Herzlich willkommen!

Stellaluna, Hathaway und Krispin

Herzlich willkommen auf meiner Homepage

Hier finden Sie außer Informationen zu Büchern, Katzen, Köln und Kattendonk vor allem Blogbeiträge zu meinen wichtigsten Lebensthemen (Kindheit, Hochsensibilität, Angst, transgenerationale Weitergabe von Traumata). Im Moment beschäftigt mich neben dem Krieg in der Ukraine und der Corona-Pandemie, die unser Leben seit über zwei Jahren so nachhaltig prägt, auch die Aufarbeitung der „Verschickungen“, die unzählige Kinder hier in Deutschland erleben mussten. Ich verbrachte als kleines Mädchen Mitte der 1960er Jahre ebenfalls sechs endlose Wochen in einem „Kindergenesungsheim“ und habe darüber mehrere Beiträge geschrieben („Das Kind braucht Luftveränderung“), aber auch andere Betroffene zu Wort kommen lassen.

Zum Glück gibt es auch Schönes und Hoffnungsvolles zu berichten oder zu erinnern. Zum Beispiel aus dem Mausland, in dem es weder Krieg noch Pandemien gibt. Die Mäuse hatten im vorigen Jahr mehrfach Journalistenbesuch, es sind auch schon zwei kleine Filme über sie gedreht worden. In der Augustausgabe von „American Miniatures“ gab es sogar einen ausführlichen Artikel über die Mäuse und mich mit vielen Fotos. Auf Instagram hat unsere Seite @cheddarandmozzarella inzwischen schon viele Follower.

Ein großes Dankeschön an meine geduldige Maine Coon-Assistentin Alice, die ich leider im Mai gehen lassen musste, nachdem sie fast 17 Jahre mein Leben geteilt hat. Ein Leben ganz ohne Katzen war so traurig, dass inzwischen wieder drei junge Maine Coon Katzenkinder durchs Haus toben: Hathaway, Krispin und Stellaluna.

Ich freue mich, dass Sie meine Seite gefunden haben, und wünsche Ihnen einen hellen Tag!

Alice Pumpkin Cat (BFL)

 

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Covid und kein Ende

Im Oktober 2022 erwischte mich Covid erneut, fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der ersten Infektion (mit dem Wildtypus), leider auch diesmal wieder pünktlich vor meinem Lieblingsfest Halloween, das natürlich auch diesmal ausfiel. Nicht mal die Kürbisse habe ich geschnitzt, und gefeiert haben wir auch nicht, obwohl der Test an dem Tag noch negativ war.

Mein sensitives Körpergefühl schlug gleich deutlich Alarm, obwohl die Symptome diesmal völlig anders waren und ich es mit dem Verstand nicht wahrhaben wollte. Nicht schon wieder! Einmal genesen und fünf Mal geimpft! Sogar gegen BA 4 und BA 5. Was sollte denn das jetzt sein? Etwa die Cerberus-Variante? Ich verlasse das Haus ausgesprochen selten, versuche immer, Abstand zu halten, und trage so gut wie ständig draußen Maske. Aber ich muss halt manchmal längere Strecken mit der Straßenbahn fahren und in den Supermarkt, und danach gibt es oft auch wenige Tage später Alarm auf der Corona-Warnapp. Ich habe nicht übel Lust, sie zu löschen, weil sie mich jedes Mal nervt und erschreckt. Wenn ich in der Bahn sitze, frage ich mich oft, wie viele Menschen um mich herum wohl schon oder noch krank sind, ohne es zu wissen. Oder sich nicht um ihre Infektion scheren, denn Omikron ist ja harmlos. Sicher ist die Dunkelziffer hoch, und kaum jemand hat noch eine Warnapp oder macht noch einen PCR-Test. Bringt ja eh nichts. Und wenn ich bei der kleinen Anzahl  von Personen mit Warnapp schon so viele rote Meldungen kriege, sind todsicher verdammt viele Infizierte in meiner Nähe. Kein gutes Gefühl. Schon gar nicht, wenn man einen Menschen, der immunsupprimiert ist, schützen muss. Und es gibt immer irgendjemanden, der die Maske nicht trägt oder die Nase herausragen läßt, und ich traue mich nur selten, etwas zu sagen. Seit einiger Zeit habe ich eine Packung mit Masken dabei und biete sie kostenlos an, aber selbst das kommt nicht bei jedem gut an. „Wenn Sie Angst haben, lassen Sie sich doch impfen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich.“

