Kölner Westen: „Radio Days“

Aachener Str. (BFL)

Inzwischen ist die Aachener Straße tatsächlich um einiges ruhiger, manchmal sogar völlig still, und selbst die Autobahn röhrt nicht mehr in der Ferne. Ich war ein paar Mal draußen, und jedes Mal war die Straße bis auf die parkenden Autos fast oder gänzlich leer. Genau wie die KVB-Haltestellen, sogar am Center. Das passiert normalerweise nur bei der Fußballweltmeisterschaft.

Stadtauswärts (BFL)

Das kleine Päckchen, das ich heute morgen bekam, wurde mir im Gegensatz zu sonst mit extrem langem Arm gereicht, nicht mal unterschreiben war nötig, denn in Krisenzeiten gelten andere Vorgaben. Im Stadtanzeiger fallen mir jetzt vermehrt die neuen Zusätze bei den Todesanzeigen auf und machen mich traurig. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie die winzigen Beerdigungen in diesen Tagen aussehen, ich habe in den letzten Jahren viele Verwandte verloren. Ich sehe die wenigen Trauernden verloren und ungetröstet am Grab stehen. Auf dem Weidener Friedhof war ein riesiger Bagger mit lautem Getöse zugange. Mir schoss ein völlig abgedrehter schrecklicher Gedanke durch den Kopf, als ich das riesige Loch sah, doch die Männer hatten einfach nur das Fundament des Strommasts entfernt, der dort bis vor kurzem noch stand. Das war mir glatt entgangen, dabei habe ich ihn schon so oft surren hören. Ein Glück, dachte ich erleichtert. Wie gut, dass ich gefragt habe. Es ist nur der Strommast!

die neuen Weltstars (unsplash)

Im Center sind tatsächlich noch ein paar Geschäfte geöffnet, aber richtig einladend wirkt das nicht. An den geschlossenen Läden kleben kleine Plakate, vor einigen geöffneten stehen Warnschilder. In der Apotheke trugen heute alle Mundschutz und der  Sicherheitsabstand zwischen den Kunden war sehr groß. Bei Rewe und im DM fehlen tatsächlich immer noch unsere momentan weltweit kollektiven Lieblingsprodukte (Nur so eine Idee: man kann notfalls auch liebevoll zugeschnittene Küchenrollen zweckentfremden). Ein Psychologe meinte gestern, durch das Horten von Klopapier würden die Menschen ihren Ekel vor dem Coronavirus ausdrücken. Interessante Theorie, daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Aber vielleicht ist Klopapier im Moment auch nur eine Art Beruhigungsmittel gegen die Angst? Eine Variante des magischen Denkens: Wenn du nur genug Klopapier zu Hause hast, kann dir nichts passieren! Dass alle anderen das auch zu denken scheinen (wenn alle das meinen, muss es ja stimmen! Darum gibt es auch all die leeren Regale!), bestätigt die eigene Wahrnehmung. Interessant ist diese Fixierung irgendwie schon. Nudelhorten verstehe ich bestens. Nudeln sind lecker und halten sehr lange. Sie sind gut für das körperliche Wohl. Klopapier bietet offenbar eine ganz andere Sicherheit. Damit schützt sich der Mensch an seiner verwundbarsten Stelle, dem Intimbereich. Ich hatte schon immer genug Klopapier für einige Wochen im Schrank (genau wie Katzenstreu) und habe auch wegen Corona nicht aufgestockt. Aber vielleicht habe ich auch eine ganz andere Art Angst als die Klopapierhorter. Wir kennen uns halt schon sehr, sehr lange, die Angst und ich. Damit hat Klopapier nichts zu tun.

Stopp! (BFL)

Zwei Frauen suchten heute morgen im DM verzweifelt nach Desinfektionsmitteln und eilten panisch und hektisch durch die Gänge. Ich gab ihnen den Tipp (aus der „New York Times“), dass man stattdessen auch sehr gut (verdünntes) Geschirrspülmittel verwenden könne, denn Coronaviren vertragen ja keine Fettlöser, was die beiden sichtlich beruhigte und mir ein gutes Gefühl gab. Spülmittel gibt es zum Glück noch genug, offenbar haben die Menschen diese Geheimwaffe noch nicht auf dem Schirm. Sogar meine Lieblingsmarke gab es, kam also auch gleich in den Einkaufskorb. Ich habe schon immer Spülmittel und Seife geliebt! Auch bei Gummihandschuhen gibt es erstaunlicherweise noch keinen Engpaß (wohl aber bei Einweghandschuhen, die sind nicht mehr zu kriegen).

Zur Säuberung von Oberflächen gab es eine gute Empfehlung in der „New York Times“: Gummihandschuhe anziehen und 1 x am Tag folgende Gegenstände mit einem feuchten Tuch (Desinfektionsmittel oder verdünntes Spülmittel) abreiben: Türklinken, Schubladengriffe, Fernbedienungen, Telefon, Tastatur und Handy (besonders wichtig, weil man es dauernd in der Hand hat!), Wasserhähne, Toilettenspülungstaste, Lichtschalter, Kühlschranktür, Microwellentür. Danach Handschuhe gut mit Seife waschen und trocknen lassen, danach noch mal Hände waschen, ebenfalls mit Seife und nach bewährter Manier. Also gründlich. Mindestens 20 Sekunden. (Für die Hände braucht man eigentlich gar kein Desinfektionsmittel, da reicht Seife!!!!) Ob ich die neue Handhygiene je vergessen werde? Wenn das noch monatelang so weiter geht, sicher nicht. Irgendwie ist es mir jetzt schon in Fleisch und Blut übergegangen. Mache ich ja auch schon seit sechs Wochen.

Radio Days (pixabay)

Übrigens bemerke ich mehrere auffällige Veränderungen in meinem Leben: Ich höre plötzlich Radio. Normalerweise tue ich das sonst nur im Auto, weil mich fremde Stimmen von unsichtbaren Leuten im täglichen Leben und bei meiner Arbeit am Schreibtisch stark irritieren (ich bin ein ausgesprochener Augenmensch), aber jetzt verbringe ich praktisch mehrere Stunden am Tag neben dem Radio. Es ist nicht nur der Podcast von Professor Drosten, es ist noch viel mehr. Wenn ich tief in mich hineinhorche, verstehe ich sogar, warum. Radiohören erinnert mich an meine Kindheit, an die Zeit, als wir noch keinen Fernseher hatten und mit dem Radio den Tag begannen und beendeten. „Komm, wir hören schnell noch die Nachrichten“, sagte meine Mutter. Dann waren kurz alle leise, und zum Schluss kam die Wettervorhersage. Und später „Die großen Acht“ von Radio Luxemburg mit Frank Elsner. Bei mir erlebt das Radio gerade eine echte Renaissance. Irgendwie fühle ich mich dadurch beruhigt und behütet. Wie war das noch früher? Morgens beim Frühstück, bevor mein Vater zur Arbeit fuhr, lief das Radio, auch später noch, wenn ich zur Schule ging, und außerdem immer, wenn ich krank im Bett lag. Aber dann war es nicht der große Kasten, sondern ein Transisterradio. Das entführte mich in die Welt des Kinderfunks. „Was meinst du dazu?“ fällt mir ein. Und „Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv“ (da kann ich sogar noch die Erkennungsmelodie singen!). Und die Stimme von Peter René Körner! An den habe ich schon ewig nicht mehr gedacht.

Mein Mann hört immer viel Radio, für ihn ist das jetzt nichts Besonderes, aber ich schaue eigentlich viel lieber fern. Ich bin ein echter Film-Junkie. Auch ein echter Serien-Junkie, seufz. Jetzt stelle ich mit einem Mal erstaunt fest, wie gut und interessant das Radioprogramm ist! Und wie sehr ich mich im Moment genau dort unmittelbar und gut informiert fühle. So höre ich nicht nur täglich im NDR den informativen Drosten-Podcast, sondern habe rein zufällig auch im WDR etliche gute Sendungen gefunden, z. B. eine ausgezeichnete Sendung über Hermann van Veen. Bei KiRaKa. Ich hatte glatt vergessen, wie angenehm seine Stimme ist. Und wie schön seine Lieder. Danke, WDR! Auch die Nachrichten höre ich jetzt alle paar Stunden. Komischerweise fühlt sich das sehr viel unmittelbarer an als das Fernsehen, und die „Tagesthemen“ und das „Heute Journal“ kommen ja erst so spät. Die schaue ich mir auch beide an. Schade, dass die „Heute Show“ nicht jeden Abend den Abschluss bildet, dann hätte ich wenigstens was zu lachen. So liest mir mein Mann (er hat eine wunderbare Stimme, eigentlich hätte er Radiosprecher werden sollen) im Moment „Winnie the Pooh“ vor. Das brauche ich, um runterzukommen. Vorher hatten wir „Karlsson vom Dach“.

Auch die Ansprache von Angela Merkel habe ich mir gestern bewußt zuerst im Radio angehört und erst dann „richtig“ im Fernsehen. Meine Gefühle waren dabei so ähnlich wie bei „The King’s Speech“. Es war ein historischer Moment. Das hat sie noch nie zuvor getan. Sie sprach einfühlsam, unaufgeregt, klar und für ihre Verhältnisse erstaunlich emotional. Ich war und bin beeindruckt. Leider werden viele Menschen ihren dringenden Appell nicht befolgen. Auch heute haben sich wieder hunderte Jugendliche am Rheinufer versammelt und Coronafeiern abgehalten. Es ist einfach nur noch zum Heulen und wird zu Ausgangssperren führen. Wir sind offenbar immer noch nicht reif und mündig genug, um in dieser historischen Ausnahmesituation Vernunft walten zu lassen und Rücksicht aufeinander zu nehmen. Ich wünsche mir, die „Partymacher“ würden den verzweifelten Bericht der jungen New Yorker Ärztin lesen, den ich heute gefunden habe: „The Sky is falling!“ Doch antiphobisches Verhalten ist nicht neu. Es gab auch schon wilde Feste währen der Pestepidemien. Aber das waren eher Totentänze. Tanzen auf dem Vulkan muss ein ganz besonderer Thrill sein, den ich nicht nachvollziehen kann.

Wie im Rest von Köln und in vielen anderen Städten (besonders eindrucksvoll schafft man das in Italien!) gab und gibt es auch hier im Westen abendliche „Klatschaktionen“ als Dank an die Menschen, die „den Laden am Laufen halten“, immer um 21:00 Uhr. Von der ersten habe ich zu spät erfahren, die zweite habe ich durch einen wichtigen Anruf verpaßt. Aber an der breiten Aachener Straße hätte sich mein Klatschen ohnehin sekundenschnell „versendet“. Für Sonntag, den 22. März ist um 18:00 Uhr eine Art kollektives Musikkonzert geplant, doch selbst dazu werde ich an der Aachener Straße nicht viel beitragen können. Kein Instrument wäre hier laut genug. Damit man mich irgendwie bemerkt, müsste ich wohl riesige Leuchtkugeln in den Himmel schießen. Mal sehen, wie es heute Abend wird. Noch ist nicht 21:00 Uhr.

Seifenblasen (pixabay)

In diesen Tagen fällt es mir schwer, mich beim Schreiben auf „Unpandemisches“ zu konzentrieren. Mein Roman pausiert daher erst mal. Merkwürdigerweise habe ich während der SARS-Krise (2003) ein ganzes Buch geschafft, in dem meine Romanfamilie im Belgischen Viertel sogar eine Woche in Quarantäne verbringen musste. Sie hatten damit argen Stress, denn der Vater hatte im selben Flieger gesessen wie der SARS-infizierte Arzt, und seine beiden Töchter fürchteten, dass er sich angesteckt haben könnte. Ich habe mir schon überlegt, ob ich meine Familie nicht einfach wiederaufleben lassen soll, denn sie fehlt mir schon seit langem und ich würde gern wieder mehr Zeit mit ihr verbringen (außerdem hege ich insgeheim tiefe Gefühle für Martin, den amerikanischen Vater). Vielleicht versuche ich in den nächsten Tagen, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Wenn sie Lust dazu haben, was ich sehr hoffe.

Aber zuerst möchte ich mir noch die verpassten Podcasts von Christian Drosten anhören. Ich habe erst bei Folge 10 angefangen, heute war Folge 17. Inzwischen kann man sich auch die Scripts herunterladen oder im Computer lesen, und die NDR-App schickt mir morgens und abends die neuesten Meldungen aufs Handy. Genau wie der Newsletter des Kölner Stadtanzeigers speziell für die Lage vor Ort (Stadt mit K). Heute habe ich auch zum ersten Mal von der wohl aktuellsten Infoseite über die Corona Verbreitung gelesen. Sie heißt ncov2019live und wird von einem hochbegabten 17jährigen namens Avi Schiffmann in Seattle betrieben, der schon in einem Alter zu programmieren begonnen hat, in dem andere gerade erst anfangen zu lesen. (Sein Name klingt ein bisschen, als wäre er aus dem Roman „Die Lügnerin“, dem letzten Buch für die Stadt. Hab ich damals ausführlich im Literaturkreis besprochen. (der Literaturkreis fällt jetzt leider aus.)

Hummelchen (pixabay)

Draußen bleibt es frühlingshaft mild. Die ersten Hummeln habe ich im Garten gesichtet, die Vögel scheinen schon mit ihrem Nestbau zu beginnen, gestern habe ich den Rasen gemäht (natürlich ganz hoch eingestellt, damit er nur ja keinen Mähschock bekommt). Auch einen wirklich magischen Moment habe ich erlebt: Heute flogen schreiende Wildgänse hoch am Himmel über mich hinweg. Ihr Anblick rührt mich sowohl im Frühjahr als auch im Herbst zu Tränen. Irgendwie wecken diese Vogelzüge ein uraltes archaisches Bild in mir auf. Wie viele Generationen von Menschen haben diese eindrucksvollen Züge wohl schon beobachtet? Und sehr wahrscheinlich sind ihnen dabei auch Schauern über den Rücken gelaufen. Auch mit Fischfüttern habe ich jetzt angefangen, denn es gibt viele neue Fischbabys.  Hoffentlich kommt der Reiher nicht und frißt sie sie mir alle an einem Tag weg. Es gibt einen gewissen Reiher, der auf den Kölner Westen spezialisiert ist. Meine Freundin in der Bahnstraße kennt ihn auch bestens. Er hat uns beiden schon mehrfach den Teich leer gefischt, und ich habe ihn auch schon mal ganz aus der Nähe fotografiert. Er ist riesig! Sehr schön eigentlich, aber auch sehr hungrig.

