Herbst – anders als erwartet

Mit Wehmut denke ich an den Beitrag „Oktoberland mit allen Sinnen“ zurück, den ich im vorigen Jahr über meinen Lieblingsmonat geschrieben habe. Wie wunderbar der Herbst sonst immer schmeckt und duftet! All die intensiven Momente, vor allem draußen. Und ich freue mich jedes Mal aufs Neue auf den besonderen, typischen Geruch beim Aushöhlen der Halloween-Kürbisse. Doch diesmal war alles anders. Ich konnte den bunten, leuchtenden Oktober weder riechen noch schmecken, was mich in ziemliche Unruhe versetzte. Immerhin grassiert gerade eine Pandemie, zu deren Leitsymptomen Geschmacks- und Geruchsverlust gehören.

Es fing an wie bei vielen Infekten, ich fühlte mich abgeschlagen und müde. Die Nase war verstopft, Kopf und Gelenke schmerzten, ich konnte mich nicht konzentrieren, mein Puls war zu schnell, und ich geriet bei den kleinsten Anstrengungen ins Schwitzen. Ich lag auf dem Sofa, lenkte mich mit TV-Serien ab und hoffte inständig, dass der Infekt nicht Covid war und bitte nicht richtig schlimm werden würde. Was anders war als sonst: Ich konnte nichts mehr riechen und schmecken. Ich ging nicht mehr vor die Tür. Mein Mann fühlte sich auch nicht wohl, und wir nahmen mehrmals am Tag hochdosiert Vitamin C (Pulver in Brausetablette aufgelöst). Woher kam der Infekt? Ich bin extrem vorsichtig, verlasse das Haus nur selten, trage dabei immer Maske, wasche mir dauernd die Hände. Vielleicht über die Augen? Oder hatte mein Mann das mitgebracht?

Die Corona-Warn-App zeigt mir zwar nach jedem meiner „Ausflüge“ mehrere Risikomeldungen (meistens 4), aber immer nur grüne mit niedrigem Risiko. Wenn man bedenkt, wie wenige Menschen die App überhaupt installiert haben, ist das eigentlich erschreckend viel. Zum Glück hatte ich weder Fieber noch Husten und Atemnot. Doch mein Schlaf war flach und voller (Corona-)Alpträume. Selten hat mich ein Infekt derart in Unruhe versetzt.

Nach einigen Tagen ging es uns wieder besser, doch meine Welt blieb geruch- und geschmacklos, und der Oktober war für mich gelaufen. Nicht mal, dass einer der beiden Kürbisse faul war, habe ich gerochen, dabei stinkt das widerlich. Normalerweise bin ich ja ein wandelnder Lebensmittelverfallsdetektor und olfaktorischer Warnmelder („Hier stimmt was nicht! Das riecht komisch! Irgendwie anders!“), und plötzlich nahm ich nichts mehr wahr. Nicht mal (die absolute Härte!) das frisch benutzte Katzenklo, das ich normalerweise über zwei Etagen wittere. Es stank todsicher genau wie immer, doch meine Nase signalisierte nichts. Die inneren Alarmglocken schrillten, während ich versuchte, mich zu beruhigen. Vielleicht ist das ja bei jedem Schnupfen so und mir bloß bisher nie aufgefallen? Ich habe darauf noch nie vorher geachtet.

Oft genug habe ich mir im Laufe meines Lebens mitten in all den Geruchswirbeln und Reizbombardements gewünscht, zur Abwechslung mal keine hochsensible Nase zu haben, und mich gefragt, wie sich Anosmie (Geruchsverlust) wohl anfühlen könnte. Jetzt weiß ich es! Gruselig! Manchmal habe ich mir auch gedacht, dass ich ganz gut auf einige meiner extremen, intensiven Geruchswahrnehmungen verzichten könnte, weil es einfach so viele sind, weil einige stundenlang nachhallen („Nasenwürmer“), wenn der Reiz längst verflogen ist (Essig, Katzenklo, Schweiß, Jauche, Zigarettenrauch, Katermarkierung, faules Wasser, Abfluss, Mülltonne). Aber ich habe nicht geahnt,  wie verloren und orientierungslos ich mich ohne meine vertrauten sinnlichen „Wegweiser“ fühlen würde. Unsicher. Traurig. Ungeduldig. Gereizt. Panisch. Wie lange dauert das noch? Ob das jetzt so bleibt? Jetzt weiß ich, wie wichtig mein Geruchsinn für mich ist. Die Welt um mich herum war kalt, flach und steril, irgendwie leerer – und machte mir noch mehr Angst als ohnehin schon.

