Anruf?), Corona-Opfer (noch stressiger), Corona-Notfall (lieber nicht dran denken), Corona-Abstrich (tut angeblich weh, da sehr tief), Corona-Selbstabstrich (funktioniert das überhaupt?), Corona-Hotspot (ich sage nur: Heinsberg, und zwar schon wieder!), Corona-Tracking-App (ob es die wohl irgendwann gibt?), Corona-Letalität (absolut tödlich!), coronafreie Zone (aber wo?), Corona-Rezession (schon merkbar), Corona-Star (eindeutig Andrew Cuomo), Corona-Disaster (eindeutig der derzeitige POTUS).

Corona-Baby? (congerdesign/pixabay)

Ob es wohl eines Tages Menschen gibt, die Corona so schwer traumatisiert hat, dass sie selbst als Corona-Überlebende (mit Corona-PTBS) und ihre Kinder als Corona-Kinder in die Geschichte der Psychiatrie oder Psychologie eingehen? Denkbar wären auch noch Nachcorona-Kinder (analog zu Nachkriegskindern, also zwar von Corona-Eltern, jedoch nicht während der Pandemie geboren, beides äußerst suboptimale Begriffe) und Corona-Enkel (eindeutig griffiger). Langsam geht mir jetzt die Corona-Puste aus, Corona-Überdruss und Corona-Allergie flauen ab, und nun kommt auch endlich, endlich das erhoffte erlösende Corona-Flooding. Es scheint tatsächlich zu funktionieren. Die Coronisierung der Sprache verschwimmt angenehm vor meinen Augen und Corona ist mir plötzlich sowas von egal! Schluss mit Corona! Fürs erste jedenfalls. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen: BSg (soll es angeblich schon als Kurzformel unter Mails geben, weil MfG in Pandemiezeiten nicht mehr reicht).

Veröffentlicht unter Angst, Corona | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Innere Kraftorte – Die Hütte im Käuzchenwald

night globe (Drew Tilk/unsplash)

Letzte Nacht habe ich zum ersten Mal seit langem problemlos durchgeschlafen und hatte auch keine Alpträume. Ich war zwar im Traum wieder in London, aber das bin ich ohnehin oft und gern, und Corona spielte diesmal keine Rolle. Es war ein ganz normaler Traum, ein wenig verschroben wie immer und in keiner Weise bedrohlich. Mein Mann war auch da und blieb an meiner Seite. Vielleicht bin ich ja auf dem richtigen Weg? Ich habe den Traum auch gleich nach dem Aufwachen aufgeschrieben (ins Handy, weil es noch zu dunkel war für Stift und Papier), damit mein Unterbewusstsein keinen Grund mehr zur Klage hat.

Der Angst zuliebe praktiziere ich auch wieder jeden Tag „Guided Imagery“, tauche hinab in die Landschaften meines Unbewußten und versetze mich an einen meiner sicheren inneren Orte, die man zum Glück auch in Krisenmomenten noch aufsuchen kann. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass einem dort nichts, aber auch gar nichts Böses oder Schlimmes geschehen kann. Sie sind einfach nur heilende, stärkende innere Kraftquellen. Ich weiß selbst nicht, warum ich mich erst jetzt wieder darauf besinne. Aber vielleicht wollten meine Alpträume mir genau das mitteilen?

night wood (Ron Otsu/unsplash)

Gestern Abend war ich wieder in der Hütte im Wald und bin dort auch eingeschlafen. Komischerweise sieht das Haus bei jedem Besuch etwas anders aus, was offenbar von der Tageszeit abhängt. Am liebsten besuche ich es nachts, wenn ich in Wirklichkeit schon in meinem richtigen Bett liege, damit ich an beiden Orten gleichzeitig gut einschlafen kann. Nachts ist die Hütte meist aus dunklem Holz. Tagsüber kann sie auch aus Stein sein und in den Bergen oder direkt am Wasser liegen. Ihr Anblick ist immer angenehm und mit dem Gefühl verbunden, nach Hause zu kommen.

night bird (Dominik VO/unsplash)

Wenn es Nacht ist, gehe ich zuerst durch den Wald, der nach Erde, Laub, Tannennadeln und Pilzen riecht, steige dann die moosbewachsene steinerne Treppe empor und komme schon bald zur Hütte im Käuzchenwald. Der Wald heißt so wegen der vielen Eulen und Käuzchen, die draußen in den Baumhöhlen wohnen – aber auch drinnen im Haus in den Regalen. Meistens erwarten sie mich schon und fliegen lautlos voran, aber manchmal sitzen sie auch nur oben auf den Ästen, schlafen oder beobachten mich. Wenn es mir zu dunkel wird, nehme ich meine Lichtkugel in beide Hände und lasse mich von ihr leiten.