Kirchenglocke (RoyBuri/pixabay)

Übrigens läuten jetzt täglich um 12:00 in Köln die Glocken zum kurzen Gebet, ebenfalls um 19:30. Auch das erinnert mich an etwas. Früher läutete in unserem Dorf die Kirchenglocke, wenn jemand gestorben war. Dann hielten die Menschen kurz inne, und meistens wußten sie auch, wer da gerade gestorben war. Es war ein kleiner Ort, in dem jeder jeden kannte. Die alten Frauen begannen dann, zu Maria zu beten. Glockenläuten ist für mich immer noch extrem emotional besetzt. Vielleicht gehe ich morgen Mittag und Abend kurz nach draußen und höre den Glocken zu. Schade, dass ich nicht mehr gegenüber von St. Michael im Belgischen Viertel wohne. Wie meine Buchfamilie, die mir gerade so fehlt, dass es fast schon weh tut. Vielleicht gehe ich morgen um 12 und 19:30 kurz an die Straße. Das Glockengeläut müsste ich eigentlich hören. Und vielleicht kommen noch mehr Menschen an die Straße und wir können uns zuwinken.

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Kölner Westen trifft Corona

Seifentrost

Ich mache mir grade wieder selbst eine Freude und schaue mir Seifenbilder an. Das finde ich überaus beruhigend in Zeiten der Pandemie.

Draußen ist es heute bis auf den normalen Puls des Kölner Westens (möglicherweise ist die Aachener Straße gerade ein wenig leiser als sonst, aber noch fällt es nicht auf) und einige frühlingsschmetternde Vögel ziemlich still. Mir fehlen die Stimmen der vielen Kinder, die um diese Zeit normalerweise draußen den Schulhof bevölkern. Manche sind ganz schön laut, ein Mädchen kann täuschend echt wiehern, und etliche nerven mich auch gelegentlich, weil sie so laut kreischen, dass mir die Haare zu Berge stehen, aber alles in allem erinnert mich die quicklebendige Geräuschkulisse immer an meine Kindheit und das Haus meiner geliebten Oma. Sie wohnte unmittelbar neben einer Schule, und da war es vor 60 Jahren schon genau so laut.  Die Stimmen von spielenden Kindern sind offenbar immer gleich. Herumtollende Kinder sind etwas Vertrautes. Wenn sie nach der Pausenglocke alle gleichzeitig auf den Schulhof strömen, ist das eine Szene voller Lebenslust und Übermut. Jetzt sind die Kinder fort. Nur der Rasenmäher und der Hausmeister sind noch da. Und die Schulglocke. Pünktlich. Als wäre alles wie sonst.

Spielen (Robert Collins/unsplash)

In Köln sind ab heute nicht nur alle Kitas und Schulen, sondern auch alle Restaurants, Kinos, Spielplätze, Schwimmbäder und Bordelle (die Stimme der meisten Nachrichtensprecher verändert sich bei diesem Wort sehr subtil, und jedesmal muss ich lächeln) geschlossen. Nun ist auch der Zoo zu, der noch am Wochenende (bis auf die Tierhäuser) geöffnet war und die Kölner und ihre Kindern erfreute.

noch mehr Seife

Es ist so schön draußen, die ersten Blätter sprießen, Bäume blühen, Narzissen und Tulpen stehen im Blust, sogar der jährliche Heuschnupfen ist im Anflug. Trotzdem ist alles anders. Ab heute sind fast alle Geschäfte zu, bis auf Apotheken, Tankstellen, Banken und Lebensmittelläden, in denen die Angestellten (es ist bewundernswert, dass sie immer noch so freundlich sind!) zu Stoßzeiten bis an die Grenze ihrer Kraft (oft sicher auch oft darüber hinaus) arbeiten und dabei auch noch ständig unterhalb des empfohlenen Sicherheitsabstands bleiben müssen. Eine Kassiererin klagte darüber, dass rücksichtslose Kunden einfach in die Hand husten und ihr dann mit genau dieser Hand das Geld reichen. Wenn man sie darauf anspricht, reagieren sie sauer und gereizt. Nach wie vor gibt es den Super-Run auf Nudeln und Klopapier. Nudeln kann ich gut verstehen, aber ich frage mich, warum die Menschen scharf auf Toilettenpapier sind. Ist Klopapiersucht ansteckend? Triggert sie der Anblick der leeren Regale? Oder ist Klopapier irgendwie das Symbol für „Keine Sorge, alles ist gut“?

Das Einkaufscenter glich gestern einer Geisterwelt. Die Gänge, die meisten Läden und die Rolltreppen waren leer, im Kaufhof musste man ähnlich wie im Flughafen erst mal Slalom laufen, um zur Kasse zu kommen. In der Konfektionsabteilung waren wir die einzigen Kunden, was mich normalerweise erfreut hätte, denn ich mag keine Warteschlangen, aber unter den gegebenen Umständen war es unheimlich und bedrückend. Die Kassiererinnen trugen Handschuhe und machten ernste Gesichter. Leider bekam ich nicht mal das, was ich suchte. „Lieferstopp. Ham wir nicht im Moment.“ Ich hatte schon seit einigen Tagen meine Vorahnungen und habe mich daher vorige Woche einfach bei der Verkäuferin meines Vertrauens direkt erkundigt. „Wir wissen auch noch nichts“, meinte sie. „Das kommt immer ganz plötzlich. Aber ich gehe mal davon aus, dass hier nächste Woche zu ist.“ Ob wirklich zu ist? Ich muss es selbst sehen, um es zu glauben.

Klopapierhorter von Heather Anthony, @mousesprouts (Foto: Paul Anthony)

Irgendwie bizzar, aber es ist überall auf der Welt dasselbe, sogar das Horten von Klopapier ist gleich, wie ich täglich aus den sozialen Medien erfahre. Auf instagram beschäftigen sich sogar die Miniaturisten mit dem Thema. Auf höchst humorvolle Weise. Überhaupt ist instagram im Moment eine wahre Wohltat, hier wünschen Menschen aus aller Welt einander täglich Kraft, schicken sich virtuelle Umarmungen, liebe Worte und Ratschläge und finden sogar unerwartet Seelenverwandte (so bin ich seit kurzem auf die Ferne richtig gut mit Künstlerinnen in New York, Texas, Australien, England und  Norwegen befreundet, alles „Mausfrauen“). Wir posten spöttische, selbstironische und mitfühlende Bilder. Aber vielleicht habe ich auch nur Glück und „folge“ den (für mich) richtigen Personen. Oder gehen Künstler in aller Welt besonders feinfühlig und kreativ mit diesen einschneidenden, furchterregenden Veränderungen um?

Mausbuchladen „Mouse Tales“  (BFL)

Auch meine eigenen instagram Bilder sind „eingestimmt“. Bei mir in Mouseland (@cheddarandmozzarella) sind zum Glück alle Läden geöffnet und werden das auch bleiben, sofern mich die Coronaviren nicht vom Stuhl fegen. Auch das gemeinsame üppige Schmausen darf selbstverständlich weitergehen. Mäuse sind äußerst soziale Wesen und dürfen sich zum Glück auch bei Menschencorona noch fest in den Arm nehmen und nach Herzenslust beschmusen. Ich freue mich immer, wenn ich lese, dass meine Mäuse andere trösten und zum Lächeln bringen. Genau das sollen sie ja! Ich verkaufe dort nichts, ich brauche keine Werbung,  ich poste meine Bilder, weil es Freude macht und weil ich meine Mäuse liebe. Es tut gut, dieser bedrohlichen Dunkelheit einfach jeden Tag ihre kleine heile Welt entgegenzusetzen. Ohne Viren, Einschränkungen, Verbrechen und Gefahr.

Tina, Chester und Mimolette (BFL)

Auch die vielen hilfsbereiten Menschen, denen ich hier im Westen seit einigen Wochen real wie virtuell (vor allem bei facebook und nebenan.de) begegne, beeindrucken mich. Das „Viertel“ hält zusammen, formiert sich vielleicht gerade erst richtig, die Jungen helfen den Alten, überall herrscht große Solidarität. Auch der Kölner Westen verändert sich. Die Menschen werden zwar gezwungen, einander zu meiden, doch sie rücken gleichzeitig auch enger zusammen, lernen sich vielleicht jetzt erst kennen. Wir sitzen tatsächlich alle im selben Boot, weltweit, stadtweit, straßenweit, alle sind wir von dieser Katastrophe betroffen. Danach werden wir vielleicht anders miteinander umgehen. Köln zeigt sich hier gerade von seiner besten Seite, und mir wird das Herz weit.

trauriger Anblick (BFL)

Was mich traurig macht: Dass am Sonntag die Gläubigen ungetröstet zurück nach Hause geschickt werden mussten, weil auch die Gottesdienste verboten sind. Dass man sie nicht mal beruhigend in den Arm nehmen konnte. Dabei war alles so liebevoll vorbereitet, auf den Stühlen waren die Sitzkissen so verteilt, dass genug Abstand zwischen den Menschen bestanden hätte, die Gesangbücher lagen schon auf den Plätzen (und wären auch dort liegen geblieben), am Ausgang stand eine große Flasche mit Desinfektionsmittel, auf dem Altar standen frische Frühlingsblumen, zwei Türen wären einladend weit geöffnet worden. Die Gemeinde hätte nicht gesungen (denn dabei verteilt man natürlich auch Viren), sondern gemeinsam gesummt. Alle hatten sich auf diesen Abendgottesdienst in Krisenzeiten gefreut und auf die beruhigenden Worte ihres Pfarrer gehofft. Die gewohnte innere Nähe, die vertrauten Menschen, der gemeinsame Glaube hätten die Anwesenden, von denen viele betagt und einsam sind, sicher trösten können. Doch die unsichtbare Bedrohung verlangt, dass die Menschen einander meiden. Sie dürfen einander nicht mehr berühren, sich nicht mehr nah sein, nicht mal in Sprechnähe stehen. Auch die Beerdigungen werden von nun an eine Zeitlang anders sein. Nur Angehörige ersten Grades dürfen am Grab stehen und müssen auch in ihrem Schmerz allein bleiben. Gerade bei Trauerfeiern bekommt man normalerweise so viel dringend benötigte Zuwendung und Trost. Alles dahin. In Italien bleiben inzwischen auch die Sterbenden allein. Vorübergehend brechen uns alle inneren und äußeren Haltestrukturen weg.

Einsamer Mose (BFL)

Die Welt ist in Aufruhr. Möglicherweise werden viele Menschen aus dieser Phase traumatisiert hervorgehen. Wenn die Pandemie vorbei ist, hat sich das Leben tiefgreifend verändert. Wir befinden uns in einem globalen Kampf mit einer unberechenbaren neuen Krankheit. Die Zustände in Italien sind unvorstellbar (wie es auch in China der Fall war), ich lese darüber täglich in der „New York Times“ und hoffe immer noch, dass uns diese  Wucht erspart bleibt. Ärzte kämpfen dort nicht nur um das Leben ihrer Patienten, sie sind auch selbst in höchster Gefahr. Viele trennen sich jetzt von ihren Familien, um sie nicht zu infizieren. Alle Länder wappnen sich. In Frankreich gibt es ab jetzt eine Ausgangssperre, und selbst der intelligenteste Präsident aller Zeiten (he whose name must not be mentioned, also Voldetrump) und sein ruppiger Brexitfreund rudern jetzt nach großen Tönen heftig zurück.

Was mir gerade akut zu schaffen macht: In Köln wurden an der Uniklinik sozusagen über Nacht 50.000 Atemschutzmasken gestohlen, was  hier in der Stadt möglicherweise etliche Leben in Gefahr bringt oder sogar kosten wird (aber wie kann jemand nur so viel Zeug ungesehen fort schaffen?).

Außerdem gibt es schon wieder Trickbetrüger, die bei hilflosen Senioren klingeln und sich als Mitarbeiter des Gesundheitsamts ausgeben. Angeblich wollen sie einen Rachenabstrich nehmen, haben es aber in Wirklichkeit nur auf das Geld und den Schmuck ihrer betagten Opfer abgesehen. Während Täter 1 ablenkt, räumt Täter 2 die Wohnung leer. Mir fehlen für so ein Verhalten die Worte.

Lavendelduft

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Mülhausen revisited, März 2020

Bibliothek (BFL)

Nach fast zwei Jahren war ich wieder zu einer Lesung aus meinen Büchern „Mit Winnie in Kattendonk“ und „Mit Winnie in Niersbeck“ an meiner alten Schule, diesmal las ich allerdings vor Schülern und Schülerinnen. Für mich eine echte Premiere und entsprechend spannend. Normalerweise kann ich davon ausgehen, dass mein Publikum sich an zahlreiche Personen, Orte, Lieder und Gegenstände in meinen Büchern erinnert, was bei dieser sehr jungen Generation natürlich nicht der Fall war. Daher hatte ich vorgesorgt und eine kleine Powerpoint-Präsentation vorbereitet. Es funktionierte. Die Kinder waren wunderbar, sie staunten, amüsierten sich, gingen mit, stellten kluge und interessierte Fragen, brachten auch ihre eigenen Erfahrungen und Ideen ein und überraschten mich immer wieder. Die Doppelstunde verging wie im Flug. Wie bei meiner ersten Lesung saßen wir in der alten Bibliothek mit den langen Fenstern, die immer noch einen Hauch von Hogwarts ausstrahlt, vor allem, wenn man noch weiß, wie es hier früher aussah. Bloß der Literaturgeruch ist inzwischen ein anderer, und der Raum wirkt jetzt auch viel heller und großzügiger. Trotzdem!