Dass ich nicht mehr schmecken konnte, war nicht ganz so schlimm, es nahm mir allerdings den Genuss und die Freude am Essen. Ich esse wirklich gern, liebe die Kombination aus Duft und Geschmack von Speisen, Gewürzen und Kräutern. Als meine Nase wieder „frei“ war, ging ich zum Gewürzschrank und „probierte Schmecken“. Es war erschreckend. Nur bei Salz spürte ich was. Ausgerechnet! Salz mag ich nicht. Ich reagiere darauf empfindlich, schnell sind Gerichte für mich versalzen, die für andere normal oder gar laff schmecken. Die Salzempfindung war noch da, ein eindeutiger Reiz auf der Zunge. Ich nahm mir fest vor, nie mehr über versalzene Speisen zu schimpfen….

In den folgenden Tagen und Wochen versuchte ich das Schmecken immer wieder, vor allem mit meinen Lieblingsgewürzen. Ich erkannte die Pfeffersorten nicht mehr (sonst sind sie alle unterschiedlich: leicht brennend, warm, nussig, frisch, zitronig, scharf oder holzig-bitter), spürte aber stattdessen die unterschiedlichen Texturen deutlicher. Als hätte sich eine zusätzliche Instanz eingeschaltet, um mir zu helfen. Zucker schmeckte nach nichts, selbst extrem Saures konnte ich nicht mehr erkennen. Den Vitamin-C-Drink, bei dem ich mich normalerweise angewidert schüttle, kippte ich ungerührt in mich hinein. Beim Essen fühlte sich einiges im Mund kühl, weich oder prickelnd an, auf der Zunge gab es also offenbar noch Empfindungen, doch ich konnte sie nur einordnen, weil ich wußte, wie es normalerweise schmecken würde.

Als Mensch mit einer „Jagdhundnase“ macht man offenbar (unbewusst) recht merkwürdige Dinge. Mir fiel auf, dass ich an (fast) allem, was ich esse, berühre oder anziehe, vorher rieche. In meinem Buch über Hochsensibilität habe ich dem Geruchssinn nicht von ungefähr das längste Kapitel gewidmet, denn er ist eindeutig mein „nervigster“ Sinn. Jetzt ertappte ich mich bei „sinnlosen“ (ritualisierten?) Witterungsaktionen, beobachtete, wie ich die Nase in meinen (geruchlosen) Pullover drückte, die (geruchlose) Milchpackung beschnupperte, das (geruchlose) Katzenfutter, den (geruchlosen) Käse. NICHTS. Ich roch weder angebranntes noch duftendes Essen, nicht mal Bacon oder Sauerkraut (hängt normalerweise tagelang deutlich wahrnehmbar in der Luft), keinen Kaffee, keinen Herbstgarten, kein nasses Laub. Keinen Heizungskeller, keine Waschküche, kein Auto, keine Straße, keine Regenluft. Alles war „neutral“ und irgendwie kalt. Auch die Vorratskammer und das Gewürzschränkchen waren steril. Mülleimer, Biomüll und Abfluss müffelten nicht mehr. Ich roch draußen kein fauliges Wasser im Übertopf, kein Brünnchen- oder Teichwasser, kein Efeulaub, keine Perückenstrauchblätter (beides sehr angenehm), und drinnen kein „altes“ Wasser in der Vase, keinen Zitronenschimmel, keinen alternden Apfel, keine Tomate, keinen meiner vielen Bastelkleber. Kein Holz, keine Kürbissuppe, kein frisches Brot, kein Papier, keine Zeitung, keine Bücher, keine karamellige Créme brûlée-Kruste.

Von feineren Düften wie Katzenfell ganz zu schweigen. (Ich konnte meine Katzen immer am Geruch ihres Fells unterscheiden, selbst ihre Pfoten rochen individuell. Feuchtes Katzenwelpenfell riecht übrigens wie nasse Wolle.) Hundefell hätte ich wahrscheinlich auch nicht mehr wahrgenommen (als Kind wurde mir regelmäßig schlecht, wenn unser Hund aus dem Regen ins Haus kam). Ich roch auch nicht mehr, ob der DHL-Mann im Auto geraucht hatte (normalerweise am Päckchen klar zu erschnüffeln) oder ob die Verpackung im Keller gelagert worden war (unangenehm, nicht wegzukriegen). Ich rieche bei offener Tür zum Garten auch gleich, wenn nebenan der Großvater zu Besuch kommt, denn er raucht Pfeife.