Diesmal fing es ganz anders an, mit leicht geschwollenem Zahnfleisch an einer Seite (hab ich sonst nie) und schmerzendem Zungenrand (hab ich auch sonst nie). Vielleicht ist es ja bloß Vitaminmangel, dachte ich hoffnungsvoll und griff zum bewährten Vitamin C-Pulver, liebevoll aufgelöst und verrührt in einer sprudelnden Multimineral-Brausetablette. Was auch zunächst etwas half. Dachte ich jedenfalls. Doch dann folgte am nächsten Tag auch schon die altbekannte bleierne Müdigkeit, die sich wie eine Mischung aus richtig übler Depression und krassem Jetlag anfühlt. Man ist nahezu kataton, hat zu gar nichts Lust und Kraft, will sich nur verkriechen, die Augen schließen und in Ruhe gelassen werden. Nachts fing dann auch noch der Hals an böse zu kratzen. Ach herrje. Doch Covid? Oder etwa die Grippe? Nein, die Grippe kommt plötzlich, wie auf den Leib geflogen, die hatte ich zweimal in meinem Leben und das war anders. Seit dem zweiten Mal lasse ich mich jedes Jahr dagegen impfen.

„Im Moment grassieren eine Menge Viren“, versuchte die Familie mich zu beruhigen. „Die Kinder sind ja auch überall krank.“ Stimmt,  RSV-Viren. Vielleicht war es ja sowas. Einen Tag später kamen plötzlich beim Frühstück heftige Niesattacken dazu, die sich haargenau so anfühlten wie Heuschnupfen, und auch Augen und Nase begannen auf vertraute Weise zu jucken. Ich ertappte mich beim charakteristischen „Allergikergruß“ (Reiben der Nase mit Aufwärtsbewegung der Hand). Vielleicht war es ja tatsächlich nur ein Heuschnupfen? Aber im Oktober? Ich nahm ein Antihistamin, und die Nieserei legte sich. Doch die Nase blieb auf merkwürdige Weise verstopft. Und meine Augen tränten, was sie bei Heuschnupfen nie tun. Und ich hatte eine ganz üble Belastungsinkontinenz wie damals bei Covid und bei allen Postcovid-Schüben. Die Nase war einfach nur zu, genau wie damals, ohne Schnupfensymptome, zum Glück ohne den stechenden Schmerz über der Nasenwurzel, mit dem die Anosmie anfing. Ich testete meine Nase regelmäßig, alles in Ordnung. Schmecken ging auch. Ich hatte nur keinen Hunger.

Meine hochgetunte Körperalarmanlage reagierte offenbar deutlich zuverlässiger und empfindlicher als sämtliche Schnelltests, ich begann gleich bei den ersten Beschwerden mich zu isolieren und zu testen. Mit unterschiedlichen Tests, manchmal sogar morgens und abends. Nichts. Erst am 3. November gab es keinen Zweifel mehr, der positive Balken verfärbte sich morgens früh schon beim Hochsteigen der Flüssigkeit dunkel. Vier Tage lang blieb das so, dann verblasste er und verschwand wieder. Der Omikron-Spuk war offenbar vorbei.

Ich hatte auch diesmal weder Fieber noch Husten, und zum Glück blieb mein Geruchssinn weiterhin völlig intakt. Mehrfach täglich benutzte ich Listerine zum Mundspülen (mache ich auch meistens, nachdem ich Bahn gefahren bin). Ich wollte und durfte meinen Mann auf gar keinen Fall anstecken. Bisher habe ich auch kaum Postcovid-Symptome entwickelt, nur leichte Konzentrationsprobleme und Wortfindungsstörungen. Ganz im Gegensatz zu 2020, als mich angstmachendes Herzrasen und lästige Schweißausbrüche plagten („a poncho of sweat“, wie Hugh Grant es sehr treffend ausdrückte) und üble kognitive Aussetzer.

Damals habe ich übrigens auch meine alte Katze Alice angesteckt, die einmal so schrecklich geniest hat, dass ihr Blut aus der Nase kam. Diesmal war offenbar nur meine Katze Stellaluna betroffen, die immer sehr nah am Gesicht schmust, ihr tränten tagelang die Augen. Es hörte schlagartig am selben Tag auf wie bei mir. Sonst hatten die drei Katzen keinerlei Symptome, waren mir aber ein großer Trost. Sie lagen immer in meiner Nähe und schnurrten beruhigend auf mich ein. Genau wie damals meine Alice.