Paradiese hinter Hecken (antranias/pixabay)

Und so begaben wir uns gemeinsam auf eine kleine Zeitreise in die 1960er Jahre, nach „Niersbeck“ und „Kattendonk“, damals ein großes Dorf, mitten hinein in das verschlungene Gässchen-Labyrinth  mit den gepachteten Kirchgärten hinter hohen Heckenwänden, morschen Holztüren und rostigen „Törchen“, krochen durch das Loch in der Eibenhecke auf den verfallenen, längst eingeebneten alten Friedhof, von dem nur noch wenige Reste übrig sind (wohl aber der Straßenname „Am alten Friedhof“), saßen in den warmen, dunklen Wohnzimmern meiner Großtanten, betraten die ehrwürdigen alten Schulgebäude und schlenderten durch den riesigen wilden Park der Klosterschule, den es bis auf einige der alten Bäume heute nicht mehr gibt.

Elfenreigen an der Wand (BFL)

Dass uns die strengen und damals noch schwarz-gewandeten Ordensschwestern mit ihren wehenden Schleiern stark an die Lehrerschaft von Harry Potter erinnerten (sie konnten eindeutig auch apparieren und disapparieren, also sich auf magische Weise in Luft auflösen und an anderen Stellen plötzlich wieder auftauchen), konnten die Kinder wahrscheinlich kaum nachvollziehen, denn die Atmosphäre der alten und neuen Gebäude ist heute so gänzlich anders. Alles ist bunt, modern, offen, entspannt und quicklebendig, und die Kinder wirken sehr viel selbstsicherer und redegewandter als wir damals. Niemals hätten wir in kleinen Gruppen so munter im Flur „herumlungern“ dürfen, wurden wir doch am Anfang meiner Schulzeit sogar noch von einer gewissen Ordensschwester wie eine kichernde Gänseschar unter lautem Händeklatschen aus dem Park in die Aula getrieben und dort eingeschlossen, sobald sich zwischen den Bäumen Handwerker oder Gärtner zeigten. Die Gärtner und Handwerker hatten übrigens vor der gewissen Schwester einen Heidenrespekt. („Und getzt sofort rein, Mädchen! Es sind Männer im Park! Augen geradeaus!“)

Zu meiner Schulzeit gab es nicht mal Jungen an der Schule, und bis 1969 durften wir Mädchen keine langen Hosen tragen. Höchstens die blöden häßlichen Lastexhosen mit Reißverschluß an der Seite, unbedingt! Die Kinder staunten nicht schlecht. Und wir trugen sie auch nur auf dem Schulweg, wenn es richtig kalt war im Winter, und zwar ausschließlich unter dem Rock, was zu unschönen und überaus lästigen Stoffwülsten im Taillenbereich führte. Nicht mal Mittelscheitel und offenes Haar waren erlaubt! Als es dann endlich so weit war, erschienen wir am nächsten Tag natürlich alle in Jeans. Eine Erinnerung, bei der mir bis heute das Herz weit wird. Was für ein Tag! Endlich befreit!

Nach der Lesung machte ich auch diesmal eine kleine Tour durch die Flure, auf der Suche nach neuen und vertrauten Ecken. Dabei konnte ich gleich auch die ehemalige Josefshalle im neuem Gewand bestaunen. Früher standen hier Vitrinen mit ausgestopften Tieren und „eingemachten“ Schlangen und Fröschen, es roch intensiv nach Klosterschule und Bohnerwachs, und mit leisen und sehr unterschiedliche Wuuuschs bogen die sonst katzenleisen Schwestern um die Ecke. Die kleinen und großen KünstlerInnen, die jetzt überall die Wände gestalten dürfen, kann ich wirklich nur beneiden. Das hätte mir als Schülerin auch Riesenfreude gemacht (würde es sogar heute noch!). Immerhin war Kunst mein Lieblingsfach und der Zeichensaal für mich der schönste Raum in der gesamten Schule. Unser Paradies war natürlich der Park. Auch meine ehemalige Kunstlehrerin Frau Vogt wäre sicher von den Wandgemälden beeindruckt gewesen. Für die Kinder hatte ich einige der Bilder mitgebracht, die wir damals gemalt haben. Merkwürdige Themen fielen Frau Vogt ein, etwa „Verbrecherjagd im Treppenhaus“. Bis heute finde ich Stufen und Treppen äußerst schwer zu malen. Als Kind war es eine richtige Qual. Mein Treppen sahen leider eher aus wie Leitern. Natürlich war während der Lesung auch die ganze Zeit meine Freundin Winnie an meiner Seite. Die Kinder fragten nach ihr. Fünf Jahre ist sie nun schon tot, aber in Niersbeck kann man ihr immer noch im Park und auf den Fluren begegnen. Genau wie meinen anderen Freundinnen, die im Buch nicht vorkommen, sehr wohl aber in meinem Leben und in meinen Erinnerungen.

Bevor mein Mann und ich uns auf die Heimfahrt machten, hatte ich Gelegenheit, auch die Kapelle wiederzusehen, die sich ebenfalls stark verändert hatte. Kühl und weiß war sie immer noch, der helle Bogengang sah aus wie früher, auch die schönen Fenster, die warm in der Nachmittagssonne leuchteten, aber in der Kapelle sind Altar und Bänke jetzt anders arrangiert.

In der Nähe von Maria dufteten aber immer noch ganz vertraut die Lilien. In Gedanken spürte ich den harten Zeigefinger von Schwester Maria „Theosopha“ (sie hieß in Wirklichkeit anders) im Rücken. Sie mochte es gar nicht, wenn wir in der Kapelle flüsterten (schwätzten), husteten oder uns auch nur bewegten (zappelten), taten wir es doch, bohrte sie uns unbarmherzig ihren rechten Zeigefinger zwischen die Schulterblätter, wenn man das Pech hatten, genau vor ihr zu sitzen. Das versuchten wir daher auch tunlichst zu vermeiden.

Wie gut, dass die Schulen in NRW erst ab morgen geschlossen sein werden und meine Lesung gerade noch stattfinden konnte. Mit vielen frischen Eindrücken und noch mehr Erinnerungen kehrte ich zurück nach Köln.

Der kühle Bogengang neben der Kapelle (BFL)

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Hochsensible Angst trifft Corona (2)

Angst (Alexandra Gorn/unsplash)

Seit meinem letzten Beitrag hat sich leider eine Menge getan. Es geht meiner Angst nicht gut. Sie tut mir leid, und ich fühle mit ihr. Wir haben Probleme, weil sie sich chronisch überschwemmt fühlt, und leider ist im Moment noch kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Wie soll sie es schaffen, in Coronazeiten entspannt zu bleiben? In Köln ist die lit.cologne abgesagt worden, in Leipzig die Buchmesse. Veranstaltungen mit mehr als tausend Personen sind in Deutschland verboten. Schulen und Kitas schließen in vielen Orten, Krankenhäuser schränken Besuche stark ein, die Uni Köln verschiebt den Semesterstart, in den Drogeriemärkten sind die Desinfektionsmittel innerhalb von Minuten ausverkauft, die ersten wichtigen Medikamente werden knapp, bald vielleicht auch die Krankenhausbetten, es gibt keine Atemschutzmasken mehr, weil irgendwelche Leute (die sie wahrscheinlich nie im Leben brauchen werden) sie stapelweise bunkern, und jetzt fehlen sie dem medizinischen Personal. Die Börsen sind auf Talfahrt, die ersten Fluglinien melden Insolvenz an. Die evangelische Kirche im Rheinland rät, in den Kirchen keine Gesangbücher mehr auszugeben und Liedtexte an die Wand zu projizieren, selbst das Abendmahl soll ausgesetzt werden, die Konfigottesdienste werden wohl ans Ende des Jahres verlegt. Sorge und Unruhe überall. (In Australien haben sich übrigens vor ein paar Tagen drei Frauen kreischend um eine Klopapierrolle geprügelt und mussten mit Gewalt getrennt werden. Das fanden wir beide lustig.)

Nebenbei läßt die Klimakatastrophe grüßen, was auch unruhig macht. Der letzte Winter war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, der nächste Sommer wird höchstwahrscheinlich genauso qualvoll wie der letzte. Our House is on Fire. Because it is.

Corona trifft Westminster (Hello I’m Nick/unsplash)

Unsicher blickt meine Angst in die Welt. Überall ernste Mienen. Möglicherweise haben es auch die Journalisten nicht leicht im Moment. Irgendwie müssen sie es schaffen, informativ und sachlich zu bleiben. In den Talk Shows geht es hoch her, und nach den Diskussionsrunden ist man noch verwirrter als zuvor. Meist schalte ich ab, es sei denn der ruhige und kundige Prof. Drosten ist dabei (er hat übrigens einen eigenen NDR-Podcast, den ich nur empfehlen kann). Ich habe mich auch schon gefragt, ob ich nicht ganz aufhören soll, mir die Nachrichten anzusehen oder meine geliebte „New York Times“ zu lesen. Ich habe mich mit der Angst beraten, und die Antwort ist NEIN. Wir möchten weiterhin gut informiert sein, doch ich habe ihr versprochen, (noch) mehr Rücksicht auf sie zu nehmen und uns die Quellen (noch) sorgsamer aussuchen. Ich möchte wissen, was um mich herum passiert!

Über den Wolken (Sacha Verheij/unsplash)

Ich sitze auch im Flugzeug am liebsten am Fenster und schaue mir die Landschaften und Wolken an, die wir überfliegen, obwohl ich das Flugzeug nicht selbst steuere und keinen Einfluss darauf habe, wie die Landung wird, wie wir aus den Turbulenzen herausfinden oder ob wir in einen Orkan geraten. (Nein, ich habe keine Flugangst, das ist so ungefähr die einzige Phobie, die in meiner eindrucksvollen Sammlung noch fehlt. Aber wenn ich nicht am Fenster sitze, geht es mir gar nicht gut.) „Blind fliegen“ funktioniert bei mir nicht, und „blind leben“ auch nicht. Ich muss sehen und wissen, wo ich mich befinde.

Aber was ist denn jetzt mit Corona? fragt die Angst. Der wortgewaltigste Präsident aller Zeiten mit dem (nach eigener Einschätzung) höchsten IQ der Welt hielt die neue Seuche bis vor kurzem noch für einen „Hoax“, eine Erfindung der Demokraten oder der Chinesen (was ihn hoffentlich bald viele  Wählerstimmen kosten wird!). Aber als absoluter Fachmann, was das Corona-Thema betrifft (ebenfalls nach eigner Selbsteinschätzung), hat er in seiner großen Weisheit gestern beschlossen, ab sofort keine Europäer mehr in die USA zu lassen, weil die ja besonders infektiös sind. Bis auf Briten, aber die sind ja keine Europäer (mehr) und haben außerdem Boris Johnson (Great guy, good friend of mine!). Und das („ausländische“!) Virus „will go away“. Übrigens finde ich diesen Einreisestopp gar nicht so schlimm, denn die USA haben ja noch nicht mal genug Testkits! (Aber das ist nur Barack Obama schuld.) Ganz in unserer Nähe versinkt Italien gerade im Chaos, und meine Angst fragt, ob uns das wohl auch noch droht. Wahrscheinlich nicht. Hoffentlich nicht. Aber wer weiß das schon? „Ruhig, ganz ruhig!“, würde Karlsson vom Dach jetzt sagen. Vor Karlsson vom Dach hat meine Angst Respekt, denn sie findet ihn toll. Wohl weil er so angstfrei und durch nichts zu erschüttern ist. Aber ein bisschen erinnert er mich allerdings an den Präsidenten mit dem höchsten IQ aller Zeiten. Doch davon will sie nichts hören.

Ich bin nicht allein mit meiner Angst. Viele Menschen fürchten sich vor der „neuen Naturkatastrophe“. Verständlich. Die WHO wertet die Ausbreitung des Coronavirus (Stand vom 11.3.2020, gerade als ich anfing, diesen Beitrag zu schreiben) inzwischen als Pandemie. Der WHO-Generaldirektor äußerte, er sei tief besorgt über das „alarmierende Niveau der Untätigkeit“ im Kampf gegen das Virus. Was genau er damit meint, erläuterte er nicht. Aber es klang irgendwie schlimm, und meine Angst zuckte sofort schmerzhaft zusammen. Wie soll ich sie nach so was wieder ruhig kriegen?

Neues an der Wand (BFL)

Inzwischen gibt es etwa 120.000 Fälle in 114 Ländern (aber das war vorgestern, ich sitze schon seit drei Tagen an diesem Beitrag, allerdings nicht ununterbrochen, auch wenn es sich so anfühlt). Wahrscheinlich werden es immer mehr, während ich hier still schreibe und versuche, nicht dauernd die Statistiken zu checken (wozu die Angst leider tendiert). Ich messe mir schließlich auch nicht alle fünf Minuten den Blutdruck, tadele ich sie, weil ich weiß, dass das nichts bringt und die Messwerte dadurch nur verfälscht werden. Aber über 4.200 Menschen sind bereits an der Erkrankung gestorben. Hier in Köln gibt es (wieder nur Stand vom 11.3.) auch schon 54 Krankheitsfälle (leider sind es heute 15 mehr, aber das weiß die Angst noch nicht), und 164 Kölner befanden sich vorgestern in Quarantäne. Mit sichtbaren Konsequenzen: In der VHS hingen gestern morgen überall Zettel an den Wänden, und eine Frau in der Bahn trug Mundschutz. Bei all den Zahlen bin ich im Moment fast dankbar dafür, dass ich Dyskalkulie habe und die Zahlen eh sofort wieder vergesse.

