Grüsse aus dem Zauberwald: Andreas Schmelz

Fliegenpilz

Ich habe eine wirklich harte Woche hinter mir – fast wäre meine Katze Alice gestorben – und ich bin auch jetzt alles andere als entspannt. Noch lauern Angst und Sorge an allen Ecken und überfallen mich vor allem nachts. Um die schlimmen Bilder wieder aus dem Kopf zu bekommen, bin ich mehr als einmal in die beruhigenden Fotos meines facebo0k-Freundes Andreas Schmelz abgetaucht, die mich an die tröstenden Wälder meiner Kindheit erinnern, in denen ich mit meinem Vater so viel Zeit verbrachte – auch wenn Andreas gar nicht am Niederrhein lebt, sondern weit weg in Süddeutschland.

Wir kennen uns seit ungefähr zwei Jahren aus einer kleinen kreativen Fotogruppe und habe das Glück, fast täglich in den Genuss seiner Bilder zu kommen. Andreas hat ein feines Gespür für Naturstimmungen, sieht immer wieder die kleinen Wunder am Wegesrand, an denen viele achtlos vorübergehen, und hält sie liebevoll mit der Kamera fest.

Kupferhof Allee

Besonders die Menschen, die Natur und die Tiere in seiner Heimat Hohenlohe haben es ihm angetan, aber inspirierende und spannende Fotomotive findet er auch während der Berg- und Wanderurlaube mit seiner Frau und gemeinsam mit seinen beiden Kindern. Zu meinen persönlichen Favouriten gehören seine einsamen „Lebenswege“, wie ich sie nenne, besonders die Bilder von der Kupferhof Allee, an der er fast jeden Tag frühmorgens und abends auf dem Weg zur Arbeit vorbeikommt. Er fotografiert sie zu allen Jahreszeiten und in den unterschiedlichsten Stimmungen und Lichtverhältnissen. 

Andreas ist nicht nur ein ausgezeichneter Fotograf, er hat auch noch das Glück, inmitten einer Landschaft zu wohnen, wo sich die Natur auch heute noch zuverlässig von ihrer schönsten Seite zeigt.  Im Frühling besucht er die Stellen, wo die winzigen Leberblümchen mit dem ganz besonderen Blau am prächtigsten blühen, er beobachtet Rehe und Waldmäuse, entdeckt die ersten Fliegenpilze und Maikäfer. Sein Bild vom einsamen Boot war lange mein Bildschirmschoner.

Im Leberblümchenwald

Im vorigen Jahr habe ich einige seiner Arbeiten bereits auf meiner fb-Seite „Von wegen Mimose“ vorgestellt und ihn damals auch um einen kleinen Text gebeten. Folgendes hat er für mich geschrieben: „In den vergangenen Jahren ist die Fotografie zu mehr als einem Hobby für mich geworden. Sie ist Ausgleich zu meiner Arbeit, Entspannung und kreative Ausdrucksmöglichkeit meiner Gefühle und Stimmungslagen. Mit meinen Fotografien versuche ich, meinen Blick auf die Welt mit euch zu teilen und euch die kleinen und großen Schön- und Besonderheiten zu zeigen, die ich in den sehr frühen Morgenstunden auf dem Weg zur Arbeit, im feierabendlichen Sonnenuntergang und an vielen anderen Tagen finde. Von meiner Familie und meinen Freunden erhalte ich dabei viel Unterstützung – sie machen mir Mut, Neues zu probieren und lassen mich spüren, dass sie meine Fotos mögen. Manchmal finden sie ihren Weg dann zum Beispiel unter den Weihnachtsbaum in Form von Postkarten oder Kalendern – das freut mich dann besonders.“

Der Weg zu den Leberblümchen

Andreas Schmelz

Mit Andy verbindet mich aber noch etwas ganz anderes. In meinem Kölnroman, den ich gerade überarbeite, gibt es nämlich eine kleine Bäckerei. Am Brüsseler Platz, genau gegenüber von St. Michael. Beim Schreiben hatte ich lange das Problem, dass ich mir „meinen“ Besitzer nicht richtig vorstellen konnte. Wie sollte er aussehen? Groß, klein, alt, jung? Wie klang er? Kam er aus Köln oder aus einer ganz anderen Stadt? Was könnten seine besonderen Spezialitäten sein? Ich mag es nicht, wenn die Figuren in meinen Büchern nicht richtig leben. Ich muss sie genau kennen, ihre Vorlieben und Macken, ihre Lebensgeschichten und Familien, auch wenn das im Text alles gar nicht vorkommt. Irgendwann bekommen sie dann ihren eigenen Kopf und teilen mir mit was sie wollen. Notfalls wehren sie sich auch so lange, bis ich die Szenen umschreibe, die ihnen nicht passen. Diese Phase finde ich immer am schönsten. Der Bäcker und Konditor jedenfalls blieb in meinem Kopf lange ziemlich farblos, und das störte mich. Ich hatte einfach kein Modell. Das änderte sich erst, als ich erfuhr, dass Andreas Bäckermeister ist. Ich bot ihm spontan meine vakante literarische Bäckerei an, und er zog gleich mit seiner Frau Bärbel dort ein. Wir haben seine neue Wirkungsstätte „Bäckerei Schmelzle“ genannt, und die kleinen Heldinnen meines Buchs, die Mädchen Marigard und Michan, die nur wenige Häuser weiter wohnen, sind dort oft zu Gast und bekommen an Halloween und St. Martin natürlich ganz besonders leckere Muffins und Püfferchen. Und wenn sie Sorgen oder Kummer haben, tröstet die mütterliche Bärbel sie mit selbstgemachter Schokolade (am liebsten mit Koriander und Pfeffer und einem Hauch Salz). Und einen Cocker Spaniel mit langen weichen Ohren hat Andy jetzt auch. Allerdings nur im Buch. 

In der Backstube

Andy beschrieb mir genau, wie es morgens früh in der Backstube duftet, erzählte mir, welche schwäbischen Spezialitäten man bei „Schmelzle“ anbieten könnte (zum Beispiel Schneeballen!!) und stand mir bei der Möblierung mit Rat und Tat zur Seite. An den Wänden seiner Konditorei hängen (natürlich) seine Fotos. Und so gibt es seitdem zwei neue Personen in meinem Buch, und Andreas und Bärbel wohnen jetzt nicht real nur in Hohenlohe, sondern fiktiv auch am Brüsseler Platz in Köln. Und frühmorgens fährt der Buch-Andy stilecht mit dem Fahrrad und der Kiepe wie vor vielen Jahren während seiner Lehrlingszeit in den kleinen umliegenden Straßen die Brötchen aus, sein Spezialservice für die betagten Bewohner „meines“ Belgischen Viertels in den Jahren 2002 und 2003, als es dort noch ruhig und gemächlich zuging und nicht so laut und überfüllt war wie heute.