Meine Handcremes und Duschgels (ich habe mehrere, je nach Stimmung) rochen nach NICHTS. Genau wie die verschiedenen Seifen, Spül- und Putzmittel. Ich versuchte es mit schweren Kalibern: Salbe aus Indischem Weihrauch und Isopropylalkohol. Keine Reaktion. Oh Gott, nichts mehr, das mich warnt, wenn ich verfallene, giftige, gefährliche Substanzen in die Nähe meines Gesichts bringe, berühre oder zu mir nehme? Und was ist mit Brandgeruch oder Gas? Gasgeruch versetzt mich immer in Panik, zum Glück haben wir keins hier im Haus. Chlor? Das nimmt man doch sicher mit verschiedenen Sinnen wahr? Ich rieche es in englischen Häusern überdeutlich (wegen des gechlorten Wassers), und im Schwimmbad brennen und stechen mir davon ganz schlimm die Augen. Aber Chlorreiniger war nicht zur Hand, weil ich ihn hassbedingt längst aus dem Haus verbannt habe. Feuchte Wände? (Hoffentlich nicht!) Die meisten Rohrbrüche hier im Haus habe ich gerochen. Und wenn es jetzt irgendwo brennt? (Hoffentlich nicht!). Zwei wichtige Teile meiner hochsensiblen Alarmanlage waren ausgefallen! Auch mich selbst nahm ich nicht mehr wahr. Ich hätte wie ein Stinktier durch die Gegend laufen können und nichts davon gemerkt!

Zu meinem Erstaunen (das einzig Interessante an dem unfreiwilligen „Experiment“) entdeckte ich in der geruchlosen Welt gleich zu Anfang einen Sensor, den ich vorher noch nie bemerkt hatte. Ich spürte nämlich in all der Wahrnehmungsleere ein feines Prickeln oder Kribbeln in der Nase, wenn ich an Produkten zu riechen versuchte, die möglicherweise einen gemeinsamen Bestandteil enthielten. Sowohl Flüssigseife, Shampoos als auch Duschgels „prickelten“ subtil in der Nase. Der Reiz erinnert mich an die Empfindung, die ich beim Schnuppern an Wein oder Bier habe. War das vielleicht ein geheimer Detektor für Alkohol? Ich schaute mir mit der Lupe (winzige Schrift!) die Inhaltsstoffliste an. Alkohol gehört zu meinen Problemsubstanzen, mir entgeht kein Tröpfchen davon im Essen, gleich bekomme ich einen „Flush“, doch auf der Haut tut er mir nichts. Jetzt entdeckte ich ihn tatsächlich in Produkten, in denen ich ihn nie vermutet hätte. Gibt es möglicherweise einen eigenen Sensor für Alkohol, den man unter all den dominanten Geruchs- und Geschmacksreizen, die dauernd auf einen einprasseln, nicht bemerkt? Das wäre immerhin noch ein zuverlässiges Warnsignal!

Normalerweise erkenne ich vertraute Orte, Räume und Menschen an ihrem individuellen Geruch und identifiziere alle mir bekannten Duftwässer sofort. Noch vor kurzem habe ich damit eine Bekannte beeindruckt. Es umwehte sie eine Wolke, die mich gleich zweifach in die Siebziger Jahre versetzte. Eau de Lancôme! Studentinnenheim in Köln! Das Haus in England! Diesen Duft benutzten damals zwei meiner Freundinnen, was mich immer stark irritierte, denn sie waren ansonsten völlig unterschiedlich. Lang her, aber klar und unverwechselbar gespeichert, gleich mit zwei Zeiten, Orten und Personen. Gerüche, Düfte und Erinnerungen sind bei mir so eng verknüpft, dass ich sie oft bewusst und gern als „Schreibtrigger“ benutze (etwa Jasmintee, Käsekuchen oder heiße Schokolade). Wenn ich einen Kaninchenstall rieche (Wiesenheu, trockenes Stroh, Kaninchen), fange ich an zu weinen. Ich kann nicht anders. Der Geruch versetzt mich so intensiv in meine Kindheit und zu meinen Kaninchen, dass ich emotional völlig fertig bin. Aber auf eine gute Art.