In Köln bleibt die Lanxess Arena bis auf weiteres zu, der Circus Roncalli gibt keine Vorstellungen mehr, und die KVB öffnet jetzt an allen Haltestellen automatisch sämtliche Türen, damit man nicht mehr mit dem Finger auf den Halteknopf drücken muss. Gern fahre ich im Moment nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich versuche, möglichst meine Jackenärmel einzusetzen und nicht meine Hände. Manchmal muss ich allerdings über die Angst grinsen. So schrillte mein hochsensibles Alarmsystem vorgestern schon los, als wir mit dem Auto (!) an Heinsberg vorbei fuhren. Soweit ist es schon gekommen!

zartblaue (Vogelgrippe)Viren (CDC/unsplash)

Als wenn das alles nicht schon genug wäre, rauscht auch immer noch die Influenza-Welle durchs Land, nach der aber irgendwie kein Hahn kräht. Schnupfen, Grippe, grippaler Infekt, echte Virusgrippe, alles dasselbe. Oder? „Die Grippe“ bringt keinen mehr aus der Ruhe, dabei wurden bis zum 6. März in Deutschland 145.258 labordiagnostisch bestätigte Influenzafälle an das Robert Koch-Institut übermittelt, davon waren immerhin 23.276 so schwer krank, dass sie ins Krankenhaus mussten, und 247 Menschen sind bisher daran gestorben (Stand gestern, 11.3.) Aber gegen Influenza kann man sich auch jetzt noch impfen lassen. Zum Glück.

Und was passiert, wenn COVID-19 und Influenza aufeinanderprallen? Genau das versucht man gerade zu vermeiden. Daher auch die vielen Vorsichtsmaßnahmen. Noch haben wir einen kleinen Zeitvorsprung. Und wir haben im Vergleich zu anderen Ländern auch recht viele Intensivbetten und schon sehr früh angefangen zu testen. Gegen die echte Virusgrippe bin ich geimpft, und hoffe, dass mein Körper nach all den vielen Impfungen gelernt hat, zumindest diese Viren zuverlässig zu erkennen.

In meiner Familie (übrigens lauter Ärzte) sind alle gegen Influenza geimpft. Sogar unsere Enkel, von Opa höchstpersönlich. Das erledigen wir traditionell an Halloween, nach dem Hauptgang und vor dem Nachtisch. Bei uns gibt es nicht nur „Trick or Treat“, sondern auch „Prick and Treat.“ Tut mir leid, aber für Impfgegner (komischerweise ein rein deutsches Phänomen) habe ich wenig Verständnis. Ich hatte die Grippe schon zweimal und weiß nur, dass ich das auf keinen Fall noch mal durchmachen möchte.

Gegen die neuen Coronaviren gibt es leider (noch) keine Impfung, aber ich wäre bestimmt eine der ersten, die begeistert den Arm hinhalten würde. Ich habe mich seinerzeit auch sofort gegen die Schweinegrippe impfen lassen, als es den Impfstoff gab. Zum Glück verlief die Schweinegrippe glimpflich, was aber zu dem Zeitpunkt noch nicht vorherzusehen war. Gut für die Bevölkerung, Pech für das NRW-Gesundheitsministerium, das vorsorglich genügend Impfdosen zum Schutz der Bevölkerung bestellt hatte. Damals (und leider auch heute noch) hat man das hier nur als Geldverschwendung gegeißelt. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Schweinegrippe damals so explodiert wäre wie gerade Covid-19 und dann nicht genug Impfstoff zur Verfügung gestanden hätte! Sollte der  Corona-Impfstoff zufällig erst fertig werden, wenn die Pandemie bereits abgeflaut ist, wird man ihn wahrscheinlich genauso vernichten müssen wie damals den gegen die Schweinegrippe.

Man kann und sollte sich auch immer noch schnell gegen Pneumokokken impfen lassen. Allerdings wird der Impfstoff knapp.

Angstkind (ambermb/pixabay)

Die Schlagzeile „70% der Deutschen werden Corona bekommen!“, die gerade viele aufschreckte, bedeutet eigentlich nur: Bevor die Pandemie abklingt (wann immer das sein mag), muss ein Großteil der Bevölkerung Kontakt mit den Coronaviren gehabt haben (und dadurch immun werden). Die Katastrophenmeldungen werden uns weiter anspringen. Meine Angst reagiert empfindlich, was ich ihr kaum verübeln kann, und gelegentlich reagiert sie echt über, und dann muss ich ihr helfen. Mit Ablenkung, guten Worten, Eisklümpchen und anderen  bewährten „Beruhigungsmitteln“. Ich vertraue weiterhin der Seite des Robert Koch-Instituts, dem Podcast von Prof. Drosten und der „New York Times“. Tagsüber hält sich die Angst wacker und achtet darauf,  dass ich mir sorgfältig die Hände wasche. Mit Wasser und Seife. Die empfindliche Lipid-Hülle der Coronaviren löst sich nämlich bei Kontakt mit Seife auf! Dazu braucht es gar kein Desinfektionsmittel auf der Haut.

Seifenfreude (thomas despeyroux/unsplash)

Nachts erwischt es mich aber dann doch ab und zu. Schlafstörungen und Alpträume (auch mit maskentragenden Wesen und Krankenhäusern). Die Schreckensbilder des Tages wecken offenbar Urängste. Manchmal habe ich den Eindruck, dass mir die vererbten Lazarett- und Kriegsbilder meines Vaters im Kopf herum spuken. Es reicht schon, wenn ich das Wort Lazarett nur in der Zeitung lese.

Wenn Stress, Sorge und Angst massiv und gleichzeitig auftreten, sind diese Reaktionen bei angstanfälligen Menschen wohl ganz normal.  Erst recht in unruhigen Pandemie-Zeiten, wenn man neben der eigenen Angst und dem eigenen Stress auch noch die fremde Angst und Panik (ungewollt) massiv mitfühlt. Das weckt in mir Erinnerungen an meine schweren Panikanfälle als Kind, wenn meine traumatisierten Eltern Probleme hatten, von denen ich damals nicht mal etwas wußte! Für fremde Angst und fremden Stress besitzen viele hochsensible Menschen offenbar einen doppelten Verstärker in ihrer inneren Alarmanlage. Er läßt sich kaum regulieren, daher muss man (möglichst ruhig) abwarten, bis sich alles wieder einpendelt.

„Keep calm and wash your hands“ klebt weiter tröstlich über meinem Schreibtisch. Ich versuche möglichst ruhig, alles zu tun, was ich tun kann: mir häufig die Hände zu waschen, mein Gesicht möglichst nicht zu berühren, keine Hände zu schütteln, in die Armbeuge zu niesen oder zu husten, Abstand zu halten, eher mal zu Hause zu bleiben, nett zu mir selbst zu sein und meiner Angst beruhigend und verständnisvoll zuzureden. Besonders nachts. Meistens bekrabbeln wir uns schnell wieder. Wir haben es schwer miteinander, aber wir haben schon schlimmere Krisen überstanden.

Also: „Keep calm and carry on!“ Oder, mit Karlsson vom Dach: „Ruhig, ganz ruhig!“  Oder auch: „Wir schaffen das!“ Because we will.

Seifentrost (monika1607)

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Hochsensible Angst trifft Corona

Eigentlich ganz hübsch….  (Matthewafflecat/pixabay)

Im Moment ist es nicht nur für ängstliche Menschen sehr schwer, ruhig und gelassen zu bleiben, wenn sie die Zeitung aufschlagen, den Fernseher anschalten, aufs Handy  schauen oder die Radionachrichten hören. Oder wenn sie versuchen, panische Familienmitglieder und FreundInnen zu beruhigen oder verunsicherten Kindern die derzeitige Weltgesundheitslage zu erklären. Als Schriftstellerin und „Angstexpertin“ versuche ich, das Ganze positiv zu sehen: Gerade jetzt bietet mir die Angst wieder mal eine hervorragende Gelegenheit, sie unmittelbar und hautnah zu erforschen. Bei mir selbst und bei anderen.

Vielleicht sollte ich ein zweites Angstbuch schreiben, denn Corona, Klimawandel, Rechtsruck, skrupellose Politiker, Fake News und globale Weltuntergangsstimmung kamen in „Hasenherz und Sorgenketten“ nicht vor. Und wieder wird mir klar: Der Angst muss man zuhören, um sie erfolgreich beruhigen zu können. Es bringt nichts, sich von ihr überwältigen und mitreißen zu lassen, ihr blind zu folgen, wenn sie außer Kontrolle gerät, oder sie verächtlich niederzumachen, wenn sie einen quält, sie schönzureden, weil sie einem peinlich ist, sie zu verdrängen oder zu leugnen, weil sie einem lästig ist oder nicht ins eigene Weltbild paßt, oder sie zu verteufeln, aus welchem Grund auch immer.

Angst ist kein Stigma, keine Schwäche, keine Schande und auch keine „Seuche“, die schlimmer ist als die schlimmsten Viren, wie eine Tageszeitung es gestern ausdrückte. Klar ist Angst ansteckend! Aber das sind Gähnen und Lachen auch. Teil der Massenpanik wird die eigene Angst erst, wenn man zulässt, dass sie sich gemeinsam mit fremden Ängsten zur Stampede hochputscht. Angst ist nichts Abstraktes. Sie gehört zu uns wie das Atmen. Wenn man Glück hat, kann die unheimliche „Lady Angst“ sogar zur Freundin oder Schwester werden. Wenn man sich freundlich auf sie einlässt und sie Vertrauen fasst, kann man durchaus mit ihr reden. Dann ist sie auch bereit zu Kompromissen, gibt sich mit dem Vereinbarten (einigermaßen) zufrieden und lässt einen (mehr oder weniger) in Ruhe. Sie versucht es zumindest. Aber manchmal muss man sie eben auch eine Weile an die Hand nehmen und ihr gut zureden wie einem verstörten Kind. Zum Beispiel in Zeiten der Pandemie.

Gefühlte Bedrohung (freakwave/pixabay)

Es ist schrecklich bis unerträglich, wenn man als Angstmensch nachts im Bett liegt, die Horror-Bilder des Tages ungewollt an einem vorüberziehen und schließlich auch noch das Kopfkino mit all seinen Katastrophenszenen anspringt, daher sollte man zur Prophylaxe rechtzeitig einige Gegenmittel zur Hand haben. Meine Angst macht mir im Moment leider beträchtlich zu schaffen, weil ich ja schon in normalen Zeiten eine ausgewachsene Krankenhausphobie habe und nicht mal Filme mit dem Bergdoktor ertrage! Und dann diese Seuchenbilder jeden Tag!!!! Wenn ich das dräuende Nachttheater abwenden oder eindämmen will, muss ich mich daher nachhaltig um meine Angst kümmern.

Ein gutes (wenn auch etwas zeitaufwendiges) Mittel habe ich gefunden: Ich gönne uns möglichst zweimal am Tag eine halbe Therapiestunde mit der beruhigenden Stimme von Dr. Martin L. Rossman („Guided Imagery“). Von ihm gibt es CDs und Bücher sowohl gegen Stress als auch gegen Angst, und die Entspannungs- und Visualisierungsübungen (innere Bilder haben mir auch in der Therapie immer sehr geholfen) beruhigen meine Angst auch, wenn uns beiden nachts das Herz bis zum Hals schlägt und wir liebend gern endlich wieder einschlafen möchten. Die schlimmen Zeitungs- und Fernsehbilder schaffen es im Moment oft bis in meine Träume, und nachts war meine Angst schon immer besonders anfällig und trostbedürftig. Bevor sie also anfängt, völlig aus dem Ruder zu laufen und mir körperliche Beschwerden zu machen, erkundige ich mich erfahrungsgemäß am besten liebevoll nach ihren Bedürfnissen.

Problempunkt eins: Alice (BFL)

Die Liste – Das kennt sie schon, und bisher hat es immer geholfen. Ich nehme sie in den Arm und frage: „Was macht dir denn eigentlich am meisten zu schaffen? Lass uns mal eine Liste schreiben. Du sagst mir deine drei wichtigsten Probleme, und die gehen wir dann gemeinsam an. Ich komm dir entgegen, und du beruhigst dich wieder.“  Wie üblich hat sie mich auch diesmal verblüfft. Schon komisch, was meiner Angst bei Sars-CoV-2 (wer denkt sich bloß diese bescheuerten komplizierten politisch korrekten Namen aus, um nur ja kein Land und keine Tierart zu beleidigen?) die größte Furcht bereitet. Nicht etwa das Virus oder die Krankheit. Nein, Problempunkt eins ist die Katze! Alice könnte unversorgt bleiben, wenn ich erkranke und unheimliche Maskierte in Schutzanzügen mich in die Isolierstation verfrachten. Oder wenn mitten in der Quarantäne das Katzenfutter ausgeht. Oder wenn es plötzlich gar kein Katzenfutter mehr gibt, wenn Supermärkte und Futterhäuser schließen, weil sämtliche Mitarbeiter erkrankt oder in Quarantäne sind. Oder weil andere Katzenhalter alles leer gekauft haben. Es sprudelt nur so aus ihr heraus. „Katzenstreu hätten wir dann auch keins mehr!“ Bei der Vorstellung muss ich grinsen. Das wäre in der Tat übel. Aber das läßt sich ja ändern. Noch.

Das Riesenpaket (BFL)

Das Paket – Gemeinsam mit meinem kopfschüttelnden Mann schleppte ich noch am selben Tag eine Tasche voll Katzenfutter und fünf Säcke Katzenstreu an. Die stehen jetzt in unserer Garage. Zudem bestellte ich (heimlich, nur im Beisein von Alice und der Angst) im Internet ein Riesenpaket Katzenfutter. Wirklich ein Riesenpaket! Wahrscheinlich hat meine alte Alice damit für den Rest ihres Lebens ausgesorgt. Zum Glück ist der Inhalt bis Ende 2022 haltbar. Beunruhigend (für die Angst) war nur, dass GLS das Paket eine Woche lang nicht lieferte. Vielleicht weil es 24 Kilo wog? Der Angst ging gleich wieder die Fantasie durch. Hatte das Virus den GLS-Fahrer erwischt, in dessen Transportfahrzeug sich unser Paket befand? Täglich kamen Mails mit neuen Zustellterminen. „Sars ist überall“, kreischte die Angst hysterisch. „Immer mit der Ruhe,“ sagte ich, „das kommt schon noch.“ Ich hatte Recht. Heute morgen kam das Paket. Es war so schwer, dass der Bote es kaum tragen konnte. Mein Mann stand entgeistert auf der Treppe und meinte „So groß hatte ich mir das jetzt nicht vorgestellt.“ Ich hatte ihn (selbstverständlich) vorab über Größe und Gewicht des Pakets informiert, hätte ja sein können, dass er es zufällig hätte annehmen müssen. Offenbar hat er mir mal wieder nicht geglaubt. Ich übertreibe selten, aber das lernt er nie. „Du spinnst!“, meinte er. „Aber ich liebe dich trotzdem.“ Ein Glück.