Omikron hat schon jetzt unzählige Unterarten und Unter-Unterarten, die das Immunsystem und den Impfschutz geschickt austricksen, so dass man auch mehrfach hintereinander infiziert werden kann. Aber man ist hoffentlich nach Impfungen und Infektionen weniger ansteckend. Schlimm wird es, wenn man mehrere Infektionen auf einmal hat. Gegen Grippe bin ich inzwischen geimpft. Mit dem ganz starken Impfstoff für Senioren (zum Glück hatte ich keine Impfreaktion außer ein bisschen Armweh). Mehr kann ich nicht tun. Hope for the best.

Wenn die Pandemie nur endlich vorbei wäre. Und die Klimakatastrophe. Und vor allem der Krieg in der Ukraine. Was mag wohl als nächstes kommen? Hope for the best – and fear the worst.

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Fremde Ängste

(Aaron Burden/unsplash)

Als im Februar der Krieg in der Ukraine begann, strömten mit einem Schlag viele alte Ängste in mein Leben zurück. Darunter auch solche, die ursprünglich meinem Vater gehört hatten, der im zweiten Weltkrieg traumatisiert wurde und seinen grausamen Erinnerungen nie zu entrinnen vermochte. In seinen letzten Lebenswochen litt er an Halluzinationen und hielt das Krankenhaus, in dem er nach einem Sturz behandelt wurde, für ein Partisanenlager, in dem man ihn fesselte, folterte und hinrichten wollte. Er starb verzweifelt kämpfend, von der eigenen Tochter verraten, die ihn nicht befreite und ihm seine Waffe nicht brachte. Ein rasender alter Mann. Ein panischer junger Soldat. Umzingelt von Feinden. Mitten im Krieg. Allein und verlassen. Vor meinen Augen. Die Szenen in der Intensivstation haben mich so erschüttert, dass ich danach selbst eine Traumatherapie machen musste, um die unerträglichen Bilder bewältigen zu können. Es tat gut, professionelle Hilfe zu finden, nicht mehr allein zu sein mit den Erinnerungen. Damals glaubte ich noch, der Krieg meines Vaters, der auch mein Leben geprägt hatte und mich am Ende gar mit in die Tiefe zu reißen drohte, wäre vorbei. Dachte, ich wäre nach all der Zeit endlich in Sicherheit.

Mit dem Einmarsch der Russen in die Ukraine brach alles wieder auf. Ich war wie versteinert, Alpträume und Flashbacks kehrten zurück. Es gibt so unendlich viele Trigger. Ortsnamen, Wörter, Geräusche. Bilder von Panzern, Flugzeugen, Kriegsgefangenen, jungen Soldaten, Leichen auf Straßen, rauchenden Trümmern. Manchmal sind es Wörter. Russe. Partisanen. Schützengraben. Vergewaltigung. Folter. Massengrab. Die Bilder in den Nachrichten kenne ich. So sahen die Bilder im Kopf meines Vaters aus. Ganz zum Schluss sprangen sie in meinen Kopf über und nisteten sich für immer ein.

Über den Tagen hängt wieder der alte bedrohliche Schatten. Als Kind hat er mir Panikanfälle gemacht. Ich habe versucht, ihn zu bannen, habe mich schon mit den „vererbten Ängsten“ befaßt, als mein Vater noch lebte, habe darüber in meinen Büchern geschrieben und auch den Artikel „Im Schatten fremder Ängste“ für die Deutsche Angst-Hilfe.

Katharina Altemeier, selbst hochsensible Angstspezialistin und Buchautorin, fand und las den Artikel, nahm Kontakt zu mir auf und fragte, ob ich mir vorstellen könne, im Rahmen ihres Podcasts „Hallo Angst“ über die unheimlichen fremden Ängste zu reden.