mossy stairs  (Kamarudin Mahmood/unsplash)

Durch ein hölzernes Törchen betrete ich den Garten. Manchmal huscht der Fuchs vorbei, der hier lebt. Gelegentlich sitzt er auch auf dem Dach oder auf der Mauer. Ich gehe vorbei an Sträuchern und Büschen, an kleinen Bäumen und großblütigen hellen Blumen, die im Dunkel schwach leuchten, öffne die Eingangstür und trete in den Flur.

my old clock (BFL)

Er ist leer, bis auf eine große Standuhr mit messingfarbenem Ziffernblatt. Es ist dasselbe wie das meiner eigenen Uhr, die noch von meiner Urgroßmutter stammt, und zeigt ein Tier, das ich für einen Nachtfalter halte. Ihr Ticken klingt vertraut und ist eng verbunden mit meinem Vater, der diese Uhr immer sorgfältig mit einem Schlüssel, der im Inneren des Gehäuses liegt, aufzog. Er schenkte sie mir kurz vor seinem Tod. Ich begrüße die Uhr, steige die dunkle Holztreppe hoch, die aussieht wie unsere Treppe hier im Haus, und halte mich am Geländer fest. Es fühlt sich warm und lebendig an, und dann stehe ich auch schon vor der Tür, die ins Zimmer meines Vaters führt. Hier habe ich ihn vor einiger Zeit unverhofft im Traum gefunden und danach beschlossen, sein „neues“ Haus beim Visualisieren nochmals zu besuchen und genauer zu erforschen. Seitdem war ich schon mehrmals dort.

owl hut  (Viktor Talashuk/unsplash)

Ich schaue mich jedes Mal aufmerksam um und entdecke dabei immer etwas Neues. Ich bin dankbar, dass ich auch „nach innen“ gut sehen kann. Bis zu meiner Therapie, wo mir diese Bildreisen mehr geholfen haben als alles andere, war mir überhaupt nicht bewußt, dass es Menschen gibt, die diesen Zugang zu ihren inneren Bildern nicht haben. Vielleicht braucht man dazu viel Fantasie, vielleicht muss man dazu hochsensibel sein, vielleicht muss man dafür einfach nur offen sein. Ich weiß es nicht. Ich kenne es nicht anders und habe schon als Kind meine inneren Bilder genossen wie Filme, die an mir vorüberziehen, besonders kurz vor dem Einschlafen. In der Therapie habe ich dann gelernt, sie aktiv zu erkunden. Ich habe lange nicht darüber gesprochen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass mein Gegenüber damit oft nichts anfangen kann. Ich erinnere mich noch gut, wie fassungslos ich war, als die Lektorin, die mein Angstbuch betreute, meine Visualisierungen in der Therapie als „esoterisch“ abtat und komplett streichen wollte. Fast hätte mein Beharren auf meinem „esoterischen“ Kernkapitel mit der „Schwester Angst“ dazu geführt, dass mein Buch gar nicht erschienen wäre! Bis auf die etwas anderen, gedämpfteren Farben ist das Sehen beim Visualisieren ähnlich wie „richtiges“ Sehen oder das Sehen im Traum. Meine Traumfarben sind auch ziemlich gedämpft.

Mein Vater ist nie anwesend, wenn ich ihn auf diese Weise besuche, aber ich meine zu spüren, dass er noch vor kurzem da war, als habe er gerade erst das Zimmer verlassen. Ich kann noch sein Rasierwasser riechen und sehe seine Brille, Stift und Papier und seine Bücher auf dem Tisch am Fenster. Meistens hat er mir irgendetwas hingelegt als Willkommensgruß, etwa einen kleinen Stein oder eine Blüte.

almost Jinkins (Calum Lewis/unsplash)

Ich stelle mir gern vor, dass die Hütte an der Schwelle zur Anderswelt liegt. Die Wanderer zwischen den Welten können sie zwar nicht gleichzeitig besuchen, sondern nur abwechselnd, aber sie merken, wenn der andere da war. Auch ich bringe jedes Mal etwas mit, das ich meinem Vater auf die Fensterbank lege. Im Zimmer ist es so angenehm friedlich, dass ich mich meist erst eine Weile in den Sessel setze, um zur Ruhe zu kommen. Ich lasse meinen Blick über die Regale und Bilder schweifen und nicke den schläfrigen Käuzchen zu, die ich dort entdecke. Danach lege ich mich auf das Sofa, betrachte den altmodischen Lampenschirm neben den Büchern und schlafe dabei oft auch schon ein. Manchmal leisten mir die beiden längst verlorenen Katzen aus meiner Kindheit Gesellschaft, was mich immer sehr anrührt.