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Zu Winnies Geburtstag

Der heutige Eintrag ist für meine Kinderfreundin Kornelia Blum, die Wölfe und Adler über alles liebte und fest davon überzeugt war, in Wirklichkeit eine Lakota zu sein. Er ist für das abenteuerlustige, eigenwillige kleine Mädchen, das unbedingt Schamanin werden und mit mir zusammen in Nordamerika bei den Indianern leben wollte, und für die tapfere, stoische Frau mit den vielen Hoffnungen und Träumen, die alle unerfüllt blieben. Er ist für Conny, die nach langer Krankheit am 21. September 2015 diese Welt verließ. Und für meine Winnie, die genau ein Jahr und zwei Tage jünger war als ich und heute, am 21. April, Geburtstag hätte. Die beiden Tage, an denen ich „so viel älter“ war und die beinahe verhindert hätten, dass wir gemeinsam eingeschult wurden, haben wir als Kinder stets fröhlich gefeiert. Mit Keksen, Sprite, Kakao und Schokolade. Zwischen unseren Geburtstagspartys, versteht sich.

Es waren nur zwei Tage, und doch führten sie dazu, dass wir unterschiedliche Sternzeichen und gänzlich andere indianische Totemtiere hatten. Winnie war im Mond der wiederkehrenden Frösche geboren, ihr Tier war der Biber, meins war der Rote Habicht, denn ich war im Mond der knospenden Bäume geboren. Doch unser beider Hüter war Wabun, der in Sun Bears Medizinrad für den Osten, die Zeit des Erwachens, der Wiedergeburt und vor allem der Kindheit steht und Neugier und Kreativität symbolisiert. Dass sich unsere Wege jemals trennen würden, hätten wir damals nicht für möglich gehalten. Wir machten uns schon früh Gedanken über die Anderswelt, denn vor dem Tod hatte ich immer schreckliche Angst. Winnie hatte wie üblich ihre ganz eigenen Vorstellungen. Ich war mir da nicht so sicher.

„Ob lebende Menschen einen noch spüren können, wenn man tot is’?“ fragte ich. 

„Nich’ alle“, meinte Winnie. „Nur die wichtijen. Un’ auch nur, wenn dat beide wollen. Dann kann man denen einfach im Traum erscheinen. Oder se können einen rufen, wenn se in Not sind, un’ dann kümmert man sich drum.“ 

„Un’ wie is’ dat bei uns? Wenn von uns einer tot is’, un’ der andere lebt noch?“ Ein schrecklicher Gedanke. „Ob wir uns dann auch noch spüren?“

„Wir janz bestimmt! Wir sind doch Blutsschwestern!“   (aus: Mit Winnie in Niersbeck)

Wie jedes Jahr denke ich heute ganz besonders an dich, liebe Winnie-Kornelia, wo immer du auch sein magst, und danke dir für die vielen Einfälle und Sätze, die du mir beim Schreiben unserer beiden Bücher geschenkt hast. Du hattest Recht. Ich habe dich beim Erfinden und Erinnern neben mir gespürt und konnte dich oft leise kichern und ab und zu sogar laut lachen hören. Wie schade, dass es kein einziges Foto gibt, auf dem wir zusammen zu sehen sind. Das hat nur meine Illustratorin auf den Bildern in unseren Büchern geschafft. Dein Traumfänger hängt bis heute über meinem Bett, dein Sun Bear steht immer noch hier im Regal, und viele unserer Steine und auch die „heilige“ Adlerfeder habe ich natürlich auch noch. Sogar einen ledernen Medizinbeutel, der sehr ähnlich aussieht wie deiner früher. Gefüllt mit unseren Lieblingskräutern.

Als Kinder haben wir uns oft Gedanken darüber gemacht, wie das Leben nach dem Tod wohl aussehen könnte. Winnie glaubte fest daran, dass man verschmelzen würde mit der Natur, der Erde, den Bäumen, dem Wasser und der Luft, und dass man sich verwandeln könne in andere Lebewesen. Sollte es Winnies Paradies wirklich geben, dann ist sie nun frei und kann endlich all das tun, wovon sie immer geträumt hat. Sie kann ihre Flügel ausbreiten und mit den Adlern über die Canyons gleiten, sich emporschwingen bis hoch über die Wolken. Sie kann mit den Walen hinab auf den Meeresgrund tauchen, mit den Wölfen durch die Wälder streifen, dem Mond am Fluss Nachtlieder singen, durch Raum und Zeit reisen, bei den Ahnen wohnen und mit den Schamanen um flackernde Feuer tanzen. Freundinnen kann man nicht trennen. Wer vorangeht, wartet auf die andere. So haben wir es auch als Kinder immer gemacht. Wir sehen uns wieder.  Auf der anderen Seite. Irgendwann. Tókša akhé, Winnie!                                                                          (Widmung aus: Mit Winnie in Niersbeck)

 

 

 

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Ostern in Kattendonk

Die Tage unmittelbar vor Ostern waren fast noch schöner als das Fest selbst. Wir kochten Eier in einem riesigen Blechtopf hart, meine Mutter färbte sie mit Heitmann-Farbtabletten in großen Tassen bunt und gab mir eine ganze Schüssel mit weißen Eiern zum Bemalen. Leider waren die wabbeligen Glibberstäbchen dazu wenig geeignet, denn sie schmolzen sofort auf dem heißen Ei und verschmierten meine schönen Muster. Sie rochen unangenehm, glitschten weg und verfärbten vor allem meine Finger. Die Ostereier, die wir an die blühenden Zweige hängten, gefielen mir weit besser. Auch dazu gab es ein Ritual: Mein Vater setzte sich mit mir in die Küche und blies einige rohe Eier aus, die ich mit Deckfarben vorsichtig genau so verzieren konnte, wie es mir gefiel. Bei den ersten TRANK er den Glibber sogar, was ich überhaupt nicht verstehen konnte. Das schmeckte doch ekelhaft! Ich schüttelte mich, und er lachte. Auch das gehörte zum Ritual. Durch die fertig bemalten Eier zog meine Mutter mit einer langen Stopfnadel einen Faden oder ein Bändchen, das unten mit einer Perle oder einem Knopf gesichert war.