Dummerweise quält sich meine Angst schon mit einer neuen unerwarteten Sorge: Die Viren könnten Haustiere befallen! Sie hat noch eine Horrormeldung entdeckt: „Erster Hund infiziert!“ „Und die Viren stammen ja von Tieren“, erklärt sie. Stimmt. Höchstwahrscheinlich von Fledermäusen, und auf dem Weg zu uns war offenbar eine Schleichkatzenart (der sogenannte Larvenroller!) der Zwischenwirt. Bis vor kurzem wussten weder meine Angst noch ich, dass es dieses Vieh überhaupt gibt. Eigentlich ganz sympathisch mit seiner dunklen Gesichtsmaske, wenn man denn ausblendet, welch üblen Gast er zwischenbewirtet. Apropos Gesichtsmaske: Die standen zu meiner Verwunderung nicht auf der Liste meiner Angst. Fiel mir gleich auf, daher hakte ich nach.

Mundschutz (Ani Kolleshi/unsplash)

„Soll ich auch Atemschutzmasken kaufen?“ Die Angst winkte verlegen ab. „Lieber nicht.“ Also kaufte ich keine, obwohl mein hochsensibles Alarmsystem mich bereits auf diese Möglichkeit aufmerksam machte, als  die Dinger noch haufenweise in den Apotheken lagen und von Hamsterkäufen keine Rede war. Jetzt sind sie nicht mehr lieferbar. Pech. Etliche Bekannte haben inzwischen eindrucksvolle Vorräte gebunkert und berichten stolz davon. Aber meine Angst kriegt unter so was Panikattacken, weil die Dinger ihr Klaustrophobie machen. „Außerdem sind sie nach 20 Minuten von der eigenen Atemluft so feucht, dass sie gar keine Viren mehr abhalten.“ Manchmal klingt sie geradezu vernünftig. Natürlich nur, wenn ihr Vernunft in den Kram passt. Das mit der feuchten Atemluft haben wir in der Zeitung gelesen und auch vom Arzt unseres Vertrauens bestätigt gehört. (Wir sind mit einem Virologen verheiratet.) „Man darf Atemschutzmasken auf keinen Fall anfassen und muss sie dauernd durch frische ersetzen. So viele hat kein Mensch“, doziert die Angst. „Außerdem sollten sie in Zeiten wie diesen dem medizinischem Personal vorbehalten sein, sonst geht denen am Ende der Atemschutz aus. Ohnehin dienen sie mehr dem Schutz der anderen als dem eigenen.“ Erst zum Schluss kommt die Wahrheit ans Licht. „Mich erinnern sie sofort an Zahnarzt“, gesteht die Angst. „Und das macht mich fertig.“ Kann ich verstehen. In Gedanken seh ich uns gleich wieder zusammen verspannt und verkrallt im Behandlungsstuhl sitzen. Das machen wir immer. Zahnarztphobie. Leider. Die Angst verzieht schmerzlich ihr Gesicht. Ich auch.

Punkt zwei auf der Liste waren Medikamente. Fand ich vernünftig. Daher begab ich mich mit den nötigen Rezepten und viel Geld zur Apotheke und deckte mich mit allem ein, was mein Mann, Alice, und ich für mindestens einen Monat brauchen. Für die Angst hab ich auch was geholt. Falls sie Panik bekommen sollte. „Du denkst wirklich an alles“, seufzte sie dankbar, und danach ging es ihr gleich besser. Fehlte also nur noch Punkt drei mit seinen diversen Unterpunkten.

Punkt drei waren Lebensmittel. „Aber übertreib bitte nicht“, sagte ich, „Wirklich nur ein paar Sachen. Wir haben echt genug Vorräte im Spind.“ Die Angst sah das ein, verlangte aber unbedingt mehr Schwarzbrot (hält ewig und lässt sich einfrieren), also kaufte ich vier Pakete, das müsste eigentlich reichen, eine weitere Riesenpackung Teebeutel (original englisch, unbedingt). Dazu noch etliche Behälter H-Milch, Philadelphia Käste und, zu meiner Verwunderung, eine ordentliche Ladung Almased. „Kann man notfalls sogar mit Wasser verdünnen und gut als vollständige Mahlzeit verwenden“, rechtfertigte sich die Angst. „Und dann auch noch Nudeln und Schokolade.“ Genug Nudeln haben wir, das konnte ich ihr ausreden, aber bei Schokolade hatte sie Recht. Ist ein gutes Angstberuhigungsmittel und wirklich sehr lecker. Kann man nie genug von haben. Der Riesenvorrat lagert in meinem Nachttisch. Wir ergatterten dabei auch gleich noch die letzte Packung Klopapier („Durchfall kommt bei Corona ziemlich oft vor“, behauptet die Angst), und das Regal war tatsächlich komplett leer gekauft. Seitdem ist meine Angst zufrieden und hält die Klappe, was Hamsterkäufe betrifft. Aber das war ja auch der Deal, die drei wichtigsten Punkte auf der Liste sind schließlich abgehakt. Fragt sich nur, wie lange die Ruhe anhält. Ich kenne ja meine Angst schon seit über einem halben Jahrhundert. Also echt lange.

Entspannen mit Steinen  (zdenek machacek/unsplash)

Sie bekam dann tatsächlich einen mäßigen Rückfall, als die ersten Corona-Fälle hier in Köln auftraten. „Das kommt mir jetzt aber doch irgendwie zu nah“, murmelte sie unruhig und sah gar nicht gut aus.“ Kannst du vielleicht noch was für mich tun?“ „Und was wäre das?“ „Desinfektionsmittel!“ „Oh Mann, warum hast du das nicht früher gesagt? Das ist jetzt echt schwierig. Morgen ist Sonntag, da sind die Läden zu. Und ich hab keine Lust, heute noch deswegen nach Köln rein zu fahren. Dazu müssten wir dann ja auch die Bahn nehmen. Also akute Virengefahr.“ Das konnte ich mir nicht verkneifen, denn ich war sauer (und faul). „Kannst du nicht wenigstens mal gucken?“ nervte sie weiter. „Nur gucken!“ Okay. Gucken ging. Ich versuchte es. Mein Mann auch. Aber Gucken war nicht. In sämtlichen Läden hier im Viertel (viele sind es zum Glück nicht) war das Zeug total ausverkauft. Wie erwartet. Derzeit nicht lieferbar. Liefertermin unbekannt. Die Angst wurde ob dieser Nachricht noch bleicher. „Vielleicht im Internet?“ Bei amazon genau dasselbe. Nur bei ebay gab es das Zeug noch. Ich verschob die Angelegenheit trotzdem auf Sonntag, weil mir das Ganze einfach zu blöd war. Aber nachts gab die Angst wieder mal keine Ruhe. „Bitte probier es noch mal! Sonst schleppt uns hier jemand die Viren rein! Aber es muss unbedingt viruzid sein. Und dann musst du sofort alle Klinken damit abwaschen.“ Hat sie auch wieder irgendwo gelesen. Sie liest eine Menge, weil sie ständig neben mir sitzt oder mir über die Schulter schaut. Manchmal liest sie auch zwischen den Zeilen und durch die Blume.

Sonntagmorgen, als mein Mann in der Kirche war („Hoffentlich schüttelt er da keinem die Hand!“ kommentierte die Angst besorgt.) und keiner uns beobachtete (außer Alice), hockten wir wieder vor dem Computer. Die Angst war reichlich aufgeregt. Das Zeug war bei ebay zwar extrem überteuert, aber was macht man nicht alles für seine Angst, vor allem, wenn sie plötzlich anfängt, wie Espenlaub zu zittern. „Sollen wir jetzt bieten oder was?“ „Bloß nicht, das dauert viel zu lange.“ „Okay. Wollte ja nur nachfragen.“

Ich war nicht die einzige, die in diesem Moment mit ihrer Angst in den Rechner starrte und scharf auf Desinfektionsmittel war. Bei den ersten Versuchen scheiterte ich kläglich, es blieb mir nicht mal genug Zeit, das angepeilte Mittel in den virtuellen Einkaufswagen zu legen, da war es bereits weggeschnappt. 20 Flaschen von 20 in der letzten Stunde verkauft! Angebot beendet! Langsam wurde auch mir mulmig. Das war in der Tat unheimlich. Erst beim fünften Versuch klappte es endlich, aber auch nur, weil ich Sofortkauf wählte. Ich sah die Angst vorwurfsvoll an. „Du weißt, wie bescheuert das ist. Völlig irrational! Wir wollten doch sparen! Nochmal mach ich das nicht. Das war jetzt wirklich schweineteuer. Außerdem kommt es per Post. Du musst also noch tagelang warten. Und vielleicht ist es auch schon verfallen oder gepantscht.“ „Oh Gott“, jammerte die Angst und fing schon wieder an, sich aufzuregen. „Vielleicht kriegt der Verkäufer ja vorher noch Sars und kann es dann gar nicht mehr schicken.“ Das hätte ich mir besser verkniffen, die Angst wurde ganz grün im Gesicht. Schnell ablenken!

(purpleshorts/pixabay)

Das Wichtigste! (purpleshorts/pixabay)

„Wir haben ja  Seife“, sagte ich. „Seife ist gut, und Händewaschen ist ohnehin das Beste. Besser als Desinfektion, auch für die Haut.“ (Meine Haut ist höchst hochsensibel.) „Aber wir haben keinen Seifenvorrat“, stöhnte die Angst. Allmählich ging sie mir voll auf den Senkel.  „Guck doch mal, ob du hier im Haus noch ein Desinfektionsmittel findest!“ Offenbar war ihr Druck so stark, dass sie sofortige Entlastung brauchte. „Aber dann ist wirklich Schluss!“ Das war mein voller Ernst, denn ich hatte noch anderes vor an diesem Tag, und das spürte sie natürlich, denn sie kennt mich ja genauso gut wie ich sie. „Versprochen! Ehrenwort!“ Also suchte ich, während sie hinter mir stand und nervös zitterte.

In irgendeinem Schrank in den Tiefen des Hauses wurde ich tatsächlich fündig, nachdem ich mir stundenlang fluchend einen Wolf gesucht und alles in Unordnung gebracht hatte. Ich fand sogar zwei Mittel. Beide schon ewig verfallen. Seit 2007. Aber sie waren mal viruzid, wie wir auf dem Etikett lesen konnten. „Besser als nichts!“ stöhnte die Angst. „Da ist ja vor allem Alkohol drin, der wird nicht schlecht, und den überleben die Viren dann vielleicht nicht.“ Jetzt reichte es mir endgültig. „Viren können gar nicht überleben“, wies ich sie zurecht, „die sind nämlich überhaupt nicht lebendig. Die sind irgendwas zwischen lebendig und tot. Nur verpacktes Genmaterial mit einer blöden Lipidhülle drum.“ Die Angst war nicht amused. „So was wie Zombies etwa?“ „Genau. So was wie Zombies!“ Manchmal kann ich erstaunlich hart sein. Man muss mich nur lang genug nerven. Danach hielt die Angst vor Schreck den ganzen Nachmittag den Mund.

Entspannen mit Seife (silviarita/pixabay)

Eigentlich halten wir uns wirklich wacker. Aber als ängstliche Hochsensible mit Neigung zu Angststörungen und Panikattacken kann man sich noch so tapfer gegen die Flut der Sätze und Bilder stemmen, irgendwann erwischt es die arme Angst doch wieder. Wenn es nicht unheimliche Desinfektionsmittel-Sprayer (sehen die nicht aus wie seelenlose Aliens oder Roboter?) oder zum Bersten volle Intensivstationen sind (vom Erschrecken über Flüchtlingsströme, hungernde Kinder, grausame Kriegsszenen, bildgewaltige Erinnerungen an KZs und Bomben auf Köln, Heuschreckenplagen in Ostafrika und schmelzende Polen ganz zu schweigen), verliert die Angst regelmäßig die Fassung, wenn sie die widersprüchlichen Meldungsfluten liest. (Ähnlich wie bei „Teile meiner Antwort könnten die Bevölkerung verunsichern.“)

Kein Grund zur Panik“ steht gleich neben „Coronavirus zehnmal so tödlich wie Influenza“ und „Minister sieht keinen Anlass für Hamsterkäufe“ direkt über „Diese Notvorräte empfiehlt die Bundesregierung“ (mit langer Liste). Unsere zaghafte Hoffnung „Es wird mich schon nicht erwischen“ zerschmettert schnell an Schlagzeilen wie „Tödliche Seuche auf dem Vormarsch“, „Virologe sicher: 70 Prozent der Deutschen bekommen das Virus“. „Außerdem sind die Louvre-Mitarbeiter im Corona-Streik“, sagt meine bestens informierte Angst. „Und der Papst hat bei seinem letzten Auftritt ganz schrecklich gehustet, dabei hat er nur noch eine Lunge, hoffentlich stirbt er jetzt nicht, und in Italien werden ab sofort keine Gottesdienste mehr gefeiert! In Italien! Also muss das echt schlimm sein! Und im Dom bleiben die Weihwasserbecken leer, und im Fernsehen gibt es eine Sondersendung zum Virus nach der anderen.“ Jetzt geht die Litanei schon wieder los! „Und Schweine haben Flügel“, sage ich trocken. „Hör endlich auf mit dem Mist.“ Tut sie aber nicht.