Ich hatte etliche Bedenken und Sorgen. Ein echtes Interview, bei dem man sich gegenüber sitzt, konnte ich mir vorstellen. Aber ein Zoom-Interview? Schaffe ich das überhaupt? Also schon rein „technisch“? Wo ich doch Online-Konferenzen so hasse! Da sieht man doch die ganze Zeit sein eigenes Gesicht auf dem Bildschirm! Und dann muss ich das lange Gespräch auch noch gleichzeitig mit dem Handy aufzeichnen und anschließend die Riesendatei verschicken! Was, wenn alles schief geht? Wenn die Aufnahme nicht klappt? So was kann man doch nicht wiederholen! Katharina beruhigte mich. Das schaffst du! Ich helfe dir! Aber kann ich überhaupt über dieses aufwühlende Thema sprechen, ohne dass mir die Worte wegbleiben? Ich kenne ja die Fragen gar nicht, die sie mir stellen wird, denn es soll ja ein spontanes, authentisches Gespräch werden. Kann ich ihr vertrauen? Katharina hat all meine Zweifel ernst genommen und mich auf ihre feinfühlige und emphatische Art so gut aufgefangen, dass ich mich schließlich auf das gemeinsame Abenteuer eingelassen habe. Vielleicht hätte ich das zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr gewagt oder geschafft, denn das Jahr nahm danach für mich noch einige weitere schlimme Wendungen, die mich völlig verstummen ließen. Aber das wußte ich damals zum Glück noch nicht.

Zur Vorbereitung hörte ich alle Folgen ihres Podcasts „Hallo Angst“, besonders faszinierend fand ich Katharinas eigene Angsterfahrungen. Wie schade, dass sie so weit weg wohnt und wir uns nicht „richtig“ treffen konnten. Es wurde ein intensives, sehr persönliches Gespräch. Den Beitrag (#16) finden Sie hier auf Katharinas Seite, man kann ihn aber auch über Spotify hören.

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Just Cee – Halloween and Pumpkins

Halloween bei Cee und Uwe

Halloween war schon immer mein Lieblingsfest, aber das hat hier in Deutschland nie jemand verstanden. Bis auf Cee, sie hat mir die schönsten Halloween-Feste meines Lebens beschert! An Halloween verwandele ich mich jedes Jahr in eine Mischung aus Hexe und aufgeregtem kleinem Kind und würde mich am liebsten in die sechziger Jahre in die USA beamen, als noch nicht alles so kommerziell und bluttriefend war. Ich mag es archaisch und magisch. Cee hat mir von einem echten Spukhaus erzählt, zu dem sie als Kind nur mit starkem Herzklopfen gehen und Sweets sammeln konnte. „That was REALLY scary!“ Eigentlich hatten wir geplant, darüber ein Bilderbuch zu machen. Zu spät.

Illustration für „Marigard“ von Caroline Riedel

So ist auch mein Marigard-Roman, den Cee illustriert hat, ein Halloweenbuch, denn der Vater von Marigard ist Amerikaner und natürlich feiern sie „richtig“. Die Handlung beginnt mit Halloween und endet ein Jahr später am gleichen Tag. Die Familie Baker liebt es, sich zu verkleiden und denkt sich jedes Jahr die tollsten Kostüme aus.

Ich konnte das Geisterfest bisher nur wenige Male „richtig“ feiern, immer in Cees Haus, denn sie wusste genau, wie man Garten und Haus stilecht spooky und halloweeny macht. Es stimmte alles, der dämmrige Garten, die flackernden Kerzen, die haarige Riesenspinne im Busch, die leise Geistermusik, vor allem aber die weißhaarige Hexe und ihr geheimnisvoller Mann, der seinen Gästen mal mit schwarzem Netzumhang als eine Art Oktober-Neptun oder mit langen Hörnern, die unheimliche Schatten an die Wand warfen, wie ein Herbstteufel das Gartentörchen öffnete. Selbst unsere Enkel, die man normalerweise kaum beeindrucken kann, haben sich da gegruselt. Ich mich auch.

the wicked Witch of the West

Die Spinne mit den extrem langen, biegsamen, haarigen Beinen, die immer irgendwo anders baumelte, hat Cee mir voriges Jahr in einer riesigen Plastiktüte zusammen mit einer braunen Fledermaus, die jenseits von Halloween gar nicht sonderlich realistisch aussieht, den langen Teufelshörnern, schwarzen Spitzenhandschuhen (ohne Finger) und einem gigantischen schwarzen Spinnennetz vorbeigebracht. Ich fand es schon damals irgendwie traurig, es fühlte sich an wie ein schlechtes Omen, als sei Halloween in Riedels Garten für alle Zeiten vorbei. Leider hat mich mein Gefühl nicht getrogen.