night bed (Annie Spratt/unsplash)

Wenn ich merke, dass keine Katze da ist und es einfach nicht klappen will mit dem Einschlafen, stehe ich wieder auf und gehe in den nächsten Raum. Die Tür ist mir erst bei einem meiner späteren Besuche aufgefallen. Der Raum dahinter liegt nicht im Wald, sondern am Meer. Er ist auch nicht mit meinem Vater verknüpft, sondern erinnert mich an das Zimmer einer Pension in Rye in Südengland, wo ich mit meinem Mann vor vielen Jahren einige Nächte verbrachte. „Jeake’s House“  war für mich ein magischer Ort, der mir schöne Träume und Nachtgeräusche schenkte und einst dem Schriftsteller Conrad Aiken gehörte. Das Bett im Seezimmer ist allerdings kein antikes Himmelbett wie das in „Jeake’s House“, sondern nur ein einfaches, großes Bett. Es sieht auch nicht immer gleich aus. Manchmal hängen Laternen an den Seiten oder meine Leuchtkugel wird zum Mondlicht auf dem Nachttisch.

moon ball (Beazy/unsplash)

Durch das offene Fenster weht angenehm frische, kühle Seeluft ins Zimmer. In der Ferne hört man das Meer und beim Morgengrauen die ersten Möwen, während auf der anderen Seite des Hauses immer noch der träumende Wald liegt. Die Lampe lässt an der Wand Schatten tanzen, und ich weiß, dass ich mich jetzt nur noch bequem auf die Seite zu drehen brauche, um ganz sicher einzuschlafen. (Beim Visualisieren liege ich meistens auf dem Rücken.) Bisher hat es immer zuverlässig geklappt, so dass ich nicht weiß, ob es nicht vielleicht noch weitere Türen gibt, weil ich das Zimmer bisher nie verlassen habe. Ab und zu höre ich hier auch noch die Stimme eines Pfaus, dessen Ruf wie Miauen klingt. Diese akustische Erinnerung stammt aus einem Urlaub in Frankreich, wo mein Mann und ich in einer alten Mühle wohnten. Ein weißer Pfau schlief auf dem Dach des gegenüberliegenden Gebäudes. Im Dunkeln schimmerte er wie ein Geist und manchmal miaute er.

Sea side (Annie Spratt/unsplash)

Hochsensible Sinne sind ein wahrer Schatz beim Visualisieren und lassen sich allesamt leicht triggern und sehr gut trainieren. Um meine eigenen inneren Bilder aktiv zu verstärken, habe ich auch diesmal nach Fotos gesucht, die meinen Fantasiegebilden so ähnlich wie möglich sind. Während der Therapie habe ich meine inneren Szenen sogar gezeichnet, was sie noch intensiver machte. Wenn ich die Bilder betrachte, präge ich mir die Einzelheiten noch genauer ein, so dass ich sie in meine Reisen mitnehmen kann, und die Gerüche des Waldes und des Gartens kann ich tagsüber gut hier im Garten oder in meinen Erinnerungen finden und sammeln. Hier gibt es viele Schattenstellen mit Farnen, Moos und Hostas. Um mir die Käuzchen besser vorstellen zu können, habe ich mir im Internet Filme angesehen. Wenn sie zahm sind, lassen sie sich gern streicheln, und seitdem fliegen sie mir auch zutraulich auf den Schoß oder auf die Schulter und schmiegen ihre Köpfchen in meine Hand. Ich hatte schon immer eine Schwäche für Nachtvögel, genau wie mein Vater, und an meinen Wänden hängen viele Eulenbilder.

moon owl (Ray Hennessy/unsplash)

Veröffentlicht unter Angst, Corona, Imaginieren, Natur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Angst und Corona – Schlafstörungen und Alpträume

Nachtwald (Alain Audet/pixabay)

Auf Englisch gibt es längst einen Namen für das nächtliche Problem, mit dem sich im Moment viele Menschen in aller Welt quälen: Corona Insomnia. Corona-Schlaflosigkeit. Manchmal ist es auch bei mir so schlimm, dass ich mich nach stundenlangem Bettwälzen morgens wie gerädert fühle. Nun hatte ich schon immer einen „leichten Schlaf“, ein Erbe meiner Mutter, die nachts mehr wachte als schlief, weil sie sich unablässig um jeden und alles sorgte. Dass es sich dabei um eine Generalisierte Angststörung handelte, war ihr nie bewußt. Es fühlte sich nicht an wie Angst, sondern wie körperliche Angespanntheit und „Sorgen“. Ich dagegen weiß sehr wohl, dass es meine Angst ist, die mich wachhält und aufweckt, und die kommt im Moment ja wirklich nicht von ungefähr.

