Strandreiter, Spatzen und Nachtblüher – mit Ulla Genzel

„Sommer an der Fleuth“ (Ulla Genzel)

Langsam verabschiedet sich der Sommer, schon blühen die Herbstanemomen und Herbstastern, die Nächte werden länger, und am Niederrhein steigen bereits häufiger die kühlen Nebel auf. Es wird Zeit, sich von dieser Jahreszeit zu verabschieden. Im letzten Sommer habe ich die wohl heißesten Tage meines Lebens durchlitten und mich wie eine Hundertjährige gefühlt, aber an den guten Tagen auch sehr bewußt und mit allen Sinnen die schönen Sommerseiten registriert, vor allem die Farben und Gerüche. Meine Kräuter, die Rosen, das frisch gemähte Gras. Wer weiß, wie lange wir die vertraute Natur noch so genießen können, stecken wir doch mitten im Klimawandel. Ulla liebt genau wie ich vor allem den Herbst, aber sie schwelgt natürlich auch in den leuchtenden Farben des Sommers. Und wenn sie mit ihrer Nelly spazieren geht, freut sie sich schon auf ihre Lieblingsorte, zum Beispiel die ganz besondere Stelle an der Fleuth mit den Kopfweiden.

„Blütenlicht“ (Ulla Genzel)

Ob man im Sommer mehr Gerüche wahrnimmt als im Winter? Alles scheint intensiver, schwerer, wärmer zu riechen. Einige Blumen verströmen ihren Duft erst, wenn es dunkel wird, manchmal betäubend stark, etwa Nachtviolen, Funkien, Levkojen, Ziertabak, Goldlack, Geißblatt und vor allem Lilien.  Nachtblüher haben oft helle Blüten, die geheimnisvoll im Mondlicht leuchten, nachtaktive Insekten anlocken und den dunklen Garten in einem mystischen Ort verwandeln. In diesem Jahr habe ich versucht, zumindest in Vollmondnächten so lange wie möglich draußen zu sein, mit geschlossenen Augen durch meinen Garten zu gehen und dabei immer wieder stehenzubleiben und die Nachtsymphonie der Düfte zu genießen. Wie schade, dass es bei uns keine Glühwürmchen und Zikaden mehr gibt.

„Fuchur am Niederrhein“ (Ulla Genzel)

Neulich beim Live-Malen ging mit Ulla unerwartet die Fantasie durch, und plötzlich verwandelte sich eine harmlose Wolke über Niederrheinfeldern in Fuchur, den Drachen aus „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Sogar den roten Luftballon, den man bisweilen in ihren Bildern entdeckt, hat Ulla ihm an den Schweif gebunden. Ihren Traum, einmal mit Pferd Moneypenny und Hundemädchen Nelly ans Meer zu reisen und sich den frischen Seewind unbeschwert um die Ohren wehen zu lassen, hat sie vor kurzem auch auf der Leinwand Wirklichkeit werden lassen. Hier sieht man die drei in luftigem, frischem Blau am Strand. Ganz entspannt und allein, aber kein bisschen einsam.

„Mein Traum“ (Ulla Genzel)

Ihre Lieblingsvögel hat Ulla in diesem Sommer auch gemalt. Was sie an Spatzen so fasziniert? „Sie sind frech, wild und einfach bezaubernd. Sie singen nicht, sondern zwitschern, und es scheint, als ob sie sich nie unterwerfen. Ich finde sie einfach lustig, sie sind meine Lieblinge!“ Lustig finde ich sie auch, aber sie können auch nerven, denn eigentlich tschilpen sie ja ziemlich eintönig. Stundenlang, wenn es ihnen paßt. Ich weiß, wovon ich rede, denn sie tschilpen mit Vorliebe vor dem Arbeitszimmer meines Mannes.  Aber ich kann Ulla verstehen. Ich brauche nur an die vielen Spatzen auf den Bauernhöfen meiner Kindheit zu denken. Sie waren allgegenwärtig, auch in den Ställen, wirkten tatsächlich ziemlich respektlos und hüpften mir sogar auf die Schuhe. Mein heimlicher Liebling ist übrigens der Eisvogel, weil er so intensive Farben hat, doch ich kenne ihn nur aus Büchern und Filmen. In meinem Garten ist es die kleine Mönchsgrasmücke, die immer so leise und zart in meiner Nähe singt, sobald ich draußen bin. Gelegentlich rührt sie mich damit fast zu Tränen. Und das Rotkehlchen, das mit Vorliebe in unserer Garage nistet und sich für die ständig offene Garagentür erkenntlich zeigt, indem es mich ganz nah mit der Kamera an sich heranläßt. Wenn die Mönchsgrasmücke mal nicht da ist, singt das Rotkehlchen für mich. Ich fragte Ulla dann auch noch nach ihrer Lieblingsblume.  „Obwohl ich Gärtnerin von Beruf bin, ist meine Lieblingsblume die Kornblume.“ Stimmt. Die Kornblumen in den niederrheinischen Feldern! Was für ein Blau!

 

 

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