Geistermädchen

Eines Nachmittags stand sie mit der Tasche vor unserer Tür. „Are you sure, you don’t want to keept them, Cee?“ „I have been tidying up. Had the feeling I should toss the ganze alte Krempel out of my life.” Ich wusste nicht, wohin mit der großen Tüte, und verstaute sie daher vorübergehend erst mal in der Waschküche. Leider hat das Kellerhochwasser im vorigen Sommer dann einen Teil der Sachen erwischt, aber Spinne und Fledermaus konnte ich zum Glück retten. Sie baumeln jetzt ganzjährig hier im Haus. Sehr zum Schrecken aller, die ahnungslos in die Nähe der Kellertür kommen. Die Spinne ist echt gewöhnungsbedürftig.

Cees Riesenspinne

Stilechtes Trick or Treat veranstalteten wir nur, wenn alle fünf (also auch die englischen) Enkel an Halloween bei uns versammelt waren. Sicher war es für Uwe und Cee ziemlich viel Arbeit, „But I really enjoy it! It’s such fun!“ Und unsere Enkel genossen es! „Oma, gehen wir dieses Jahr wieder zu DER HEXE?“ Ideal war natürlich auch, dass die American Witch „in dem Haus mit dem Turm“ einen unverkennbar amerikanischen Akzent hatte und jederzeit mühelos in ihre Muttersprache überwechseln konnte. Unsere englischen Enkel fanden das völlig normal. (Ähnlich ging es ihnen mit Nikolaus und Hans Muff alias Knecht Ruprecht, aber das ist wieder eine andere Geschichte, die einen eigenen Eintrag verdient.)

Wicked Witch of the West

Vor einigen Nächten war Caroline wieder in meinen Träumen. Ich glaube, mein Mann und ich befanden uns in Newcastle bei unseren englischen Enkeln, die offenbar einige Jahre jünger waren als in Wirklichkeit, gerade im richtigen Halloweenalter wie vor der Pandemie, die uns brutal zwei Jahre aus dem Familienleben gerissen hat.

Jetzt sind die Kinder zu groß für die magische Nacht. Die Oma allerdings nicht, ihr werden die Feste schrecklich fehlen. Und sie wird jedes Jahr ihre bittersüßen Erinnerungen haben.

Trick or Treat

Jedenfalls spielten wir in meinem Traum einträchtig mit Honka dem Krokodil. Plötzlich ging die Tür auf, mein Mann trat ins Zimmer und reichte mir lächelnd den Telefonhörer: „Für dich! Und du wirst dich sehr freuen!“ Erwartungsvoll nahm ich den Hörer und hätte ihn gleich fast fallen lassen, als ich die vertraute Stimme hörte. „Hi Bee! It’s me! Caroline!“ Die Stimme klang kräftig, fröhlich und absolut realistisch. Ich war froh, dass ich schon saß. „Oh my god, Cee! Are you still alive?“ Rief sie aus dem Krankenhaus an? Vielleicht war ja alles nur ein Irrtum gewesen und man hatte sie im letzten Moment retten können? „I’m so relieved! Uwe told me you were dead!” “That’s what they all think!” sagte Cees Stimme belustigt. “But I’m still around and very much alive as you can hear!” Ich hätte weinen können vor Freude. An dieser Stelle brach der Traum leider ab, doch er hat mich den ganzen Tag getröstet. Natürlich war es nur ein Traum, aber dazu muss man wissen, dass Telefone und Handys in meinen Träumen so gut wie NIE funktionieren. Ich kann überhaupt keinen anrufen, obwohl ich es immer wieder verzweifelt versuche, und werde selbst auch nur extrem selten auf diese Weise kontaktiert. In meinem ganzen Leben haben mich nur zwei Personen im Traum angerufen. Die eine ist meine Mutter, die zeitlebens leidenschaftlich gern (nie unter einer Stunde) telefonierte. Das war direkt nach ihrem Tod und nach dem Tod meines Vaters. Sie erinnert mich dann an Termine („Morgen hat Ingrid Geburtstag, vergiss das nicht) oder richtet mir etwas von meinem Vater aus, der genau wie ich Telefonieren gehasst hat. („Es geht ihm gut. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen“), die andere Person war Caroline. Irgendwie macht mir der Traum Hoffnung. Vielleicht gibt es ja immer noch eine Verbindung zwischen uns? Wir haben beide in Bildern gedacht, vielleicht….?

Beware, beware!

Halloween bei Caroline und Uwe war jedes Mal mein Highlight des Jahres, und ich war vorher genau so aufgeregt wie unsere Enkel. Etliche WhatsApps wurden im Vorfeld ausgetauscht.