Am Ostersonntag war das Wohnzimmer liebevoll geschmückt, wir standen früh auf und frühstückten ausgiebig, obwohl man eigentlich „vor der Kirche“ nüchtern bleiben musste. Doch meine Mutter wußte genau, dass sowohl mein Vater als auch ich äußerst unleidlich wurden, wenn wir Hunger bekamen, und außerdem war ich noch so klein, dass ich ohnehin nicht an der Kommunion teilnehmen durfte. Sie hat auch später dafür gesorgt, dass ich nie nüchtern zur Kirche ging. Wahrscheinlich wäre mir das auch gar nicht gut bekommen. „Das ist bei dir keine Sünde“, beruhigte mich meine Mutter. „So dünne Kinder wie du MÜSSEN unbedingt morgens was im Magen haben. Und so hungrige Väter auch, sonst knurrt der Magen nachher ganz laut, und alle in der Kirche können es hören!“ Ich habe meinen überaus angenehmen Sättigungsgrad nie jemandem verraten. Nicht mal meiner besten Freundin, deren armer Magen in der Messe regelmäßig laute Unmutsbekundungen von sich gab.

Ostertisch in „Kattendonk“

Nach dem Frühstück gingen mein Vater und ich allein zur Kirche, meist ins Hochamt, weil das besonders feierlich und noch dazu lateinisch war, und fuhren danach zu seiner Schwester nach Lobberich, während meine Mutter das aufwändige Festessen vorbereitete. Auf dem Esszimmertisch meiner Tante stand während der gesamten Osterzeit ein kleiner brauner Holzkarren, der bis obenhin mit Zuckereiern gefüllt war und von einem Hasen gezogen wurde. Wie gerne hätte ich genau so einen Osterkarren gehabt! Jedes Jahr stellte ich mich mit klopfendem Herzen vor den Tisch und streichelte den schönen Hasen vorsichtig mit dem Zeigefinger, in der Hoffnung, die Erwachsenen würden irgendwann merken, wie wunderschön ich ihn fand. Leider merkten sie es nie, weil sie weit weg in ihren großen Sesseln saßen und viel zu sehr mit ihrer Unterhaltung beschäftigt waren. Außerdem sagte ich ja nichts. Sprechen hätte sicher geholfen, doch ich konnte als Kind meine Wünsche nur indirekt äußern. Für mich waren meine Signale zwar überdeutlich, für die Erwachsenen jedoch viel zu subtil. Meine Hoffnung, man könnte mir meine sehnlichsten Wünsche ansehen oder sie gar spüren, hat sich leider nie erfüllt. Direkt um etwas zu bitten, war mir unglaublich peinlich. Ich hatte auch als Erwachsene lange noch eine regelrechte Wunschhemmung.

Wenn das Wetter es zuließ, suchte ich in unserem Garten nach den versteckten Körbchen und Nestern mit Süßigkeiten. Das war nie sehr schwer, denn mein Vater liebte bekanntlich seine Pflanzen, so dass man nie ins Beet zu steigen brauchte und die bunten Farben schon von weitem leuchten sah. Mit von der Partie war immer mein großer Hase Hupp mit den langen weichen  Schlappohren, den meine Mutter für mich genäht hatte. Er war eindeutig das schönste Ostergeschenk, das ich je in meinem Leben bekommen habe, und anfangs fast genauso groß wie ich. Ohne meinen geliebten Hupp ging ich als kleines Kind weder aus dem Haus noch zu Bett. Im Laufe der Jahre ist er tragischerweise verloren gegangen, nur seine blaue Bluse habe ich noch, aber eine Freundin hat ihn mir nach meinen Erinnerungszeichnungen in klein (und sogar noch viel schöner, denn jetzt sind seine Augen echte Glasaugen und keine umhäkelten Knöpfe!) „nachgebaut“.

Kaninchen und Hasen waren schon früh meine Seelentiere, schließlich hatten wir selbst echte Kaninchen, die bei schönem Wetter oft nach draußen in den Garten geholt wurden und so zahm waren, dass sie bei mir auf dem Schoß schliefen und ihre Babys mehr oder weniger in meine Hände bekamen. Der vertraute Heugeruch und der Anblick von Kaninchen rührt mich übrigens bis heute zu Tränen. Wenn es irgendwo Kaninchenbraten gab, war ich krank. Glücklicherweise hatte sogar meine Mutter dafür Verständnis. Meine kleine Sammlung von Steiffhasen habe ich natürlich bis heute noch und halte sie weiterhin in Ehren. Und mein Angstbuch heißt auch nicht von ungefähr „HASENHERZ und Sorgenketten“.

Ostermontag besuchten wir nachmittags alle zusammen meine Großmutter in Herongen.  Oma hatte einen riesigen Garten und viele Tiere, unter anderem den gutmütigen uralten Dackelmix Bobby, die Schäferhündin Leda, etliche Goldfische, die einträchtig in einem gemauerten Becken umher schwammen, und ein Dutzend Hühner, die ich gemeinsam mit ihr füttern durfte. Wenn ich bei ihr „in Ferien“ war, durfte ich sogar morgens früh die frischen Eier im Hühnerhaus einsammeln. Zu Ostern bekam ich von Oma jedes Jahr eine Ansichtskarte,  „richtig mit der Post“. Schade, dass ich ihre zierliche Sütterlinschrift nicht lesen konnte. Oma Amalies Haus lag unmittelbar neben einer Schule, so dass man die Kinder auf dem Schulhof aus sicherer Entfernung beobachten konnte. Doch an Ostern waren sie natürlich nirgendwo zu sehen. An Sonn- und Feiertagen saßen wir auch in ihrem geräumigen Wohnzimmer und nicht in der Küche.

„Oma Amalies Küche führte auf eine schmale Terrasse, von der eine Treppe hinunter in den Garten ging. Ich saß morgens gern bei meiner Oma am Küchentisch und aß mit einem langen silbernen Löffel gezuckerten weißen Joghurt aus einem Glasfläschchen. Morgens zum Frühstück bekam ich eine Scheibe selbstgebackenes Kastenweißbrot mit Knusperkruste und ein braunes Ei, das ich aus einem ganz bestimmten Eierbecher aß, der nur mir gehörte und von dem heute leider nur noch die vordere Hälfte übrig ist. Es ist ein schielender gelber Hase, der eine rote Blüte zwischen den Vorderläufen hält. Das orangefarbene Körbchen auf seinem Rücken, in dem damals mein Ei steckte, ist irgendwann zerbrochen. Zu Ostern stand auf Omas Tisch ein handbemalter Teller mit eiförmigen Mulden für die bunten Ostereier. Oma war sogar stolze Besitzerin eines Keramikhuhns, in dessen Bauch man die gefärbten Eier legen konnte. Als Kind war ich fest davon überzeugt, dass alle braunen Eier von den Hühnern meiner Oma stammten, und weigerte mich hartnäckig, weiße Eier auch nur anzurühren. Die Vorliebe für braune Eier und Naturjoghurt habe ich bis heute.“   (aus: „Oma Amalie neben der Schule“)

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Ohnmächtig

Karfreitag – mit den Augen eines hochsensiblen Kindes

„Oma und ich waren unzertrennlich, vor allem in religiösen Dingen. Zusammen gingen wir auf den Friedhof und brachten den Verstorbenen frische Blumen, machten in der Kapelle Kerzen an und bestaunten in der Weihnachtszeit die Krippe. Im Frühling besuchten wir die Maiandachten. Ich mochte die schönen Lieder und den Duft der Lilien und Maiglöckchen, zu Hause hatte ich einen kleinen Marienaltar mit Gartenblumen. Doch es gibt auch düstere Erinnerungen. Eine ist besonders unangenehm.