Ich merkte, dass ich ohne meine übliche „Smellscape“ (Geruchslandschaft) immer mehr die Orientierung verlor, und versuchte gegenzusteuern. Das Essen schmeckte zwar neutral, aber die Erinnerung half. Ich wusste ja genau, wie alles riechen und schmecken sollte, stellte mir beim Kauen und Schlucken den Geschmack vor und achtete zum Trost noch mehr als sonst auf die Textur und Temperatur der Nahrungsmittel in meinem Mund. Die glatte Haut der Paprika, ihr weiches Fleisch, die raue Kruste der Bratkartoffeln, das kühle Prickeln des Mineralwassers, das warme, weiche Teewasser, die cremige Sahne, der dicke griechische Joghurt.

Dass ich nicht mal mehr meine Mundspülung („Listerine Cool Mint“) schmecken konnte, erstaunte mich. Das Zeug riecht und schmeckt normalerweise extrem stark (nicht besonders angenehm). Den Geschmack und Geruch habe ich stundenlang in Mund und Nase, aber meine Zahnärztin schwört drauf und es ist eindeutig gut für mein Zahnfleisch. Und jetzt? Nur ein schwacher „Luftwechsel“ im Mund und die erstaunte Erinnerung daran, wie intensiv es eigentlich schmecken müsste. Immer wieder der Gedanke: Hoffentlich erholen sich meine Sinne schnell wieder! Im Internet las ich, dass es Monate dauern kann, wenn Covid das Riechzentrum erwischt. Und schlimmstenfalls sogar bleibt. Aber vielleicht war das ja nicht Corona, sondern irgendwas anderes.

Ich machte weiterhin mehrmals am Tag mein Schmeck- und Riechtraining in Bad und Küche, am Gewürzschrank, im Keller, draußen bei den Kräutern. Bei Kümmel gab es die erste kleine Reaktion, vorn auf der Zunge. Alles andere schmeckte und roch weiter neutral. Wacholderbeeren, Koriander, Muskat, Vanille, Zimt, Gewürznelken, Schwarzbrot, Toast, Orangen, Tomaten, Äpfel – alles gleich. Aber ich konnte es leicht an der Textur unterscheiden. Dann die erste richtige „Sensation“, gleich beim ersten Versuch. Szechuan Pfeffer! Warum war mir der nicht schon früher eingefallen (über die extreme Prickelwirkung und meine Abneigung gegen dieses Gewürz habe ich hier vor einiger Zeit schon geschrieben). Ich war glücklich und gönnte mir das Kribbeln gleich mehrmals. Die Zungenspitze prickelte so wild, als hätte ich sie in Brausepulver getaucht. Allerdings wurde diesmal meine Mundschleimhaut danach nicht taub. Erst nach mehr als zwei Wochen hatte ich den Eindruck, wieder mehr schmecken zu können.

Frische Kräuter (Rosmarin, Thymian, Koriander, Petersilie, Salbei, Minze, Basilikum, Zitronenmelisse, Zitronenverbene) schmeckten und rochen weiter neutral. Leider auch meine Eau de Toilette-Sammlung (auch hier wähle ich den Duft normalerweise je nach Tagesstimmung). Ich probierte meine Lieblingsdüfte geduldig immer wieder aus. Jeden Tag nebelte ich mich mehrfach ein, und die Zimmer auch, allerdings mit einem anderen Duft. Das erste, was ich identifizieren konnte, war „Drakkar Noir“. Dann erkannte ich (entfernt) „Cool Water“. Beide sind sehr intensiv, verflogen allerdings im Gegensatz zu sonst schnell wieder.

Nach einer weiteren Woche ging es bergauf. Ich roch jetzt (schwach) verschiedene Wurstsorten (leider immer noch keinen Käse), Wein (beim üblichen Glasbeschnuppern, mit deutlichen Prickeleffekt), schmeckte Wacholderbeeren (schwach), Muskat (schwach), Pfeffer (schwach). Und dann kam mein „Listerine“ urplötzlich mit aller Macht zurück. Am Vorabend hatte es noch nach nichts geschmeckt und gerochen. Ich war hocherfreut.

Petersilie war als erstes Kraut wieder am Geruch und Geschmack erkennbar, dicht gefolgt von Zitronenmelisse und Zitronenverbene. Rosmarin, Thymian und Salbei brauchten deutlich länger. Inzwischen kann ich sie alle wieder unterscheiden, habe aber den Eindruck, dass ich nur über einen kleinen Teil meiner normalen Wahrnehmungskraft verfüge. Auch Korianderkörner und mein arabisches Kaffeegewürz duften wieder. Der schlimmste Gestank braucht komischerweise am längsten: Katzenklo! Extrem dezent im Vergleich zu sonst, aber egal. Überhaupt wieder riechen und schmecken zu können, fühlt sich an, als wäre ich nach einer unfreiwilliger Verbannung wieder nach Hause gekommen.