Von mir: „Please don’t prepare too much!“ Von Cee: „No Aufwand = no party. Will bake a few cupcakes etc. Hope to find some corn-candy, the typical blöde sweet, but the traditional. Formally did the candied apples – we shall see.” Von mir: “When shall we eintrudeln? Sun goes down at quarter past 5 – it should be dämmerig genug after that. What do you think?” Cee ließ es sich nicht nehmen, richtig tolle Sachen aufzutischen, keine Ahnung, wo sie das alles auftrieb. „Just got home with the necessary “waffen” for greedy Halloweeners. Guess some time after 5:30 should offer the right kind of darkness? The usual troopers come later. Have been aquajogging = now platt. Must get started with treats right now!”

Kids and Pumpkins

Cees Hexe erinnerte mich an die wicked witch oft the West aus „Der Zauberer von Oz“, und der gruseliger Anblick verursachte selbst bei mir ein mulmiges Gefühl. Meine Verkleidung bestand meist nur aus einem langen spitzen lila Hexenhut mit Spinnennetz. Beim letzten Besuch habe ich mich mehr ins Zeug gelegt, trug eine Perücke mit langen schwarzen Haaren und eine Maske, und Cee hat mich tatsächlich im Halbdunkel des Vorgartens NICHT ERKANNT! Ich war total stolz auf mich!

Schon im Hof erwarteten uns große antike Kerzenleuchter, in der Nische grinste ein kunstvoll geschnitzer Pumpkin, meist mit langen spitzen Zähnen, und unsere Enkel waren aufgeregt und voller Vorfreude. Genau wie ich.

Halloween bei Cee und Uwe

Da es bereits dunkel war, habe ich von diesen unvergesslichen Abenden leider nur wenige Fotos – und eigentlich muss man die Stimmung ohnehin unbedingt mit allen Sinnen genießen. Thank you so much for everything, Cee. 

 

 

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Just Cee – erste Gedanken

Cee

Noch vor einer Woche hätte ich nicht für möglich gehalten, dass ich Caroline (die ich immer Cee nenne, und sie nennt mich Bee), eine meiner besten Freundinnen ever, so bald und vor allem so plötzlich verlieren würde. Noch am letzten Samstag haben wir lange miteinander telefoniert. Alles war wie immer, nur die Verbindung war nicht so gut, weil Cee vom knisternden Handy aus anrief, da ihr Internet zusammengebrochen war. Am folgenden Tag ist sie gestorben. Erfahren habe ich es erst am Dienstag und bin noch immer geschockt.

Bis heute kann ich die Wahrheit weder mit dem Verstand noch mit dem Herzen begreifen und schwanke zwischen Unglauben und Fassungslosigkeit. Eine Frau wie Caroline, eine so starke, schillernde, autarke, begabte, eindrucksvolle, zupackende, energiegeladene Persönlichkeit, kann nicht einfach fort sein. Schon gar nicht für immer. Unmöglich. Gleich wird sie mir wieder eine WhatsApp-Nachricht schicken, mich anmailen mit ihrem neuesten Bild oder der neuesten Zeichnung. Unsere Nachrichten gehen in die Tausende, wir haben beide etliche Ordner füreinander (Cee 1, 2, 3, Cee final, Ceex, Ceexx). Oder sie wird mich anrufen oder mit frisch gebackener köstlicher Pumpkin Pie (ihre Spezialität heißt Chiffon Pie und ist extrem sättigend), einem Tablett voll warmer Brownies oder einem Spontangeschenk vor der Tür stehen. An Ostern hat sie mich schon mit Katzenportraits und Mäusezeichnungen auf ausgeblasenen Eiern überrascht. Caroline Riedel ist Malerin. Und meine Illustratorin. My dear dreamteam half.