Als ich fünf war, besuchte ich zum ersten Mal mit Oma die Karfreitagsandacht, nachdem sie mich zur Vorbereitung mehrfach zur Kreuzwegandacht mitgenommen hatte. Ich hatte brav in der Bank gesessen und Heiligenbildchen angeschaut. »Heute ist Karfreitag, der Sterbetag des Herrn«, teilte sie mir mit. Sterbetag? Das klang bedrohlich. Es wurde in der Tat ein einschneidendes Erlebnis, denn an diesem Nachmittag verspürte ich zum ersten Mal das Gefühl grenzenloser Schwäche und Hilflosigkeit. Schon beim Betreten der Kirche fing das Elend an. Traurig, düster und schwer wirkte alles. Ich bekam kaum Luft, obwohl es so kühl war. Tabernakel, Statuen und Kreuz waren mit dunkelvioletten Stoffen verhangen. Es herrschte gespenstische Stille, die Menschen waren angezogen wie bei einer Beerdigung und sahen verschlossen und fremd aus. Ich hörte gedämpftes Husten, Räuspern, Flüstern und leises Fußscharren. Die Atmosphäre war bedrückend. Ich fühlte mich noch kleiner als sonst und griff Hilfe suchend nach Omas Hand. Oma lächelte mir kurz zu, dann wurde ihr Gesicht sofort wieder ernst.

Das Unfassbare passierte, als Finsternis im ganzen Land herrschte und Jesus am Kreuz starb. Mir war gar nicht gut. In der Kirche war es so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Nur in meinen Ohren dröhnte es. Ich sackte zusammen und musste von Oma und einer fremden Frau aus der Kirche gebracht werden. Folter und Kreuzestod waren zu viel für mich. Schon beim Kreuztragen und Geißeln hatte mein Unbehagen angefangen, und als Jesus seinen Geist aushauchte, brach mir der Schweiß aus, schwarze Punkte tanzten vor meinen Augen, mir wurde eiskalt und das Blut strömte aus meinem Kopf. Draußen vor der Kirche kam ich wieder zu mir. Oma war schrecklich aufgeregt, ich hätte am liebsten geweint. Die Geschichte meines Zusammenbruchs machte im Dorf die Runde, die Erwachsenen hielten mich für überdreht, schüttelten verständnislos die Köpfe, und ich schämte mich in Grund und Boden. Wir waren eine große Gemeinde, und ich war die Einzige, die umfiel. Wie ertrugen die anderen Gläubigen die Kreuzigungsgeschichte bloß?

Im folgenden Jahr wagte Oma einen weiteren Karfreitagsversuch. Diesmal kam erschwerend hinzu, dass ich mich an mein letztes »Missgeschick« peinlich gut erinnerte und Oma schon im Vorfeld nervös war. Vorsichtshalber setzten wir uns in die Nähe des Ausgangs. Ansonsten war alles wie beim ersten Mal. Wieder war es düster und erstickend. Wieder ertönte die tiefe Stimme des Pastors im dramatischen Wechsel mit den Stimmen der Gläubigen. Wieder sah ich die dunklen Menschen, folgte Jesus zur Schädelstätte, fühlte mit ihm die Dornen, die sich in seinen Kopf bohrten, den grausamen Lanzenstich, den quälenden Durst, den beißenden Essigschwamm und die langen Nägel in Händen und Füßen. Als er starb, wurde die Welt um mich herum schwarz. »Das Kind steigert sich in alles hinein«, jammerte meine Mutter. »Das ist doch nicht normal! Was ist bloß los mit dem Mädchen?« Ich konnte nichts daran ändern. Mein Körper führte ein Eigenleben, und genau das machte mir schreckliche Angst. Ich erlebte die Kreuzigungsszene hautnah mit. Ich ertrug es nicht, dass Jesus gequält und umgebracht wurde. Auch wenn es so in der Bibel stand. Grausamkeit fand ich zutiefst abstoßend.

Als Schulkind wurde ich in der Kirche glücklicherweise nicht mehr ohnmächtig. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich zwischen den anderen Kindern saß und mich dadurch nicht ganz so klein und eingeschüchtert fühlte. Die Kinder waren weniger trübsinnig als die schwarz gewandeten Erwachsenen. Außerdem hampelte meine Freundin Winnie ständig herum, was meine Andacht angenehm störte, auch wenn wir damit mehrfach gegen das erste und zweite Gebot gleichzeitig verstießen.“

(aus: „Von wegen Mimose“)

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Klosterschule Niersbeck (2)

 Schwester Josephas Kräutergarten

Lungenkraut

Löwenzahn

„Hinter dem Küchentrakt lag der von Mauern umschlossene kleine Klostergarten mit den Heil- und Gewürzkräutern, in dem wir in der Sexta und Quinta in jeder Pause Dauergast waren. Hier war das Reich von Schwester Josepha, einer alterslos wirkenden Ordensschwester mit freundlichen braunen Augen und geschickten Händen. Sie wusste alles über Pflanzen und trug beim Arbeiten eine grüne Schürze. Wenn wir sie besuchten, durften wir manchmal ein paar kleine Blätter abzupfen und daran schnuppern. Rieb man die Blätter vorsichtig zwischen den Fingern, dufteten sie noch intensiver. Schwester Josepha hätte in Hogwarts problemlos eine Stelle als Fachkraft für hochpotente Zaubertränke bekommen. Wahrscheinlich züchtete sie in ihrem Gewächshaus sogar Alraunen, Fliegenpilze und gefleckten Schierling. Sie summte leise bei der Arbeit und hatte immer Zeit für uns. Bei ihr lernten wir, dass Koriander nach Mottenpulver riecht, dass Lorbeerkränze in der Antike die Häupter gefeierter Dichter und siegreicher Sportler zierten, dass Liebstöckel einst als Mittel gegen böse Geister eingesetzt wurde und dass Lungenkraut ein wunderbares Heilmittel gegen Husten ist. Wir rochen an Minze, Zitronenmelisse, Engelwurz und Kapuzinerkresse. Selbst Efeu duftet aromatisch, auch wenn er bei empfindlicher Haut Allergien auslöst und giftig ist, und sogar Giersch riecht nicht übel, auch wenn er rücksichtslos mitten in die Wurzeln anderer Pflanzen hineinwuchert und als das übelste Unkraut aller Zeiten angesehen wird. „Man kann daraus aber sehr gut Salat machen!“, meinte Schwester Josepha.