„Gestern stand da noch: Zahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland hat sich seit Freitag mehr als verdoppelt“, jammert sie. „117 nachgewiesene Infektionen in Deutschland stand da. Heute sind es schon 150!“ (Kleiner Nachtrag: heute sind es mehr als 170, und das hat sie leider auch schon wieder mitgelesen.) Sie starrt aufs Handy und liest laut vor: „Das Coronavirus SARS-CoV-2 breitet sich rasant aus. In Italien schnellt die Zahl der Toten nach oben. Robert-Koch-Institut und EU haben Risiko-Einschätzung angehoben. Wie soll ich da ruhig bleiben?“ „Influenza ist viel schlimmer“ sage ich, um sie zu beruhigen, auch wenn ich es besser weiß, denn es ist schließlich ein neues Virus. „Und dagegen sind wir geimpft. Sogar gegen Pneumokokken und Gürtelrose, nur weil du das wolltest. Mehr kann ich wirklich nicht tun.“ Die Angst sieht mich schuldbewußt an. „Ich mein ja auch nur.“ Die arme Angst.

„Weißt du was“, schlage ich vor, „Wir machen uns jetzt einen schönen starken Tee! Dann gucken wir uns ein paar ruhige Bilder an (am besten wirken bei ihr Steine, Strände und Wasser), und dann legen wir uns auf die Couch.“ Mit der wohltönende Stimme von Dr. Martin L. Rossman im Ohr. Er spricht Amerikanisch mit uns, und das allein wirkt Wunder. Selbst bei der Angst. Sie ist genau wie ich ziemlich anglophil. Britisches Englisch wäre zwar noch einen Tacken schöner (trotz Brexit), aber wir wollen nicht undankbar sein.

Entspannen mit Strand (Simon Rae/unsplash)

Apropos Englisch: Der Satz „Keep calm and wash your hands“ gehört zu den besten, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Ich habe ihn sofort der Angst gezeigt und auf Facebook geteilt. Besonders gelungen ist das große Stück Seife, das langsam durchs Bild flutscht. Seife ist so wunderbar! Das findet auch die Angst.

„Kannst du nicht noch mehr davon kaufen?“ „Das hatten wir doch schon“, sage ich. „Und Flüssigseife ist momentan ausverkauft, das weißt du doch. Leider auch die mit den Fischen drin.“ Fische findet sie auch gut. „Wir haben vielleicht noch was im Keller“, sagt die Angst. „Oder in der Garage. Da sind ja auch Waschbecken.“ „Weißt du was“, schlage ich vor, „wir laden dir jetzt noch ein paar neue Seifenbilder runter! Die kannst du dann angucken, so lange du willst. Das hilft dir bestimmt. Und jetzt trinken wir erst mal Tee. Und danach machen wir Guided Imagery mit Dr. Martin L. Rossman.“

Es wirkt! Ihr Atem wird ruhiger, sie starrt verzückt auf das Seifenbild und wird langsam tiefenentspannt. Zumindest für den Moment.

Entspannen mit Seife (silviarita/pixabay)

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Die Geister der vergangenen Winter (3)

Schneekätzchen (BFL)

Der schlimmste Winter von allen. Auch als mein Vater starb, lag Schnee. Ungewöhnlich viel Schnee, obwohl der Winter fast vorüber war, doch man konnte bereits die ersten Narzissen kaufen. Einen Strauß stellte ich ihm auf den Tisch in seinem neuen Zimmer. Vor die sonnengelben Vorhänge. Dass mein Vater nur so kurz dort bleiben würde, ahnte ich nicht. Mein Vater lächelte. „Guck mal, wie schön sie leuchten!“ Im Morgenlicht wirkten sie fast wie eine Lampe. Ich schenkte sie ihm wenige Tage, bevor sich unsere Wege trennten, genau wie er es in einem erschreckend lichten Moment vorhersagte. Ich wollte ihm nicht glauben. Das konnte unmöglich sein. Er hatte doch den schönen Wald, der das Heim umgab, noch gar nicht gesehen, auch die zahmen Rehe nicht, auch nicht die riesigen Haselbüsche unten am Weg, auf denen der Schnee lag. Im Frühling würden wir bestimmt gemeinsam die unzähligen Buschwindröschen bewundern, für die der Park so berühmt war.

Die ersten Narzissen (BFL)

Die ersten Narzissen (BFL)

Aber er blieb dabei. Er müsse jetzt gehen. „Glaub es mir, meine Kraft verläßt mich. Ich spüre es genau.“ „Wenn du wirklich gehen musst, kannst du mir dann irgendein Zeichen geben aus der anderen Welt, Papa?“ Er sah mich ernst an. „Ich werde es versuchen, Kind. Wenn es klappt, wirst du es bestimmt merken.“

Am selben Abend noch stürzte er. Doch nicht nur sein Körper stürzte, auch seine Seele stürzte, und drei Tage später war er ganz fort. Und dann stürzte auch ich. In eine bodenlose Stille und Leere. Es gab kein Zeichen. Bis auf den bunten Schmetterling am Morgen nach seinem Tod. Der konnte mich nicht trösten. Das war nur ein merkwürdiger Zufall. Ein flatterndes Tagpfauenauge im Winter. Mitten im Schnee. Es würde erfrieren. Sogar meinen Träumen blieb mein Vater lange fern. Das Band zwischen uns war zerrissen. Zum ersten Mal. Unwiderruflich.

Friedhofsengel (BFL)

Sieben Jahre ist das jetzt her. Sieben lange Jahre! Heute glaube ich oft, kleine Zeichen zu entdecken, doch ich bin mir immer noch nicht sicher. Wenn im Garten die unscheinbare Mönchsgrasmücke singt, und das tut sie zuverlässig, sobald sie mich bemerkt, sogar jetzt im Winter, stelle ich mir vor, mein Vater hätte sie geschickt. Meistens kann ich sie nur hören und nicht sehen, was sich ein klein wenig unheimlich anfühlt. Oder wenn das Rotkehlchen mich ganz nah an sich heranläßt und aus dunklen Augen ansieht. Amica animae meae. Vielleicht ist das alles nur Einbildung. Wunschdenken. Meine Hoffnung, dass es vielleicht doch noch eine Verbindung zwischen uns gibt. Dass es ein anderes Leben gibt, wie immer es auch aussehen mag. Richtig glauben kann ich es nicht.

Mein Robin (BFL)

Im letzten Dezember traf ich ihn unerwartet in einem meiner Träume. Ich stand unten in einem fremden alten Haus, ging zu ihm hinauf, er lebte im oberen Stockwerk, in einem dämmrigen Raum voller Bücherregale. Ich ging vorsichtig darin umher, wir redeten wie zwei, die lange getrennt waren, aber doch sehr vertraut sind, und ich stellte zu meiner Verwunderung fest, dass zwischen vielen der Bücher kleine und große Nester waren. Überall in seinem Zimmer wohnten Vögel, und sogar ein Käuzchen starrte gelb und verschlafen. „Ach“, sagte er. „Das hab ich noch gar nicht bemerkt. Was du alles siehst, Kind!“ Draußen im Garten waren zwei seiner drei Schwestern und kümmerten sich um die Tiere, die dort lebten, Kaninchen, Katzen, Hunde, und mein Vater sah mich an und sagte: „Hier fühl ich mich so wohl, hier könnte ich für immer bleiben.“

In fast all meinen Träumen von Verstorbenen sind die Toten nicht viel älter als 50 und wissen nicht, dass sie nicht mehr leben. So war es auch diesmal. Ich war älter als mein eigener Vater, aber es schien ihm nicht aufzufallen. „Ich atme den ganzen Tag die Natur ein“, sagte mein Vater. „Reine Natur. Klare Luft. Und weißt du was, ich möchte nirgendwo anders sein.“ Ich wollte ihn umarmen, doch gegen meinen Willen zog es mich in diesem Moment heraus aus dem Traum, langsam und unerbittlich wie an einem festen Seil, das um meinen Körper geschlungen war. Ich wollte mich irgendwo festklammern, aber es ging nicht.

Noch in der Nacht schrieb ich den Traum auf, und die Szene ging mir lange nicht aus dem Kopf. Das Glücksgefühl begleitete mich tagelang. Mein geträumtes Trostbild. Ich kann es den verzweifelten Krankenhausszenen, dem kalten Friedhof entgegensetzen. Mein Vater füttert auch in der anderen Welt noch seine Vögel. Sie haben ihn nicht verlassen. Sie sind jetzt so zahm, dass sie sogar in seinem Zimmer zwischen den Büchern nisten. Selbst das Käuzchen. Es geht ihm gut. Er möchte nirgendwo anders sein. Und mit etwas Glück kann ich ihn vielleicht irgendwann wieder besuchen. Ich muss nur das fremde alte Haus wiederfinden.

Käuzchen (ArtTower/pixabay)

Es ist bitterfalsch, dass die Erinnerungen das einzige Paradies sind, aus dem wir nicht vertrieben werden können. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie schnell die Vertreibung gehen kann. Erinnerungen versinken von heute auf morgen, verschwinden, versacken, werden bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und in Fetzen gerissen, lösen sich im Nebel in Nichts auf, verbrennen, verkohlen, verwehen als Rauch im Dunkel. Noch schlimmer ist es, wenn alle rettenden, tröstenden, guten Erinnerungen verloren gehen und am Ende nur die schrecklichen, bösen übrig bleiben. Dann stirbt man als alter Mann mitten im Krieg, der längst vorbei ist, umgeben von mörderischen Feinden und Partisanen, die in Wirklichkeit nur Ärzte, Krankenschwestern und die eigene Tochter sind.

Seine müden Hände (BFL)

Meine eigenen tröstenden Erinnerungen sind zum Glück klar und gegenwärtig. Unvergessen sind unsere langen Spaziergänge, wie oft denke ich daran, besonders im Winter, und wie oft habe ich schon darüber geschrieben. Wir gingen zusammen ins Eulenwäldchen oder hinten in die Felder, und hinter jedem Stamm und jedem Stein warteten geheimnisvolle Wesen und öffneten sich geheimnisvolle Türen und Fenster. All die Geschichten, die ich nur ihm erzählt habe! „Woher nimmt das Kind bloß diese Fantasie?“ Er hörte mir zu. Er ließ mich reden. Er staunte. Er war stolz auf mich. Und die Sätze sprudelten nur so aus mir heraus, auch wenn ich sonst so still war, dass man mich nicht nur überhörte, sondern auch übersah. Draußen in der Natur, zusammen mit ihm, hatte ich keine Angst vor meiner ausufernden Fantasie, die mich so oft um den Schlaf und um meine Ruhe brachte, wenn ich allein war. Allein in der Dunkelheit der Nacht.

Dad (BFL)

Er nahm mich ernst, war mein erster Zuhörer und später meist auch mein erster Leser. Sogar bei den meisten meiner Übersetzungen. Vor seinem Urteil brauchte ich mich nicht zu fürchten. Es fiel stets milde und bewundernd aus. Wenn er an meinen Büchern Kritik übte, dann nur höchst behutsam. Wie vorsichtig er mein Manuskript oder das fertige Buch in die Hand nahm, nach seiner Brille griff und sich dann zurückzog an seinen Tisch, während ich aufgeregt wartete, was er wohl sagen würde. Als seine Gedanken noch klar waren, damals in seinem letzten Dezember, las er im Krankenhaus eine meiner Geschichten. Schon einen Monat später hätte er das nicht mehr gekonnt. Fehldiagnosen und falsche Medikamente schickten ihn geradewegs in die Hölle, an die Front, in die Kesselschlacht, in den Krieg.

Als er fort war, suchte ich nicht nur in meinen Träumen lindernde und tröstende innere Bilder für uns. Ich fand den ewigen Garten mit der Bank unter den Rosen, die kleine Kapelle mit den langen farbigen Fenstern, das Meer mit den Lichtwesen, die ihn sanft mit sich forttrugen, Aber das schönste, das ich finden konnte, ist die gemeinsame Betrachtung des Wintermonds. Vater und Tochter. Hand in Hand. Weit in der Ferne. Wahrscheinlich hätte er sich aus all den vielen Bilder auch genau dieses ausgesucht. Wir hatten verblüffend ähnliche innere Bilder.

„Guck mal, Papa, das da hinten unter dem Baum, das sind wir.“ „Und der Mond ist genauso riesig wie damals in Arizona“, hätte er gesagt und meine Hand gedrückt.  Ich hatte den Mond in der Wüste ja auch gesehen. Er war wirklich riesig! Mein Vater liebte den Mond. Im Prisoner of War Camp in Arizona war der Mond sein großer Trost. Eine Taube hatte er sich dort gezähmt. Sie konnte weg fliegen. Er selbst war gefangen. Hinter Stacheldraht. Bei Vollmond denke ich an ihn. Ich stelle mir vor, wie er am Fenster in seinem Zimmer in dem fremden alten Haus steht und ebenfalls hinaus schaut. Auf denselben Mond wie ich. Er steht in seinem Zimmer voller Bücher. Und auf seiner Schulter sitzt ein Käuzchen mit wachen gelben Augen.

Vollmond (cocoparisienne/pixabay)

 

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Die Geister der vergangenen Winter (2)

Schlittenfahrt (Marcel Walter/unsplash)

In diesem Winter, der so gar keiner ist, steigen noch mehr Bilder auf als sonst. Draußen blühen schon die Glockenblumen zwischen den Steinen, sogar die Ampel mit den Fächerblumen, die den November bisher noch nie überlebt hat, sieht gar nicht so schlecht aus.