Meine Alpträume hatte ich viele Jahre gut im Griff. Corona hat das geändert. Neuerdings habe ich sogar wieder die alten Intruder-Träume, in denen feindliche Schlägertypen in mein Haus eindringen, die Wände einreißen, die schützende Hecke im Garten gewaltsam zerstören oder auch nur bedrohlich vor der Türe herumlungern und nur darauf warten, dass ich mich endlich nach draußen traue. Manchmal haben sie sich auch heimlich meine Schlüssel beschafft. Oder die Türen stehen weit offen, ohne dass ich etwas dagegen tun kann, oder lassen sich partout nicht mehr abschließen. Diese Traummotive kenne ich nur allzu gut. Sie haben mich vor vielen Jahren so nachhaltig um den Schlaf gebracht, dass ich mich zum ersten Mal auf die Suche nach einer Therapeutin machte. Eine der besten Entscheidungen meines Lebens, wie sich bald herausstellte.

Heute horche ich genauer hin, wenn meine Träume mit mir sprechen. Wenn ich sie gerade richtig verstehe, wollen sie mir wohl deutlich machen, dass mein innerer Schutzwall wieder zu durchlässig ist, genau wie damals. Corona geht mir leider auch ziemlich unter die Haut, wie mir meine empfindsame äußere Hülle signalisiert. Mit juckenden Ekzemen und Entzündungen an den üblichen Stellen, vor allem am Hals und im Gesicht. So viele Angstsymptome. Da muss ich was machen. Höchste Zeit, meine Träume näher zu betrachten, damit sie sich wieder beruhigen können, und Nachtbilder zu suchen, die zu ihnen passen.

Nachtfalter (Ray Hennessy/unsplash)

Corona-Träume sind sehr unangenehm. Weil sie so nerven, habe ich sie gegen meine sonstige Gewohnheit seit Wochen nicht mehr aufgeschrieben, aber das haben sie mir offenbar übel genommen, daher notiere ich sie jetzt doch lieber wieder. Meine Träume sind es gewohnt, beachtet zu werden, und reagieren ziemlich ungehalten, wenn ich sie „übersehe“. Aber wenn ich mich ihnen wieder zuwende, verzeihen sie mir und belohnen mich mit schönen Bildern, um mir deutlich zu machen, dass wir wieder auf derselben Wellenlänge sind. Jedenfalls meistens. Mal sehen, was sie sich diesmal einfallen lassen. Im Moment sind sie noch sauer auf mich.

Letzte Nacht war ich im Traum mit meinem Mann in London, auf einer großen Straße, die nur so wimmelte vor Menschen. Keiner trug Mundschutz, keiner wahrte Abstand. Es war dunkel und regnete (wie so oft in meinen Träumen). Ich fühlte mich unbehaglich beim Anblick der Menschen und dachte schon beklommen an den anstehenden Rückflug. Mit all den anderen Passagieren im selben Flugzeug, und die Klimaanlage wirbelt uns dann die verbrauchte Luft auch noch immer wieder ins Gesicht. Ich war mir sicher, dass ich mich infizieren würde, und es gab gar nichts, das ich dagegen tun konnte. Dann verschwand plötzlich mein Mann von meiner Seite und das Handy funktionierte nicht mehr (passiert mir immer im Traum). Wie sollten wir einander jetzt noch finden oder auch nur erreichen? Ich wollte mich in ein Museum retten, weil ich dachte, dort gäbe es sicher genug Platz. Aber weit gefehlt, im Foyer hielt gerade jemand einen Vortrag, und überall waren Menschen. Alle ohne Sicherheitsabstand und Mundschutz. Höchste Zeit, wach zu werden.