Rosmarin

Zitronenmelisse

Sie zeigte uns stinkenden Storchschnabel, auch Ruprechtskraut genannt, der mit seinen kleinen rosa Blüten zwar hübsch aussah, aber unangenehm roch, und gab mir Katzenminze für meine Katze mit, die völlig verrückt danach war und sich so lange auf den Blättern herumwälzte, bis sie platt waren. Topsi war danach ebenfalls platt, zugedröhnt wie ein Junkie! Nur gut, dass Schwester Josepha mich vorgewarnt hatte. „Baldrian wirkt bei Katzen sogar noch intensiver“, erklärte sie. „Probier es mal aus!“ Doch Schwester Josephas Baldrianwurzeln stanken so heftig, dass meine Mutter sie partout nicht im Haus haben wollte. Dabei rochen die Diacardtropfen, die sie genau wie Oma und meine Großtanten tonnenweise in Wasser träufelte, wenn sie Herzklabastern bekam, eindeutig auch übel nach Baldrian.

Löwenzahn

In Schwester Josephas Welt gab es kein Unkraut, selbst aus Brennnesseln kochte sie noch Tee oder Suppe. Sie fand rasch heraus, dass mein Lieblingskraut Rosmarin war. Vater hatte es nicht in seinem Garten, weil es keine heimische Pflanze war, und Mutter brauchte es leider nie in der Küche. Schon der Name war wunderschön: ros marinus, Tau des Meeres. In der Antike war die Pflanze der Göttin Aphrodite geweiht, im Christentum der Muttergottes. Ursprünglich sollen die Blüten weiß gewesen sein, doch als Maria ihr Gewand zum Trocknen über die Pflanze legte, wurden sie blau. Ich fand den aromatischen Duft so wunderbar, dass ich mich am liebsten in den Rosmarinbüschen gewälzt hätte wie Topsi in der Katzenminze. Nachdem wir herausgefunden hatten, dass Räuchern ein alter Indianerbrauch war, benutzten Winnie und ich die getrockneten Nadeln zusammen mit Salbeiblättern zum Räuchern.

Bienen umsummten den schwefelgelb blühenden Frauenmantel, auf dessen hübschen Blättern die Tautropfen morgens wie Edelsteine glitzerten, Schmetterlinge sonnten sich auf den Lavendelstängeln, die meine Großtanten sich zu Sträußchen gebunden zur Mottenabwehr in den Schrank hängten oder in Form von Uralt Lavendel hinter die Ohren tupften. Nur Oma Südstraße duftete nach Maiglöckchen. Und manchmal auch nach Vanille.“

(aus: Mit Winnie in Niersbeck)

Im Klostergarten

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Die Rosen meines Vaters

 

Heute vor vier Jahren war Ostersonntag, doch der Frühling war noch weit. Es war kühl und unwirtlich, und ich erinnere mich nur allzu gut an die jähe Nachtfahrt zum Krankenhaus. Heute vor vier Jahren starb mein Vater. Das starke Band zwischen uns zerriss. Er wolle mir eine Botschaft schicken von der anderen Seite, hatte er mir versprochen. „Wenn ich irgendwie kann.“ War es vielleicht das Tagpfauenauge, das am Morgen nach seinem Tod in der Garage unerwartet auf meine Hand flog und dort eine gefühlte Ewigkeit unbeweglich sitzen blieb? Wo mochte mein Vater jetzt sein? Hat der Mensch wirklich eine unsterbliche Seele? Was passiert mit uns, wenn wir gehen müssen? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Ein helles, freundliches, glückliches, wie es sich so viele wünschen? Oder ein bedrohliches Zwischenreich voller Dämonen, in dem man orientierungslos, verwirrt und ängstlich umherirrt und seinen Weg nicht findet? Wartet auf uns eine kurze oder lange Phase der Ruhe und des tröstlichen Vergessens bis zur nächsten Wiedergeburt? Oder doch nur das schwarze oder weiße Nichts, das uns für immer verschluckt und auslöscht? Mein Vater hat mir keine Botschaft geschickt. Nur diesen einen Schmetterling an jenem Wintermorgen. Vielleicht.

In Gedanken ist er mir oft noch nah, besonders in meinem Garten. Manchmal rede ich mit ihm, frage ihn um Rat. Meinst du, die Kletterhortensie ist krank? Wo soll ich die neue Taglilie hinpflanzen? Findest du, die blaue Clematis passt gut zu dieser gelben Rose? In der Natur fand mein Vater den ersehnten Frieden, hier war er glücklich, umgeben von stillen grünen und bunten Freunden. Er  liebte die Bäume, die Sträucher und Blumen, und sie liebten ihn. Oft saß er auf seiner Bank und beobachtete geduldig die vielen zahmen Vögel, die er auch mit fast neunzig Jahren noch jeden Tag fütterte. Nach jedem Sturm ging er hinaus und schaute nach, ob nicht etwa ein Nest aus den Bäumen geweht worden war und die Nestlinge Hilfe brauchten. Mein Vater verstand die Sprache der Tiere und der Pflanzen. In seinem Garten gab es eine Intensivstation für gerettete Blumen, die andere achtlos fortgeworfen, vorzeitig aufgegeben oder als unpassend ausgemustert hatten. Sie blühten immer besonders schön, als wollten sie ihm ihre Dankbarkeit unbedingt zeigen. Es gab sogar ein kleines Schattenlazarett für besondere Härtefälle, die noch kein Licht vertrugen und absolute Fingerspitzenbehandlung benötigten. Von meinem Vater lernte ich schon früh, wie wichtig Standort und Bodenbeschaffenheit für jede Pflanze ist. Er hatte einen Naturgarten im besten Sinne, und er freute sich, wenn ihm sein Garten unerwartet kleine Geschenke machte. Hier eine ungewöhnliche Glockenblume, dort ein gelber Fingerhut, eine gefüllte Akelei, ein neuer Farn oder ein winziges Veilchen. Gänseblümchen und Ehrenpreis durften unbehelligt in seinem Rasen wohnen. Im Schatten wuchsen Farne und Funkien, auf den Steinen blühte das Moos. Der Rasen meines Vaters war weich wie ein Teppich, wenn man mit bloßen Füßen darüber lief. Spaziergänger, die an unserem Garten vorbeigingen, blieben oft stehen und fragten, ob sie einen Blick in das kleine Paradies werfen durften. Mein Vater war so stolz auf seinen Garten.