Sie hat drei meiner Bücher illustriert. Die beiden Winnie-Bände sind erschienen, der Marigard-Roman liegt immer noch bei mir. Für jedes der vielen Kapitel gibt es eine Zeichnung. Ihre Ungeduld war berechtigt. „When are you going to publish it? I hope I will still be alive then!“

Skizze von Caroline Riedel

Übrigens schellt sie nie. Unsere Klingel ist so laut, dass sie Katz und Mensch bis ins Mark erschreckt. Cee klopft sacht mit dem Zeigefinger ans Türholz, und ich weiss sofort, dass sie es ist. Wann haben wir uns das letzte Mal gesehen? Ende Januar? Februar? Neulich war sie noch kurz an der Tür, wollte aber nicht hereinkommen. Dafür dass wir im selben Stadtteil leben, ist unser letztes „echtes“ Treffen lange her, auch wenn es sich anfühlt wie gestern. Wir waren nämlich in ständigem Kontakt, früher per Mail, seit etwa fünf Jahren auch per WhatsApp, weil man da besser Fotos und Filme teilen kann und schneller reagiert. Auch mitten in der Nacht, wenn man ein nightowl ist (wie Cee) oder Schlafstörungen hat (wie ich). Sie hat mit mir über den Tod meiner betagten Alice getrauert und sich mit mir auf die neuen Kitten gefreut, bittet mich regelmäßig um die neuesten Fotos. „Any kitten pics to brighten up my day?“ Nur noch eine, höchstens zwei Wochen, wenn alles klappt! Auf jeden Fall wird sie sofort auf der Matte stehen, um die Kätzchen ordentlich durchzuknuddeln, „I‘m really looking forward to krauling them“, wenn sie dann endlich hier eingezogen sind. „I am almost as excited as you!“ Ich muss nur ganz fest daran glauben, dann wird das Wunder geschehen. Ganz bestimmt wird es so sein.

Dearest Cee, I am missing you like hell. 

Es ging ihr nicht gut in letzter Zeit, mir war bewusst, dass sie ernstlich krank war, selbst wenn ich es einfach nicht wahrhaben wollte. Vor kurzem hatte sie die erste Chemotherapie, die so „gut“ anschlug, dass sie nicht nur alle „bad cells“, sondern auch die „good ones“ auslöschte, danach bekam sie Bluttransfusionen, um wieder zu Kräften zu gelangen. Im Mai hat sie dann trotz aller Vorsicht auch noch Omikron erwischt, und seitdem konnte sie nicht mehr richtig hören, was sie total nervte.

Cee

Doch darüber wollte sie am Samstag nicht reden, „Let’s talk about something nice! I need some cheering up!“ Zum Beispiel Pferde. Oder Katzen. Oder ihre geliebte Hündin Milli. „She is so wonderfully erzogen!“ Und über meine sehnsüchtig erwarteten Kitten. Sie erzählte auch von der tollen neuen Serie,  die sie sich abends mit ihrem Mann im Fernsehen ansieht und deren Namen ich leider vergessen habe, weil man sie ohnehin nicht über Netflix oder Firestick empfangen kann, und über die Abiturfeier ihres Enkels. Anstrengend sei es gewesen, sie habe viel laufen müssen, „but I had Uwe’s and Anton’s elbows. They are simply wonderful.“ Cee liebt ihre Familie über alles. Liebte. Nein, liebt. Sie ist ja noch da, ich weiß es genau, denn vor zwei Nächten war sie in meinem Traum und hat mir ihre neuen Illustrationen gezeigt. Sie waren dreidimensional, was mich sehr beeindruckte.  Typisch Caroline. Nein, sie ist nicht fort. Das kann und darf nicht sein.

Cee

Bei unserem ersten Treffen (in der Kassenschlange der längst verschwundenen Schlecker-Filiale im Weidener Einkaufscenter, wir hatten beide tonnenweise Katzenfutter gekauft) spürte ich sofort, dass wir irgendwie zusammengehörten. Cee fiel mir auf, weil sie „anders“ aussah als die üblichen Center-Kunden. Sie strahlte etwas aus, das mich faszinierte. Beim Bezahlen hörte ich ihren amerikanischen Akzent und sprach ich sie einfach auf Englisch an (auf Englisch habe ich zum Glück weniger Hemmungen) und lud sie, was ich sonst noch nie gemacht habe, SOFORT zu mir nach Hause ein, um ihr meine Katzen zu zeigen. American cats! Maine Coons! Diese Frau war besonders, ich musste sie festhalten, denn wer wusste schon, ob wir uns erneut so schicksalhaft zufällig über den Weg laufen würden. Mein Mann war an jenem Tag in Berlin, sonst hätte er sich bestimmt gewundert über meine spontane Abschleppaktion, doch so waren nur die Katzen zu Hause, die sich komischerweise gar nicht wunderten, und wir hatten alle Zeit der Welt. Cee rief kurz ihren Mann an und sagte, sie werde später kommen, „because I met someone really nice“. Damals lebten noch alle meine Coone, und in Cees Haus logierte der imposante Kater Porgy, der einen wie ein vornehmer alter Landlord musterte, wenn man zu Besuch kam, während Cees nächste Katze Paxi extrem scheu war und sofort wie ein übergewichtiger schwarzweißer Blitz davon schoß, wenn sie einen nur hörte. Selbst das schönste interaktive Spielzeug vermochte sie nicht aus ihren Verstecken hervorzulocken. Ich habe sie nie gestreichelt. Eine herbe Niederlage für eine leidenschaftliche Cat Woman.