Herbst (Thomas Millot/unsplash)

Schlimm war der Abend, an dem ich einen Topf mit Waschpulver für die Maskendesinfektion aufsetzte und dann in ein anderes Zimmer ging. Ohne meine Nase merkte ich erst, dass er komplett leer gekocht war, als die Sicherung herausflog. Nur gut, dass keine Masken drin waren und die Küche nicht in Brand geriet. Der Topf war völlig schwarz verfärbt und konnte nur mit einer halben Flasche Stahlfix und viel Armarbeit wieder in den Normalzustand zurückversetzt werden, beinahe hätte ich ihn weggeworfen.

Schmecken kann ich inzwischen wieder gut. Beim Geruch muss ich zeitweise noch auf meine gut trainierte und immer sehr bewusste Wahrnehmung vertrauen. Anfang der Woche hatten wir (Probe aufs Exempel) Sauerkraut und Kassler, und der intensive Geruch hing zu meiner Erleichterung auch am nächsten Tag noch klar in der Luft. Vorgestern Curry. Auch mit normalem „Geruchsecho“. Das tolle Duschgel meines Mannes kann ich immer noch nicht riechen. Auch seine Niveacreme nicht. Und obwohl alle Gerüche schnell verfliegen, bin ich froh, dass sie zumindest kurz wieder da sind: „Frühstück“, „Küche“, „Wohnzimmer“, Efeu- und Perückenstrauch. Teich und Brünnchen „stinken“ wieder, nur schwächer, aber das finde ich nicht so schlimm (normalerweise muss ich mir die Hände zigmal waschen, um den Gestank loszuwerden). Auch die Kräuter sind auf einem guten Weg. Thymian und Rosmarin (meine Lieblinge) erkenne ich klar und deutlich.

„Phantomgerüche“ (halluzinatorische Wahrnehmung) oder „Fehlgerüche“ bemerke ich nicht, habe nur ein paarmal im Haus und im Garten plötzlich Rauch, Räucherstäbchen oder Lack „gerochen“, obwohl keine Quelle dafür auszumachen war. Hoffentlich verschont mich die Parosmie (Geruchsstörung), vor allem die eklige Kakosmie (Gerüche werden fälschlicherweise als unangenehm wahrgenommen), von der ich inzwischen einiges gelesen habe. Da riecht Toast plötzlich wie Jauche und Seife wie Schweißfüße. Oder die ganze Welt stinkt tagelang nach Urin. Aber es gibt ja auch die Euosmie (Gerüche werden fälschlicherweise als angenehm empfunden), dann duftet das Katzenklo vielleicht nach Maiglöckchen. Oder der Teich nach Rosen.

Meine Welt wird mit jedem Tag wärmer und heimeliger. Gestern habe ich Plätzchen gebacken. Der ultimative Test, denn ich gehe beim Backen immer nur „der Nase nach“, was Backzeit und Temperatur betrifft, egal was im Rezept steht. Das erste Blech braucht manchmal nur 12 Minuten, das nächste vielleicht 15. Es lief recht gut. Der „Plätzchen sind fertig!“-Duft ist eindeutig wieder da. Die „Meldung“ kommt ganz plötzlich, und dann muss ich das Gebäck sofort aus dem Ofen holen. Ich backe nie mehrere Bleche auf einmal, weil meine Cookies dann nicht „perfekt“ werden. Dauert zwar länger und man muss daneben sitzen, aber das ist es wert.

Eins habe ich mir fest vorgenommen: Ich werde nie mehr über meine feine Nase klagen. Ohne sie bin ich nicht ich selbst. Ob der „Infekt“ Covid war? Wenn ja, hatte ich offenbar ein Riesenglück. Wenn ich wüsste, wo man hier den Antikörpertest machen kann, würde ich ihn machen. Bestimmt käme ich dann entspannter durch Lockdowns und Winter. Gegen Grippe bin ich inzwischen wie immer geimpft, und die Covid-Impfung werde ich mir sofort holen, wenn es die Möglichkeit dazu gibt. Übrigens ist der neu entdeckte subtile Alkohol-Detektor immer noch da, was ich durchaus als Bereicherung empfinde.

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