In meinem eigenen Garten stehen viele „seiner“ Pflanzen. Einige stammen tatsächlich noch aus seinem verlorenen Garten. Wie so oft war der Tod des Gärtners unweigerlich auch der Tod des Gartens. Die malerische Wildnis gibt es nicht mehr, sie hat einem pflegeleichten gesichtslosen Hausgarten Platz gemacht. Ich ertrage den Anblick nicht. Ich kannte jedes Pflanzenwesen im Garten meines Vaters. Die weiße Hortensie, die noch von meiner Erstkommunion stammte, den Heidegarten hinter dem Haus, die uralten Rhododendronbüsche am Giebel, die noch aus dem Garten meiner Großmutter waren, die gelben, rosafarbenen und weißen Azaleen. Den kleinen Teich mit der seltenen blauen Iris aus Japan, die saftigen Sumpfdotterblumen und die weiße Seerose. Am Garteneingang begrüßte mich im Frühling die Magnolie mit den riesigen Tulpenblüten, daneben wuchs die zierliche Sternmagnolie. Wenn es ihn noch gäbe, würden sich jetzt im Garten meines Vaters die Buschwindröschen, Schachbrettblumen und Märzenbecher wiegen, neben gestreiften Krokussen, langstieligen Primeln und altmodischen Aurikel. So wie hier, in meinem Garten. Auch hier leuchten gerade die Forsythien und der Ranunkelstrauch, entwickelt die robuste Clematis montana unermüdlich neue Knospen und hangelt sich an kleinen Armen hoch in die Bäume. Der gelbe Ginster, dessen herber Duft mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt, öffnet gerade die ersten Schmetterlingsblüten und macht mir Heimweh. Hornveilchen, Tulpen und Narzissen sind fröhliche Farbtupfer im Grün. Sogar die Maiglöckchen sind schon zu sehen. Bei meinem Vater wuchsen sie hinter den Rhododendronbüschen, bei mir unter dem Perückenstrauch.

Anders als ich war mein Vater ein begnadeter Rosenspezialist. Ich erinnere mich noch gut an seine besonderen Lieblinge, an Bourbon-, Portland- und Damaszenerrosen, an Teehybriden, Moschusrosen,  an hübsche Namen wie Alba, Christine Hélène, Schneewittchen, Albertine und Maria Lisa.“Rosen muss man schneiden, wenn die Forsythien blühen“, sagt die Stimme meines Vaters. Ich versuche es. Jedes Jahr. Gestern habe ich meine hohen Rosentöpfe an die ihnen zugedachten Stellen im Garten gebracht. Leider habe ich mit Rosen wenig Glück, was vor allem daran liegt, dass ich mich nie traue, sie „richtig“ zurückzuschneiden. Ich schneide äußerst ungern, denn ich habe immer Angst, meinen Pflanzen weh zu tun. Ich habe auch keine großen Rosenbeete wie mein Vater, nur ein paar Ecken mit rosa blühenden Fairies, die ich genau wie er nicht als Bodendecker nutze, sondern zu einem riesigen Busch wachsen lasse, drei alte Duftrosen und viele Töpfe. Seinen Rosen hat mein Vater einen großen Teil des Gartens geschenkt, genau wie den üppigen Pfingstrosenbüschen. Auch mit Päonien habe ich leider kein Glück. Vielleicht liegt es am Lehmboden oder an den Wühlmäusen? Ich pflanze sie zwar, doch nach kurzer Zeit verschwinden sie einfach wieder. Die Pfingstrosensträuße vom Markt duften selten und niemals so intensiv wie die meines Vaters. Bei meinem letzten Besuch im alten Garten habe ich so viele mitgenommen, wie nur ins Auto passten. Der Rücksitz war ein duftendes Blütenmeer. Vorher habe ich sie alle fotografiert, um sie mir für immer zu bewahren. An der Garage meines Vaters stand früher ein wilder Rosenbusch, dessen weiche Ranken bis oben aufs Garagendach reichten und dessen rosa Blüten so stark dufteten, dass mein Zimmer zum Rosengarten wurde. Ich höre die Stimme meines Vaters am Telefon: „Stell dir vor, deine Rose hat heute angefangen zu blühen, Kind!“ Ich war ich süchtig nach seinen Rosen, nach seinen Blumen. Wenn ich während des Studiums zurück nach Köln fuhr, überreichte er mir am Bahnhof jedes Mal einen riesigen Blumenstrauß, über den sich anschließend das ganze Zugabteil freute. Im Spätsommer waren es nicht nur Rosen, sondern manchmal auch knallbunte Dahlien und Löwenmäulchen oder zerbrechliche Wicken, und im Herbst lilafarbene kleinblütige Astern oder kräftige Chrysanthemen, die bei mir Wurzeln schlugen und wieder zurück an den Niederrhein gebracht wurden, wo mein Vater sie einpflanzte. Die stammten aus seinem zweiten Garten, denn mein Vater hatte viele Jahre lang auch noch einen Nutzgarten, in dem er Gemüse und Obst anpflanzte und Schnittblumen zog.

In diesem Frühjahr habe ich mir endlich eine kleine Sternmagnolie gekauft. Drei fragile Blüten hat sie noch. Heute, an diesem besonderen Tag, stelle ich mir vor, wie mein Vater auf seiner geliebten weißen Bank in seinem neuen großen Garten sitzt, die zahmen Vögel beobachtet und sich an den Frühlingsblumen freut. Genau so hätte er sich sein persönliches Paradies gewünscht. Ein Garten voller Blumen. Vor allem voller Rosen.