Vorletzte Nacht versetzte mich ein bedrohlicher Fremder im Traum so in Panik, dass ich wach wurde. Auch er trug keinen Mundschutz und kam mir gefährlich nahe, obwohl ich ihn mit beiden Händen abwehrte und immer weiter zurückwich, bis ich förmlich mit dem Rücken an der Wand stand, nur um mir dann grinsend mitzuteilen, dass er gerade mehrere Tage auf einer Konferenz mit lauter infizierten Virologen (!) verbracht habe. Er habe sich dabei auch infiziert, aber das schien ihn nicht weiter zu stören. „Jetzt steckt er mich an!“ blitzte es mir durch den Kopf. Eine ganz neue Art von „Eindringling“ und übergrifflicher Gewalt, mit der ich noch umzugehen lernen muss.

Einige Tage zuvor fand ich mich im Traum in einem riesigen überfüllten Krankenhaus wieder, auf der Suche nach meinem verschwundenen Mann, so dass ich nicht mal fliehen konnte, weil ich ihn ja verzweifelt suchte. Im Flur war die Luft zum Schneiden dick, man konnte kaum atmen, und überall saßen Corona-Kranke, die laut husteten, mehr tot als lebendig wirkten und mit langen Armen nach mir griffen, um mich zu packen und festzuhalten. Ein gruseliger Flur wie in einem Horrorfilm. Wieder wurde ich wach. Leider ohne meinen Mann im Traum gefunden zu haben. Zu meiner Erleichterung hörte ich ihn neben mir atmen und entkrampfte mich wieder. Überhaupt verliere ich ihn neuerdings dauernd im Traum, und auch das macht mir zu schaffen. Ist das jetzt nur meine „normale“ Angst oder etwa irgendeine düstere Vorahnung? Verlustangst und Corona-Angst sind keine gute Kombination. Dass ich gelegentlich prophetische Träume habe, trägt auch nicht gerade zu meiner Beruhigung bei. Ob es wirklich eine Vorahnung war, weiß man immer erst nachher. Hoffentlich nicht!

Nachthaus (cocoparisienne/pixabay)

Corona-Alpträume haben im Moment viele Menschen, tröstet mich das Internet. Auch da bin ich alles andere als allein. Wir befinden uns schließlich weltweit im Ausnahmezustand, sind machtlos und fremdbestimmt einem völlig neuen Problem ausgeliefert, mit dem wir nicht umgehen können, und werden gerade gleich massenweise traumatisiert. Vor allem die Kinder. Es gibt Kinder, die stundenlang weinen, weil sie Angst haben, dass jetzt alle an Corona sterben. Kinder, die so schlimme Angst haben, dass sie mit einem Mal nicht mehr allein auf Toilette gehen wollen, und ihre Mutter bitten, mitzukommen und ihnen die Hand zu halten. Große Kinder, die plötzlich dauernd auf den Schoß steigen und kuscheln wollen, die an ihren Eltern hängen wie die Kletten. Ich kann sie so gut verstehen. Wahrscheinlich haben auch sie nachts Alpträume.

Wir fühlen uns bedroht, unser Leben ist auf den Kopf gestellt, wir haben Angst umeinander und voreinander, fühlen uns einsam und abgeschnitten, die Zukunft ist wie ein undurchdringlicher Nebel. Nicht nur Menschen mit Angstneigung bringt das um den dringend nötigen Schlaf. Schlafstörungen sind auch so ein häufiges Problem. Ich hatte als Kind starke Angst vor dem Bett und vor der Nacht, denn ich wußte ja, was mich da erwartete. Jetzt kommt diese Angst zurück. Ich bin wieder das kleine Mädchen, das nicht ins Bett will, weil da doch nur Gefahr lauert.

Nachtlichter (enriquelopezgarre/pixabay)

Ich schlafe nur schwer ein, obwohl mein Mann mir jeden Abend fürsorglich vorliest, und oft werde ich mitten in der Nacht plötzlich mit rasendem Herzen wach, weil ich einen Alptraum hatte, weil mir zu heiß ist oder einfach so, ohne einen für mich ersichtlichen Grund. Und dann kann ich nur mit Mühe wieder einschlafen. Ich weiß, dass man in diesem Zustand wegen des „blauen Lichts“ nicht zum Handy greifen sollte, aber meistens mache ich es dann nach einer Stunde Wachsein und Wälzen doch und lese Zeitung, bis ich müde werde. Als erstes werden die Augen müde, denn das Starren auf das Handy-Display ist anstrengend. Seit ich einen beleuchteten kindle habe, kann ich zum Glück „richtig“ lesen. Gestern habe ich mir das „Mabinogion“ und ein altes Buch mit Haikus heruntergeladen, weil ich mich bei Angst gern in alte Mythen und japanische Gedichte flüchte. Hat sich in der Vergangenheit häufig bewährt. Am besten sind eigentlich extrem langweilige oder schwierige Bücher, bei denen man schon nach drei Seiten so erschöpft ist, dass man zu gähnen beginnt. Während meines Studiums eigneten sich dazu am besten Philosophiebücher, aber mit dem Seienden im Seienden oder dem kathegorischen Imperativ will ich mich jetzt nicht auch noch nachts rumschlagen. Dann doch lieber Mythen.