An jenem ersten Abend redeten wir über Gott und die Welt, als würden wir uns schon ewig kennen. Vielleicht kannten wir uns ja auch tatsächlich schon ewig. Vielleicht aus einem anderen Leben. Es war Freundschaft auf den ersten Blick, und die Spontanabschleppung gehört zu den wenigen Aktionen, auf die ich äußerst stolz bin. Das war Kairos, die unwiederbringliche Gelegenheit, die man beim Schopfe packen muss, bevor sie für immer dahin ist. Auch sprachlich waren wir genau auf derselben Wellenlänge, unterhielten uns in einem lustigen deutsch-englisch-amerikanischen Mischmasch, und sie fluchte genauso gern und heftig auf Amerikanisch wie ich auf Englisch („I so am glad Uwe can’t hear us, he’s such a gentleman“). Wir lachten und schimpften über genau dieselben Sachen, und ich fand ihren Sinn für Humor und ihre erfrischende Direktheit überaus entspannend und genial.

Cee

Cee liebte nicht nur Katzen und Hunde, sondern auch Pferde, gegen die sie leider lange extrem allergisch war. Am Samstag haben wir uns noch gewundert, dass ihre Allergie sich in Luft aufgelöst hat. Gerade war sie noch mit ihrem Mann bei einem wundervollen Pferde-Event gewesen (in der Lanxess-Arena?) und beschrieb mir ihre Favoriten in allen Einzelheiten, vor allem ein Pferd, dessen Mähne und Schweif lang und seidig wie Schleier über den Boden flossen. Beim zweiten Auftritt sei die Mähne dann zu einem dicken Zopf geflochten gewesen. „And in the end we could walk up to the horses and pet them! Trick riders were a French troop. Fabulous!”

Schon als kleines Kind skizzierte Cee ganze Blöcke und Bücher voll mit Pferden. Sie konnte sie sogar mit geschlossenen Augen zeichnen. Auch für die Malerin gehörten Pferde zu den liebsten Motiven. Zufällig kannte ich einen Reiterhof in der Nähe und wir beschlossen an jenem ersten Abend, schon in der nächsten Woche gemeinsam dorthin zu fahren.

Viele Male waren wir seither dort, gehören zu den „Stammgästen“, bewunderten die eleganten Tiere, schlenderten durch die Ställe, unterhielten uns mit den netten Besitzern. Ich fotografierte mit zwei Kameras nicht nur alles, was mir gefiel, sondern vor allem das, was Cee gefiel, also (gefühlt!) Millionen Pferdekörper, Pferdebeine und Kruppen aus allen möglichen Perspektiven, gern auch von hinten. Wie gut, dass es Digitalkameras gibt, sonst hätte ich jedes Mal glatt zig Filme verknipst. Es war immer ein Vergnügen, anfangs musste Cee vorher Antihistamine einnehmen, doch beim letzten Besuch brauchte sie die nicht mehr. Für eine Frau, die bei einer Pferdeshow mal ihre Tabletten vergessen hatte und daraufhin einen anaphylaktischen Schock erlitt (komplett mit Notarzt und allem), war dies wirklich erstaunlich. Zu Hause angekommen, bearbeitete ich die horses sofort und mailte sie ihr. Dabei gab regelmäßig mein Mailspeicher den Geist auf, bis ich mir endlich genügend Speicherplatz kaufte. Unsere Mailwechsel waren immer höchst bildgewaltig. Außerdem legten wir vorsichtshalber auch noch diverse private Pinwände auf Pinterest füreinander an, damit Cee meine Bilder auch schnell finden konnte. Mit ihrem Computer stand sie nämlich auf Kriegsfuß. Mit ihrem Scanner erst recht. Sogar mit ihrem Handy. Mit allem Technischen. But so what. Schließlich war sie Künstlerin!

Cee

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