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Beim Indianermann

„Seine Indianer wohnten in einem Mini-Camp in einer Bücherwand, die bis zur Decke reichte und vollgestellt war mit Indianerbüchern. Die Indianer waren genau so groß wie meine Elastolin-Figuren, aber verblüffend naturgetreu und wunderschön angezogen. Sie waren in kleine bunte Decken gehüllt, trugen winzige Federhauben oder klitzekleine schwarze Hüte, hatten dunkle Haare und Gewänder aus echtem Stoff. Mütter trugen ihre Babys in Tragen auf dem Rücken, die Krieger hielten Miniaturwaffen und hatten Schmuck, der kleiner war als die kleinsten Stecknadeln. So was konnte man bestimmt nur mit einer Lupe herstellen! Wir bewunderten die bemalten Tipis, die hölzernen Gestelle zum Trocknen von Fischen und Tierfellen, die gefleckten Pferde mit echten Mähnen und Schweifen, die winzigen Knochen und Krallen. Wir hätten stundenlang einfach nur da stehen und alles anschauen können. Richtige Szenen waren hier aufgebaut, genau wie im Film. Winnie sah aus, als würde sie jeden Moment ausklinken. „Hamse die etwa echt alle selbs’ jemacht?“ Er nickte.

Der Indianermann verriet uns sogar, woher er das Material für seine kleinen Figuren hatte. Die Knochen stammten aus dem Gewölle von Eulen, das er vorsichtig mit einer Pinzette zerteilt hatte, die Bärenklauen waren in Wirklichkeit die mit feinsten Werkzeugen gefeilten Krallenspitzen sehr kleiner Vogelarten. Es musste eine Wahnsinnsfrickelei gewesen sein, und unser Gastgeber gestand, dass er pro Indianer mindestens fünfzehn Stunden gebraucht habe.

Wir bekamen Limonade und Chips und hörten gebannt zu, wie der Indianermann uns noch mehr aus seiner Kindheit erzählte. Köln hatte damals in Schutt und Asche gelegen, weil so viele Bomben auf die Stadt gefallen waren, und der kleine „Indianerjunge“ war in den Steinbergen herumgeklettert und mit Pfeil und Bogen zwischen den Trümmerwällen umhergestreift, während die anderen Jungen Fußball spielten. Einmal hatte er auf einen roten Mercedes gezielt, weil er einen idealen Büffel abgab. Leider war der kleine Junge ein guter Schütze, traf den Büffel voll in die Flanke und machte eine fette Katsche in die Fahrertür. Der Fahrer sprang laut schimpfend aus seinem Büffel und verfolgte den Bogenschützen wütend durch die Trümmer, doch der rannte schnell wie der Wind in sein Versteck in der Krypta der St. Mechternkirche und wartete mucksmäuschenstill, bis sein Feind abgezogen war. „Und der hat Sie echt nich’ erwischt?“, fragte Winnie. „Nein, glücklicherweise nicht. Obwohl mein Kostüm so bunt war, dass man es schon von weitem leuchten sah. Aber ich kannte das Trümmerfeld glücklicherweise wie meine Westentasche.“ Wir waren schwer beeindruckt.

„Haben Sie auch Federn?“, fragte Winnie. Er grinste. Was für eine Frage! Natürlich hatte der Indianermann Federn! In allen Größen. Auch von ganz seltenen Vögeln, die unter Naturschutz standen. Er hatte sogar zwei große Schubladen voller Federn! In einer Vitrine im Nebenraum bewahrte er seine Federhauben auf, die er zum Teil selbst restauriert hatte. Dass man dafür jedes Mal eine Einfuhrgenehmigung vom Zoll brauchte, hätten wir nicht gedacht. Dass Federn bei Indianern eine ganze Menge ausdrücken konnten, wusste ich von Winnie. An ihnen konnte man ablesen, ob ein Krieger im Kampf verwundet worden war, ob und wie er seine Feinde getötet hatte und welche besonderen Heldentaten er vollbracht hatte. Nur ganz bestimmte, extrem mutige Menschen durften Federn tragen. An den Seiten und hinten an den Hauben hingen lange schmale Fellstücke. „Hermelin“, sagte Winnie. Hier konnte sie endlich mit ihrem Wissen glänzen, und ich bewunderte sie aus vollstem Herzen.

(……) Es war ein bisschen wie im Museum und wie in der Schule, aber auch wie in einem Film, in den man rein zufällig geraten ist, ohne seine Rolle zu kennen. Zum Schluss sprachen wir noch über Wölfe, und ich konnte endlich mitreden. Die Zeit verging so schnell, dass wir völlig überrascht waren, als Rita plötzlich vor der Tür stand und uns abholen wollte. Es fühlte sich an, als kämen wir aus einer anderen Welt. Rita war bester Laune, hatte aber keine Lust reinzukommen, denn sie machte sich nicht viel aus Indianern und dachte wohl, wir wären dem Indianermann schon genug auf den Keks gegangen. Aber so wirkte er ganz und gar nicht. Vielleicht merkte er ja, dass Winnie in Wirklichkeit eine Lakota war, die nur durch einen dummen Zufall bei der Wiedergeburt bei Klaarenboms in Kattendonk gelandet war.“ (Aus: „Mit Winnie in Niersbeck“)

Den Indianermann gibt es übrigens wirklich, und er ist tatsächlich genau so nett wie ihn die kleine Marlies im Buch beschreibt.

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Klosterschule Niersbeck (1)

Manche Jahre haben ihren eigenen unverwechselbaren Klang. Das Jahr 1966 singt in meiner Erinnerung mit den Stimmen von Frank Sinatra und Roy Black, Udo Jürgens, den Beatles und The Mamas and the Papas und ist untermalt von Liedern wie Strangers in the Night, Ganz in Weiß, Merci Cherie, Yellow Submarine und Monday, Monday. Kronprinzessin Beatrix der Niederlande heiratete Claus von Amsberg, ein Weißwal verirrte sich in den Rhein, Bundeskanzler Ludwig Erhard trat nach drei glücklosen Jahren von seinem Amt zurück, Tante Maria und Tante Katrinchen schafften endlich ihr Plumpsklo ab und bekamen ein richtiges Badezimmer, Tante Finchen gönnte sich einen neuen Fernsehapparat, und Winnie und ich wechselten pünktlich nach dem vierten Schuljahr von der Kattendonker Volksschule auf das katholische Mädchengymnasium in Niersbeck.

Es begann mit einem Schock. Gleich am ersten Tag wurden wir getrennt. Winnie protestierte, ich klammerte mich stumm an meine Schultasche, doch es half alles nichts. Die Ordensschwestern blieben hart. „Wir können hier keine Ausnahme machen, Mädchen, wo sollte das sonst hinführen!“ Niersbeck war eine beliebte Schule mit einem hervorragenden Ruf, sogar die Prügelstrafe war hier verboten, und es gab in diesem Jahr so viele Sextanerinnen, dass man sie auf drei Klassen verteilt und der Einfachheit halber nach Herkunftstort und Alphabet platziert hatte. Wir konnten von Glück sagen, dass wir noch in derselben Klasse waren und uns wenigstens aus der Ferne sehen konnten, auch wenn wir uns dabei fast den Hals verrenkten.