Ich schaue hinaus und erinnere mich. An andere, unerreichbar ferne Winter. An lange Eiszapfen an Dachrinnen, zierliche Eisblumen an Fensterscheiben, den harten Holzschlitten, auf dem man höchst unbequem saß, weil man nie wußte, wo man seine langen dünnen Beine lassen sollte. An das Prasseln und Knistern von Oma Ninnis Ofen. An die dampfenden Wintersuppen, die ich damals nicht besonders mochte und heute vermisse, an den sonntäglichen Reisbrei mit Zimt und Zucker und aufgekochten Trockenfrüchten. An saftigpralle Mandarinen und Orangen, die damals etwas Besonderes waren und deren Schalen so angenehm dufteten wie seitdem nie wieder. An gemütliches Nüsseknacken mit einem silbernen Zangeungetüm, an die klitzekleinen Stückchen, die dauernd auf den Boden fielen und mühsam aufgesammelt werden mussten. Bloß nicht in den Teppich eintreten!

Weihnachtsduft (Bru-nO/pixabay)

An die endlosen dämmrigen Nachmittage auf dem Sofa, das sehnsüchtig erwartete Kinderprogramm – „Warten aufs Christkind“, „Peterchens Mondfahrt“, die Aufführungen der Augsburger Puppenkiste. An die Weihnachtsmehrteiler, „Die Schatzinsel“, „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, „Der Seewolf“. Bei den wenigen Sendern, die unser Schwarzweißfernseher aufzubieten hatte, gab es nicht einmal die Qual der Wahl.

Und an all die Stunden, in denen ich mit meiner kleinen Schwester Memory und Märchenquartett spielte. Von weither höre ich meine Stimme: „Ich hätte gern von dir die Walderdbeere Nummero vier.“ Das war der beste Satz im ganzen Spiel. Gelegentlich sagte ich ihn nur, weil er so gut klang, während ich die Walderdbeere Nummero vier selbst in der Hand hielt. Und weil ich genau wußte, was die Kleine, die mir mit glühenden Wangen gegenüber saß, antworten würde. „Edauro“, rief sie auch gleich triumphierend.  Sie war so jung, dass sie nicht „bedaure“ sagen konnte. Wahrscheinlich kannte sie das Wort nicht mal. Keine Ahnung, warum wir dieses Wort immer sagten. Ich fand ihre Erwiderung so niedlich, dass ich sie nie verbesserte. Das Kartenspiel „Am Waldessaum“ von Liesel Lauterborn und auch das Tierkinder-Memory mit dem niedlichen Rehkitz und den kleinen Feldhasen mit den glashellen Augen habe ich immer noch.

Frostvögel (Genessa Panainte/unsplash)

Mitunter war es so kalt, dass selbst unsere schwarzweiße Topsi nicht nach draußen wollte und es sich lieber zwischen den festgezurrten Kissen im hochgeklappten Klappbett bequem machte. Ihre Augen leuchteten grasgrün im blaugestreiften Bettzeug, wenn man den Vorhang ein wenig öffnete. Ich streichelte ihr Köpfchen, sie begann zu schnurren, und dann stellte ich mich still ans Fenster und bewunderte den frostbemalten Garten, der fast so aussah wie der des selbstsüchtigen Riesen in Oscar Wildes Märchen.

Nur dass bei uns jeden Morgen und Mittag die frierenden und hungernden Vögel gefüttert wurden. Diese Gewohnheit hielt mein Vater bis unmittelbar vor seinem Tod jeden Tag ein. Es war zum Schluss wohl seine einzige Freude und das letzte schöne Ritual, das ihm die wachsende Entfremdung und Verwirrung nicht geraubt haben. Draußen im Garten konnte er noch er selbst sein.  Mein Vater fütterte die Wildvögel schon in meiner Kindheit ganzjährig, sehr zum Spott der Nachbarn und Verwandten, und die Tiere dankten es ihm. Seine Gartenvögel waren handzahm. Sie kamen sogar mit den Katzen klar, denn sie wußten, dass mein Vater gut aufpaßte.

Blaumeise (Martin Arusalu/unsplash)

Die Kinderwinter konnten nie lang genug sein. Ich mochte das Knacken der Äste, das Knirschen des Schlittens, das Funkeln des frisch gefallenen Schnees, die feierliche Stille, die mich an unsere leere kalte Dorfkirche erinnerte, die im Winter nie geheizt war, und mir ein ehrfürchtiges, fast heiliges Gefühl gab. Ich genoß meine dicken weißen Atemwolken, die aussahen, als würde ich genau wie die Erwachsenen „richtig“ rauchen. Wie gern besuchte ich die großen Krickenbecker Seen mit den schwarzen Löchern im Eis, in denen exotischen Wasservögel schwammen, die am Niederrhein überwinterten.

Ich betrachtete die spiegelglatten glänzenden Straßenpfützen, über die man so schön schlittern konnte. Wenn man sich denn traute. Ich traute mich nie, aber ich guckte gern zu.  Vor unserem Haus waren sie stumpf, denn sie wurden mit Asche und Steinchen bestreut. Damit keiner fällt!

Und die dicken Fäustlinge und die gefütterten Stiefel! Die Welt büßte im Winter zwar die meisten ihrer Farben ein, doch dafür bekamen die Häuser nachts gelbe Fenster wie Adventskalender, und im Wohnzimmer brannten die dicken roten Kerzen am Adventskranz. Seit einigen Jahren wird Rot zu meiner eigenen Überraschung während der Wintermonate zu meiner Lieblingsfarbe. Überhaupt schwelge ich seit einiger Zeit sehr gern in Farben. Vielleicht liegt es am Porzellanmalen oder an den winzigen Sachen, die ich für meine Mäuse bastele.

Heute würde ich am liebsten einen roten Mantel anziehen und damit zurückkehren in die Winter meiner Kindheit. Vielleicht einen Paddington-Mantel. Oder, noch besser, einen ganz bunten. Aus verschiedenen Stoffen, in lauter verschiedenen Farben, mit lauter verschiedenen Mustern. Einen Flickenmantel, ungewöhnlich und warm wie der von Allerleirauh. Oder wenigstens eine leuchtend rote Mütze. Egal, ob die Haare kleben oder elektrisch werden. Und dann hinaus in den Winter laufen. Mitten hinein in den Schnee springen. Die Arme hoch reißen. Mit der Zunge die Flocken fangen.

Die rote Mütze (Tim Gouw/unsplash)

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Die Geister der vergangenen Winter (1)

Eiszapfen (Anders Wetterstam/unsplash)

Bücher und Märchen, in denen es eiskalt und tiefster Winter war, mochte ich am liebsten. Ich liebte Geschichten über riesige Trolle und mächtige Eisbären, flirrende Nordlichter, zottelige Rentiere, listige Silberfüchse und wilde Räubermädchen, mit gemütlichen Zwergenzimmern zwischen knorrigen Baumwurzeln und mit der gruseligen Baba Yaga, die in einem Knochenhaus wohnt, das auf Hühnerbeinen steht, und in einem großen Mörser durch die Luft fliegt. Doch vor allem liebte ich den Schnee. Er verwandelte die Welt, hüllte sie in unschuldiges Weiß, verzauberte sie über Nacht in ein fremdes Wunderland. Alles war anders, wenn Schnee lag. Sogar das Licht, das morgens durch den Vorhang drang. Und die geheimnisvolle Stille!

Schneebank (gamapix/pixabay)

Wenn ich in den Kindheitswintern aus der Haustür trat, gab mir die Kälte zur Begrüßung gleich einen Nasenstüber und zwei Ohrfeigen und verschlug mir sekundenlang den Atem. Dann packte sie mich mit festem Griff und sorgte in Windeseile dafür, dass meine Finger und Zehen taub wurden und meine Lippen aufsprangen. Sie ließ Ohren und Wangen erkalten und färbte Lidränder und Nasenspitze brennend rot. Wenn ich aus der Kälte zurück ins warme Haus kam, schmerzte das Auftauen und Aufwärmen so sehr, dass ich am liebsten geschrien hätte.

Doch ich mochte die frische, klare Luft, die sich so knistrig und knusprig anfühlte. Ich konnte den Schnee bereits riechen, bevor er zu fallen begann. Ich konnte ihn sogar fühlen, denn er machte mir feine, spitze, hohe Kopfschmerzen, meist an den Schläfen, gelegentlich auch über der Nasenwurzel. Auch Kälte allein konnte Kopfschmerzen machen, wobei sich die Kopfhaut irgendwie verkrampfte. Dagegen halfen Mützen und Schals, doch mit denen hatte ich meine Probleme.

Viburnum (Katya-guseva0/pixabay)

Mich faszinierte die gleißende Unberührtheit des winterlichen Gartens, die weiß überhauchten Hagebutten, die orangefarbenen Zieräpfel, die es schafften, selbst aus all dem Weiß noch kräftig hervorzuleuchten, die korallenroten Beeren an den Sträuchern, die schneebeladenen, glitzernden Felder und Wälder. Bloß auf den Straßen wurde die Pracht allzu schnell zu hässlichem, braunen Matsch, der die Schuhe aufweichte und an die Hosenbeine spritzte.

Hoch über mir schimmerte der Winterhimmel in Wasserfarben von zarthellblau bis drohend dunkelgrau, und abends, wenn die Engelchen backten, wie meine Oma Ninni es nannte, nahm er die schönsten Rosa- und Lilatöne an, vor denen sich die nackten Bäume und Sträucher scharf und schwarz abzeichneten wie Scherenschnitte von Lotte Reiniger.

Winterzart (Yang Shuo/unsplash)

Damals war der Winter noch die Zeit der Angorawäsche, der dicken Wollschals und gestrickten Mützen, die ich so gar nicht mochte. Nicht mal die flauschige weiße aus Kunstpelz, die man unter dem Kinn zuband. Genau die hatte ich mir sehnlichst gewünscht, weil die anderen Mädchen im Dorf auch so eine hatten und darin beneidenswert eskimoartig aussahen. Doch als ich das heißersehnte Traumteil endlich auspackte und zum ersten Mal stolz ausprobierte, sonntags in der Messe, war ich tief enttäuscht und hätte das Ding am liebten nie wieder angezogen, weil ich darunter so schwitzte, dass mir die Haare wie ein nasser Helm am Kopf klebten und die Kopfhaut wie verrückt juckte. Selbst malerische Eskimomützen waren für meine empfindliche Haut und meine übersteuerte Wärmeregulierung Quälerei.

Genau wie all die vielen Schals, auch wenn sie noch so schöne Streifen hatten und blau waren. Die kratzigen Wollschals gaben mir das unangenehme Gefühl, vom eigenen Halswärmer stranguliert zu werden. Mama sagte: „Stell dich nicht so an!“ Sie hatte eine sehr feine Nase und sehr feine Ohren, aber eindeutig keine hochsensible Haut, und bestrickte mich unermüdlich weiter mit Mützen und Schals. Richtige Kunstwerke, meist sogar liebevoll gefüttert. Es musste doch sein, damit die kleine Mützenhasserin nicht krank wurde! Sobald Mama mich nicht mehr sehen konnte, riß ich mir mit rabenschwarzem Gewissen die Mütze ab und ließ den Schal frei. Gleich nach der nächsten Straßenecke. Gemerkt hat sie es trotzdem. Wahrscheinlich weil meine Ohren und mein Kopf so kalt waren. Aber ich fand Kälte immer schon angenehmer als Hitze.

Schnee mit Mütze (Tim Gouw/unsplash)

 

 

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Cookie Days

Weihnachtsteig (silviarita/pixabay)

Für mich waren die „Cookie Days“ meiner Kindheit einfach nur schön. Im ganzen Haus duftete es nach Weihnachtsbäckerei. An gleich mehreren Nachmittagen durfte ich mit Mama Plätzchen ausstechen und Teigreste naschen. Wir buken Buttergebäck, Kleiebrötchen (bei uns hießen sie merkwürdigerweise Kleinebrötchen, wahrscheinlich wieder eine meiner zahlreichen verbalen Fehlleistungen), Nuss- und Kokosmakronen, Berliner Brot, Spritzgebäck, Zimtsterne, Anisgebäck (leider zu hart, außerdem roch es komisch) und Heidesand (eigentlich Schwarzweißgebäck, aber bei uns hieß es meistens Stuyvesand, genau wie die Zigaretten von Onkel Heinz, alles andere ergab für mein Kinderwortgefühl irgendwie keinen Sinn).

Die gemeinsame Plätzchenbackzeit habe ich ausnahmslos als warm, gemütlich, wohlduftend und entspannt in Erinnerung. Als winzige Oase und rettende Insel im wilden, hektischen Vorweihnachtsstress. Ist es möglich, dass meine Erinnerung trügt? Eine ehemalige Klassenkameradin machte mir neulich die erschütternde Mitteilung, sie sei nur ein einziges Mal dabei gewesen und das habe ihr für alle Zeiten gereicht. Sie sei übel ausgeschimpft worden, weil ihre Kekse angeblich nicht perfekt waren, und heulend nach Hause gelaufen. Komisch, dass ich mich daran beim besten Willen nicht erinnern kann. Ich hab doch sonst ein Gedächtnis wie ein Elefant! Vielleicht möchte ich das auch gar nicht erinnern, denn beim Plätzchenbacken war und ist die Welt für mich in Ordnung. Cookie times are perfect bliss!

Vielleicht hat das arme Mädchen damals nur die seltene Mutter-Tochter-Idylle gestört? Aber es stimmt, Geduld war wirklich nicht die Stärke meiner Mutter. Am besten, man machte alles „richtig“, also genau so, wie sie es sich vorstellte. Möglicherweise habe ich beim Backen damals ausnahmsweise alles „richtig“ gemacht? Vor allem habe ich ja nur begeistert zugeguckt. Mit mir hat sie dabei jedenfalls nie geschimpft. Deshalb backe ich auch immer noch ausgesprochen gern. Vor allem Plätzchen!

Meine Spezialität sind Vanillekipferl, Friesenkekse, Pfefferkuchen und Heidesand. Hauptzutat: ganz viel Liebe und Zuwendung.

Alles bereit (NickyPe/pixabay)

Bei mir gibt es jedes Jahr „Erinnerungsplätzchen“ nach den Rezepten meiner Vorfahren, auch wenn ich sie gelegentlich leicht abwandle. Das Heidesandrezept meiner Mutter stammte in Wirklichkeit von ihrer Schwiegermutter, und „die Omi“ hatte es offenbar sogar noch von ihrer Mutter. Es kommt wohl aus einer Zeit, als es noch keine Kühlschränke gab.