Zum Glück gibt es auch nachts noch sichere Orte, an die ich gehen kann, um endlich Ruhe und Frieden zu finden, zum Beispiel in die Hütte im Käuzchenwald, das Schlafzimmer am Meer und den Garten zwischen den Mauern, und auch die Übungen zur Muskelentspannung helfen. Aber darüber mehr im nächsten Beitrag.

Nachtfalter (stergo/pixabay)

 

Veröffentlicht unter Angst, Hochsensibel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Farbenfrohes in trüben Zeiten – Niederrhein Rocks (2)

Seit meinem ersten Beitrag über die „Niederrhein Rocks“, der noch gar nicht so lange zurückliegt, hat sich in der Gruppe so viel getan, dass ich der Versuchung nicht widerstehen kann, noch ein paar mehr wandernde und ausgewilderte Steine zu zeigen. Die Wahl fällt mir wieder richtig schwer, zumal ich jeden Morgen neue kleine Kunstwerke auf der Seite entdecke.

Inzwischen hat die Gruppe bereits über sechstausend Mitglieder, die überaus aktiv und kreativ sind. Auch diesmal habe ich bei meiner „Präsentation“ kein wirkliches Konzept, sondern wähle einfach nur aus, was für meinen Blick spontan gut zueinander paßt. Schade, dass ich so weit weg wohne, sonst hätte ich bestimmt längst einige Steine adoptiert und hier im Garten ausgelegt. Am Sonntag habe ich mich übrigens tatsächlich selbst mal wieder hingesetzt und Steine bemalt. Seit einigen Jahren habe ich eine Steinspirale vor meinem Haselbusch. Wenn die Farben verschwunden sind, bemale ich die Steine wieder neu. Diesmal zum ersten Mal auch mit Gold. Jetzt leuchten sie in der Sonne.

Die Rocks haben in den letzten Monaten und vor allem während des Lockdowns sicher viele Menschen erfreut, überrascht und getröstet. So fand eine Frau an dem Tag, als ihr Hund eingeschläfert werden musste, auf dem traurigen Nachhauseweg vom Tierarzt gleich zwei Troststeine und konnte ganz kurz wieder ein bisschen lächeln.  Übrigens werden nicht alle Steine ausgewildert, etliche werden auch ganz gezielt verschenkt, für bestimmte Personen gestaltet oder nach Wunsch individuell bemalt.

Ein echter Renner sind die sogenannten „Müttersteine“, bei denen das erste Einzelstück, das in der Hebammenpraxis lag, beim Posten auf der fb-Seite so vielen werdenden Müttern gefiel, dass die Malerin erneut zur Tat schritt und der Stein „in Serie“ ging. Besonders anrührend finde ich übrigens die Sternenkindersteine, die von trauernden Eltern auf das Grab ihres verstorbenen Kindes gelegt werden können. Dazu gibt es einige sehr bewegende Geschichten.

Die meisten Steine werden so „versteckt“, dass man sie mit dem richtigen Blick bald findet, wobei vor allem darauf geachtet wird, dass auch Kinder sie gut sehen können. Und so liegen die Rocks malerisch auf Fensterbänken, Mauerkronen, Briefkästen, auf Bänken, Baumstümpfen, in Astgabelungen und Astlöchern, auf Hydranten, Schildern und Weidenpfählen, zwischen anderen Steinen, in Blumembeeten, vor Haustüren, auf Brunneneinfassungen, unter Bäumen, an Laternen oder unter Brücken.

Besonders Kindern, die ja in diesem Jahr vielerorts auf die Ostereiersuche verzichten mussten, machen die Rocks Riesenspaß. Nicht nur beim Finden und Bemalen gibt es viele kleine Fans, sondern auch beim Verstecken. So erfuhr ich von einer gewissen kleinen Enkelin namens Paula, der das Auswildern so gut gefällt, dass sie sich einen Teil von Omas Steinevorrat einfach geklaut hat und nun jeden Tag selbst aktiv auswildert. Das Prinzip hat sie trotz ihres zarten Alters sofort erfaßt. In der Nachbarschaft ist sie bereits eine richtige kleine Berühmtheit.

Danke an die vielen Malerinnen und Maler (ja, es gibt auch Männer in der Gruppe!), die so viel Freude und Zeit in ihre Werke stecken und mir für heute ihre Steine „geliehen“ haben.

Veröffentlicht unter Kunst, Niederrhein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Süchtig nach Schneeglöckchen (Simone Garland)

Little Darlings  (Simone Garland)

In Ontario ist der Frühling in diesem Jahr zwar zeitig, doch es ist immer noch kalt. Heute, am Ostermontag, sind dort  -6°, und nachts fallen die Temperatur leicht bis zu -14°. Kein Wunder, dass die Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) dort später blühen als bei uns, obwohl sie inzwischen auch in Kanada anderen Frühlingsboten Platz gemacht haben. Der Gattungsname Galanthus stammt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet Milchblume (abgeleitet von gala, Milch und anthos, Blüte). Nivalis  bedeutet schneeweiß und bezieht sich daher gleich doppelt auf die Blütenfarbe. Meine Freundin Simone schreibt, dass die kleinen Glöckchen in Kanada gerade erst abgeblüht sind und jetzt die Scilla (Blausterne) und Hyazinthen blühen.

Ich mag Schneeglöckchen sehr gern. Ich habe eine uralte Hasenvase aus feinem Porzellan, in der ich die ersten aus unserem Garten immer hier ins Wohnzimmer hole. Sie verströmen einen angenehm zarten, an Honig erinnernden Duft, welken aber leider sehr schnell, so dass ich jedesmal ein schlechtes Gewissen habe, weil ich sie nicht draußen gelassen habe. Auch Schneeglöckchen sind giftig. Das in ihnen enthaltene Alkaloid Galanthamin wird sogar als Medikament gegen Demenzerkrankungen eingesetzt und soll vor allem im frühen Stadium die Krankheit verlangsamen und die Gehirnleistung verbessern, auch wenn die Nebenwirkungen oft nicht angenehm sind.

Snowdrops (Simone Garland)

Hier in Deutschland sind die bekannten „Nettetaler Schneeglöckchentage“ inzwischen umgezogen und finden seit 2019 Mitte Februar in Knechtsteden statt. Eine Bekannte von mir wünscht sich jedes Jahr ein besonderes Galanthus-Exemplar zum Geburtstag. Das kann dann durchaus (natürlich pro Stück!) 50 Euro kosten, doch weil es ihr ausdrücklicher Geburtstagswunsch ist, sieht man es ihr nach. Sie ist halt ein bisschen verrückt, wenn es um Schneeglöckchen und Gartenpflanzen geht. Dabei ist sie nur eine überaus vorsichtige Sammlerin, kein Vergleich zu den wirklich Süchtigen! Ich kann sie gut verstehen und bleibe den „Schneeglöckchen Tagen“ daher aus Kostengründen lieber fern.

Besonders in England gibt es zahlreiche „Galanthophile“, die sich ihre Liebe zu den unscheinbaren Blühern einiges kosten lassen. Auf einer „Galanthus-Gala“ bezahlen Sammler für ein Exemplar der Sorte „Flacon de Neige“ ohne mit der Wimper zu zucken 260 Euro, für „E.A. Bowles“ um die 350 Euro, und ein einziges Exemplar von „Elizabeth Harrison“ hat sich ein Hardcore Fan 2012 sogar stolze 1.000 Euro kosten lassen. Wer hätte gedacht, dass die unscheinbaren Winzlinge so wertvoll sind! Man kauft sie allerdings besser im blühenden Zustand, damit man nicht etwa die Katze im Sack oder das Glöckchen in der Zwiebel kauft.

Schneeglöckchen an Osterei (Simone Garland)

Ich muss gestehen, dass ich (noch) wenig Ahnung von den verschiedenen Galanthus-Sorten habe, obwohl ich immerhin drei Varianten im Garten beherberge (aber es gibt an die Tausend!). Ich habe dummerweise vergessen, welche wo steht, und erkenne sie nur daran, dass sie verschieden hoch sind und zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Daher nenne ich sie einfach „normales“, „großes“ und „spätes“ Schneeglöckchen, und alle drei dürfen sich natürlich frei verwildern, so dass wir schon früh im Jahr überall kleine und große Tuffs bewundern können.