Die fertigen Teigrollen müssen auf einem Küchenhandtuch, das vorher leicht mit Zucker bestreut wird, sanft hin und her gerollt werden, und danach wird das Handtuch zugeknotet und (das ist ausdrücklich so schriftlich festgehalten und dick unterstrichen) eine Nacht im Keller aufgehängt. Vielleicht wegen der Mäuse? Das Aufhängen sei unbedingt nötig, behauptet meine gesamte Verwandtschaft väterlicherseits. Sie alle hängen ihr gezucktertes Handtuch mit dem Teig eine Nacht in den Keller. „Sonst schmecken die Plätzchen nicht richtig. Die Omi hat das auch immer so gemacht!“

Ruhender Teig (BFL)

Ich war mutig und wagte die Probe aufs Exempel. Ein Teigdrittel kam nebst Handtuch in den Keller und wurde aufgehängt, ein Drittel wurde im Keller nicht aufgehängt, und das letzte Drittel landete nebst Handtuch unten im Kühlschrank. Geschmacklich gab es nach dem Backen bei meinen Testessern keinerlei Unterschiede, und selbst meinen extrem hochsensiblen und kritischen Geschmacksknospen fiel nichts aus. Seitdem ruht bei mir der komplette Teig im Kühlschrank. Und  lächelt höchst zufrieden, während er ruht. Echt jetzt! Meinen Mann erschrecken die friedlichen Gesichter in der Kühlung zwar manchmal, aber er gewöhnt sich daran. Allerdings sind meine Plätzchen etwas größer als Omis und Mamas, haben weniger Kakao und bleiben kürzer im Ofen, so dass sie insgesamt deutlich heller ausfallen. Sie sind also doch nicht genau so wie die von der Omi, da haben meine Cousinen schon recht.

Ich habe grundsätzlich immer nur ein Blech im Backofen, auch wenn die Backerei dann länger dauert und ich eine ganze Weile neben dem Herd verbringen muss, weil ich nur so den Bräunungsgrad perfekt abpassen kann. Sobald meine hochsensible Nase meldet, dass die Plätzchen fertig sind, befreie ich sie auf der Stelle.

Wirklich wichtig beim Heidesandbacken ist übrigens, dass sämtliche Zutaten vor dem Vermengen ganz fein gesiebt werden und ein Teil des Mehls durch Mondamin ersetzt wird. Damit die Plätzchen auch richtig schön zart auf der Zunge zergehen. „Das hat die Omi auch immer so gemacht!“ Und die Uromi aus Krefeld wahrscheinlich auch. Mondamin gibt es nämlich schon seit 1896.

Backfreude (Congerdesign/pixabay)

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Peter Nicolaus: „Adventskalender – Faszination und Sammeln“

Weihnachtsüberraschung!

Zu meinen schönsten Weihnachtsgeschenken gehörte in diesem Jahr das schon lange erwartete große Buch über Adventskalender von Peter Nicolaus. Obwohl ich den Inhalt bereits kannte (in dem gut 300 Seiten starken Werk mit fast 700 farbigen Abbildungen finden sich auch einige kleine Beiträge von mir sowie das ein oder andere Foto von Kalendern aus unserer Sammlung), war ich sowohl überrascht als auch beeindruckt, als ich „Adventskalender – Faszination und Sammeln“ endlich in Händen hielt. Es gibt wenige Bücher, in denen man so wunderbar in Bildern und Farben schwelgen kann.

Adventskalender habe ich schon immer geliebt, und genau wie Peter hege ich eine Schwäche für bestimmte Illustratoren und Illustratorinnen, unter anderem Marigard Bantzer, Fritz Baumgarten, Else Wenz-Viëtor und Marianne Schneegans. Doch ich bin keine „richtige“ Sammlerin, dazu bin ich zu unsystematisch. Ich sammle einfach, was mir gefällt und was ich zufällig finde. Peter dagegen IST ein richtiger Sammler und verfügt als Adventskalenderexperte über große Erfahrung. Wie schön, dass er sein Wissen jetzt mit anderen teilt! Es gibt im Buch viele Tipps für das Sammeln von Adventskalendern, sowohl für gestandene Sammler als auch für „Anfänger“. Wo findet man sie, wie kann man sie preislich einordnen (bei allen Kalendern im Buch findet man einen Preis-Index, was äußerst hilfreich ist), woran erkennt man Raritäten, wie bestimmt man das Alter, was muss man über das Papier wissen, wie sollte man seine Schätze am besten archivieren und lagern?

Der Sammler Peter Nicolaus

Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit Peter Nicolaus erinnern. Kennengelernt habe ich ihn vor vielen Jahren in der virtuellen Welt, genauer gesagt bei ebay, wo er gelegentlich Adventskalender anbietet oder ersteigert. Damals konnte man noch sehen, wer die Mitbieter und „Konkurrenten“ waren, was nicht nur hilfreich bei der Preis- und Reaktionseinschätzung, sondern auch ganz nett war, weil man miteinander Kontakt aufnehmen, um Scans oder Kopien der (meist verpaßten) Objekte der Begierde bitten oder sich sogar aus der Ferne austauschen und „anfreunden“ konnte. Wenn Peter mitbot, konnte man sicher sein, dass es sich um ein besonders kostbares oder seltenes Stück handelte. Zudem fiel mir auf, dass er als Verkäufer absolut zuverlässig war, seine Kalender waren immer genau beschrieben, professionell präsentiert und exakt datiert, selbst die kleinsten Knicke und Schäden waren abgebildet und aufgelistet. Nach einigen Reinfällen, bei denen ich als Neuling Kalender erstanden hatte, die angeblich antik waren, in Wirklichkeit aber nur billige Nachdrucke, hatte ich meine Lektion gelernt. Wenn ich dem Braten nicht traute, bat ich Peter im Zweifelsfall einfach um seine Einschätzung. Er hat mir immer freundlich geantwortet, mich geduldig beraten und mir auf kompetente Weise geholfen.

Peter Nicolaus (privat)

Irgendwann bin ich ihm dann auch in Köln „begegnet“. Wieder nur „indirekt“. Eine ältere Dame löste krankheitsbedingt ihre Sammlung auf, und ich begab mich zu ihr auf die andere Rheinseite, um die Kalender anzusehen. „Tut mir leid“, sagte die Dame. „Aber die schönsten sind leider alle schon weg. Die hat gestern ein netter Mann gekauft, der extra aus Wuppertal kam. Sie raten nie, wie der mit Nachnamen hieß!“ Ich wußte genau, wen sie meinte, und die Dame reagierte angemessen verblüfft. „Ob der wirklich so heißt?“ überlegten wir. Wenn nicht, war das ja wohl ein tolles Pseudonym! Ein paar Schätze für mich waren zum Glück noch da, denn die hatte Peter wohl längst in seiner Sammlung. Irgendwann haben wir uns dann endlich auch „richtig“ getroffen und viele interessante Gespräche und Mailwechsel geführt. Auf Peters schöne Weihnachtskarte und die Einladungen zu seinen Ausstellungen freue ich mich jedes Jahr!

Kleine Sensationen

Detail aus „St Nikolaus der Weihnachtsmann“ (Peter Nicolaus)

Doch zurück zum Buch. Ging man bisher davon aus, dass der erste gedruckte Adventskalender „Die Weihnachtsuhr für Kinder“ von 1902 war, so sorgt der Autor im Kapitel „Adventskalenderschätze/Top-Raritäten“ gleich für eine kleine Sensation. In Wirklichkeit gab es nämlich noch einen früheren Kalender, „St. Nikolaus der Weihnachtsmann“, ein ungewöhnliches, detailliert gestaltetes Klappkunstwerk aus dem Jahr 1901. In echter Detektivarbeit ist es Peter Nicolaus gelungen, den bisher weithin unbekannten Ur-Adventskalender zu datieren und seine Entstehung zurückzuverfolgen.

Frontansicht von „Advent Wunderschau“ (Peter Nicolaus)

„Ruprechts Advents-Wunderschau“ bildet ein weiteres Highlight bei den Top-Raritäten, denn der Kalender aus den 1930er Jahren ist höchst ungewöhnlich, da er gleichzeitig eine Art kompliziertes „Spielzeug“ ist. Das plastisch gestaltete Häuschen mit dem winzigen Briefkasten für die Wunschpost und der Tanne, aus der in der Adventszeit jeden Tag ein Sternchen herausgebrochen werden kann, ist mittels Batterie „richtig“ beleuchtet, verfügt über ein Glöckchen, das mit Hilfe eines Klingelknopfs zum Bimmeln gebracht werden kann, und zeigt Tagesbilder, die über eine Abrollvorrichtung präsentiert werden. Ein Traumstück!

Besondere Schätze und ausführliche Biografien

Detail aus Marigard Bantzers Kalender (BFL)

Mein Mann und ich lieben Adventsuhren. Peter auch. Er widmet ihnen gleich am Anfang des Buchs ein langes Kapitel, und mit einem gewissen Stolz entdecke ich dort unsere „Meyer-Adventsuhr“ mit dem russisch aussehenden Nikolaus. Bei den Drehscheibenkalendern findet sich ein anderes Prunkstück unserer Sammlung, nämlich der ungewöhnliche Marigard Bantzer-Kalender, von dem es bislang nur drei bekannte Exemplare gibt. Eins davon besitzt Peter, eins wir. Die Illustratorin wird im Buch übrigens im Kapitel mit den Künstler-Biografien noch ausführlich vorgestellt, dort findet man auch ihre anderen Kalender. Eine kleine Überraschung erwartet den Leser in just diesem Kapitel beim Eintrag zu Hannes Petersen, denn Hannes Petersen war trotz des Namens kein Mann! Überhaupt gefällt mir gut, dass Peter vielen Illustratoren und Illustratorinnen so ausführliche Einträge widmet. Auch eher unbekannten Adventskalendergestaltern wie der Wuppertaler Künstlerin Sulamith Wülfing, die nur einen einzigen Kalender gemacht hat, aber was für einen! Und es gibt sogar eine Seite zu Fritz Wegner, einen Künstler, den ich sehr schätze und von dem wir bei unseren Adventskalendervorträgen oft berichten. Wir haben vor Jahren all seine Kalender in einem kleinen schottischen Laden gekauft. Fritz Wegner musste bereits als Kind nach England emigrieren, nachdem er in der Schule eine Hitler-Karikatur gezeichnet hatte, und wurde später in seiner neuen Heimat ein bekannter Künstler und Buchillustrator.

Von Herbert Cange, Barbara Krokisius, Katrin Höngesberg, Emil Ernst Heinzdorff und Oskar Barthold hatte ich noch nie gehört, erst Peter Nicolaus hat sie mir nahe gebracht. Aber jetzt weiß ich endlich, von wem unser Kalender „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ stammt. Von Willy Müller-Gera!

Ich könnte noch viel zu diesem Buch schreiben, das ich seit Weihnachten immer wieder zur Hand nehme, um darin zu lesen oder einfach nur zu schauen. Es gibt darin auch allerlei Lesenswertes über „Adventskalender/thematisch“, „Adventskalender als Werbeträger“ und die wichtigsten Verlage, immer gefolgt von einem Anhang mit genauen Angaben zur zeitlichen und gestalterischen Einordnung.

Kindheitserinnerungen

Detail aus „Moralisierender Adventskalender“ (Peter Nicolaus)

Richtig gut gefällt mir auch das Kapitel mit den persönlichen und zum Teil anrührenden Erinnerungen von „ehemaligen Kindern“ an einen besonderen Adventskalender ihrer Jugend. Hier finden sich neben bekannten Stars wie „Die Christrose“ von Else Wenz-Viëtor und „Die Weihnachtsstadt“ von Willi Harwerth auch selbst gebastelte Einzelstücke, zum Beispiel ein Adventsschiff mit winzigen Schublädchen, das die damals elfjährige Schwester für ihren kleinen Bruder gestaltet hat, sowie der „moralisierende“ Adventsstern, der in der Erinnerung „Strenge Zeiten!“ die Hauptrolle spielt. Der kleinen Besitzerin hat er wenig Freude gemacht, denn hinter den Türchen verbargen sich keine hübsche Bilder, sondern unangenehme Ermahnungen („Sei nicht so genäschig“, „Lerne stets deine Aufgaben“,“Folge deinen Eltern“). Auch „Peter und Liesel“, ein für uns ganz besonders lieber Bekannter, denn er war mehrere Generationen lang der wichtigste Kalender in der Familie meines Mannes und wurde von seiner Tante Lotte und seiner Mutter eigens für die Kinder „nachgemalt“, weil das Original verloren ging, ist hier zu finden. Tante Lotte und meine Schwiegermutter hätten sich über die Bilder ihrer selbst gebastelten kleinen Kunstwerke sicher gefreut!

Nach dem augenzwinkernden „Jetzt schlägt’s aber 24!“ folgen weitere Tipps zum Sammeln und Aufbewahren von Adventskalendern. Abschließend gibt es eine kurze Reise in die Zukunft (wie mögen die Kalender unserer Kindeskinder wohl aussehen?), gefolgt von Literaturangaben und den „Credits“.  Schade, dass Peters Buch nicht noch 200 Seiten mehr – und noch viel mehr Bilder hat!

Zu bestellen ist das großformatige (30 x 24 cm), aufwändig gestaltete und überaus“gewichtige“ Buch (eindeutig zu groß und zu schwer für meinen Scanner!), das nur in einer kleinen Auflage erschienen ist und in Deutschland gedruckt und gebunden wurde, ausschließlich bei seinem Autor Peter Nicolaus und kostet 69,95 Euro zzgl. Porto. 

Kontakt: info@advent-art-verlag.de 

Der Autor hat jetzt auch eine eigene Website

Doppelseite aus „Adventskalender“ von Peter Nicolaus

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