Spezialisten können die kleinen Blüher natürlich auf einen Blick unterscheiden, etwa an der Färbung (es gibt sogar welche mit Gelbtönen!), den Zeichnungen und Markierungen (es gibt auch welche ganz ohne), der Größe (zwischen 5 und 25 cm), der Anzahl, Anordnung und Form der „Röckchen“ (rund oder spitz, verschieden weit abstehend bis hin zu reiner Tropfenform). Gefüllte Varianten und herbstblühende gibt es auch. Eine der frühesten Sorten trägt den lustigen Namen „Ding Dong“. Das Schneeglöckchen, das viele Namen hat (u.a. Schneedurchstecher, Schneeblümlein, Schneetröpfli, Frostglöckchen, Frühlingsglöckchen, Weiße Jungfrau) ist auf vielen Gemälden und Zeichnungen, in der Literatur und in Liedern und Musikstücken verewigt. In einer Vertonung von Schubert heißt es „das schöne blasse Kind“.

Naturbelassen (Simone Garland)

Möglicherweise spielt das Blümchen sogar in der „Odyssee“ eine kleine, aber wichtige Rolle. So soll Odysseus seine Männer mit einem Schneeglöckchen-Trank vom Zauber der Circe befreit haben. Doch möglicherweise war damit auch eine ganz andere Blume, nämlich die Zierlauchart Allium Moly, gemeint. Der Text ist da etwas widersprüchlich. Homer nennt sie zwar Moly, doch Moly blüht gelb. Im Text steht aber ausdrücklich, dass sie milchweiß blüht, daher weiß man es nicht so genau. Mir gefällt natürlich die Schneeglöckchenversion besser. So ein winziges Pflänzchen liefert das Gegengift zu einem so mächtigen Zauber!

Es gibt auch Legenden, die sich um diese Blume ranken. Als Gott den Schnee erschuf, gab er ihm keine Farbe, was den Schnee betrübte, daher fragte er bei den Blumen an, ob sie ihm von ihrer Farbe abgeben würden. Nur das Schneeglöckchen war bereit, mit ihm zu teilen. Daher kommt es, dass der Schnee nur das Schneeglöckchen in seiner Nähe duldet. Eine andere Legende erzählt, daß Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies während eines harten Winters in einer Schneelandschaft weinten und Gott einen Engel schickte, der die Flocken in winzige Blüten verwandelte. In einer weiteren Version weinte Eva Tränen der Reue, und aus ihren Tränen entstanden Schneeglöckchen.

Ein weiterer alter Name der  Blume lautet Lichtmess-Glöckchen, was auf ein längst vergessenes Ritual zurückgeht. Früher wurden in den katholischen Kirchen zu „Maria Lichtmess“ im Februar Schneeglöckchen als Sinnbild der Reinheit auf den Altar gestreut. Ich mag das Fest. An diesem Tag ging meine Oma mit mir in die Kirche, und wir ließen für die ganze Familie die Kerzen segnen. Darüber habe ich auch schon in diesem Blog geschrieben. Damals pflegten noch viele Familien Kerzen anzuzünden, für Unwetter und Gewitter gab es sogar eine ganz besondere, schwarze Kerze. Heute sind diese Gewitterkerzen nur noch schwer zu bekommen, aber ich habe voriges Jahr in Kevelaer welche gesehen.

Gewächshaus mit Gärtnern und Glöckchen (Simone Garland)

Das kleine Gewächshaus, in dem am Frühlingsanfang auch immer ein Töpfchen mit Schneeglöckchen steht, bekommt in Simones Haus jedes Jahr einen Ehrenplatz am Eingang und wird mit den Blumen bestückt, die gerade blühen. Als erstes kommen natürlich die Snowdrops, wie sie auf Englisch heißen. Zu den Holzfiguren aus dem Erzgebirge hat Simone einen ganz besonderen Bezug, denn die hat ihr Opa selbst auf einer Drehbank gemacht und auch selbst bemalt. Dargestellt sind Oma und Opa als Gärtnerin und Gärtner. Simone bekam sie als Erinnerung von ihm, als sie 1986 aus der DDR nach Kanada auswanderte. Die Großeltern hat sie danach leider nur noch wenige Male wiedergesehen, aber die schöne Erinnerung bleibt. In Opas Garten hatte die kleine Simone ein eigenes Beet, auf dem sie anpflanzen durfte, was sie wollte. Vielleicht wurzelt ja dort ihre große Liebe zu den Blumen und zur Natur?

Schneetröpfchen (Simone Garland)

 

Veröffentlicht unter Jahreszeit, Natur | Verschlagwortet mit , , , , , , | Schreib einen Kommentar