Blick auf die kleine Brücke im Schulpark (BFL)

Nur in den Pausen konnten Winnie und ich zusammen sein und uns in die Tiefen des Parks zurückziehen. Doch selbst dort war man nicht ungestört, denn überall lauerten Ordensschwestern. In der ersten Zeit erstarrten wir jedes Mal vor Ehrfurcht, wenn wir ihnen begegneten. Sie erschienen uns mit Vorliebe zu zweit und verbargen sich hinter Bäumen und Büschen, um im geeigneten Moment unverhofft hervorzutreten, ein Phänomen, das mir nur noch einmal im Leben begegnete: bei der Highway Patrol in der Wüstenlandschaft des Mormonenstaats Utah, wo buchstäblich hinter jedem Kaktus ein perfekt getarnter Streifenwagen lauerte.

Am Schwanenweiher (BFL)

Zur Verwirrung der Sextanerinnen sahen die Ordensschwestern zunächst alle gleich aus. Doch schon nach wenigen Wochen hatten sich unsere Augen an sie gewöhnt, und bald konnten wir sie mühelos unterscheiden, denn sie schritten, niesten, lachten, kicherten und hüstelten höchst individuell. Mit der Zeit schafften wir es sogar, sie am leisen Wuuusch ihrer jeweiligen Gewänder zu identifizieren, wenn sie um die Ecke bogen. Während unserer ersten Schuljahre trugen sie noch eine schwarze Ordenstracht mit langem Schleier, der an einem hufeisenförmigen weißen Rahmen befestigt war. Vor ihrem Bauch baumelte ein großes silbernes Kreuz, und ihre Füße steckten je nach Witterung in altmodischen, aber sicher überaus praktischen Schuhen oder Sandalen. Novizinnen erkannte man an ihrer Jugend und der reinweißen Tracht. Sie blieben leider nie lange, schwebten wie exotische Vögel durch den Park und entschwanden meist irgendwann nach Afrika in die Mission. (Aus: „Mit Winnie in Niersbeck“)

Das alte Physikhaus (BFL)

Der alte Park mit den riesigen Bäumen, der zu meiner „richtigen“ Schule gehört, hat sich im Laufe der Zeit tatsächlich stark verändert. Wie sehr, stellte ich fest, als ich beim Schreiben im Internet nach alten Postkarten suchte. Auf einigen war sogar noch zu sehen, wie die Anlage zur Zeit der Jahrhundertwende aussah. In den ersten Jahren floss die Niers übrigens noch durch den Park, wurde jedoch 1927 auf Wunsch der Ordensschwestern umgeleitet, möglicherweise fühlten sie sich gestört, da Fremde auf dem Wasserweg ungehindert mit ihren Booten in das Schulgelände gelangen konnten.  Auch meine eigenen Fotos vom Klassentreffen Ende der achtziger Jahren sind inzwischen schon ein echtes Zeitzeugnis.

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Künstlerin vom Niederrhein: Ulla Genzel

Ulla Genzel kommt aus Kevelaer, einem bekannten niederrheinischen Wallfahrtsort, und ist in ihrer Heimat inzwischen eine bekannte Künstlerin. Auch „mein Dorf“ (damals war es noch klein) pilgerte jedes Jahr nach Kevelaer, und ich kann mich nur allzu gut an die schmerzenden Blasen unter meinen Füßen erinnern. Mein erster Roman „Mit Winnie in Kattendonk“ (mein Fantasiename für Grefrath) spielt am Niederrhein, und ich finde den Zufall bemerkenswert, dass Ulla ausgerechnet in Winnekendonk wohnt – das klingt fast wie mein Buchtitel! Ihr wimmeliger Markttag weckt bei mir gleich alte Erinnerungen.

Markt in Winnekendonk

Wenn ich Ullas Bilder sehe, bekomme ich jedes Mal Heimweh. Nach meiner Kindheit, meiner Freundin Winnie, nach alten Scheunen und bunten Blumenwiesen, nach Weiden mit friedlich grasenden Kühen und Pferden, nach Weihrauchduft und Kevelaer, nach kleinen Flüssen und Kopfweiden – eben nach dem Niederrhein, wo er am schönsten ist. Ich kenne Ulla aus einer kreativen fb-Gruppe und inzwischen sind wir längst „richtige“ Freundinnen. Wir haben vieles gemeinsam, etwa die Liebe zur Natur und zum farbenprächtigen Herbst, wir mögen beide St. Martin (natürlich mit den alten Liedern!) und den stillen Winter, frischen Schnee und geheimnisvollen Nebel.

Aber der Niederrhein ist natürlich zu allen Jahreszeiten wunderschön. Momentan gibt es dazu (bis zum 24. April) eine Ausstellung mit Ullas Bildern im Foyer des Gelderner Bürgerbüros. Sie heißt „Jahrszeiten am Niederrhein“.

Schaukel für Dana

Viele von Ullas Bilder haben kleine Geschichten. Die üppige Blumenwiese mit der Schaukel für Dana hat Ulla für die Tochter einer Freundin gemalt.

Der Duftgarten der blinden alten Dame

Ulla Genzel ist gelernte Gärtnerin und hat mir erzählt, dass sie vor vielen Jahren einen Duftgarten für eine blinde alte Dame angelegt hat, die nicht immer blind gewesen war und sich daher die Farben und Formen der Pflanzen und Blumen sehr genau vorstellen konnte. Sie wußte daher auch, welche Blumen sie am liebsten in ihrem Garten haben wollte, und der Duftgarten wurde mit viel Liebe angelegt und gärtnerisch gepflegt. Anhand der verschiedenen Düfte konnte sie sich sehr sicher darin bewegen und wußte genau, wo sie gerade war. Und so wanderte die zierliche alte Dame so oft es das Wetter zuließ zu ihrer kleinen Bank am Ende des Gartens und genoss auf dem Weg all die vielen, vielen Düfte, blieb stehen, atmete tief ein, berührte die Pflanzen. Sie sagte, dass sie ihren Garten sehr wohl sehen konnte, wenn auch nur in ihrer Vorstellung. Ulla hat dieser ganz besondere Duftgarten damals so gerührt, dass sie ihn gemalt hat. Es war eins ihrer ersten Ölbilder.

Die kleinen Vorschaubilder können Sie anklicken und sehen sie dann in Groß.

„Im Dezember 1960 wurde ich in Kevelaer geboren und bin auch dort aufgewachsen“, erzählt Ulla über sich. „Ich erlernte den Beruf der Gärtnerin, da sich schon früh die Liebe zur Natur bei mir abzeichnete. Schon seit frühester Kindheit habe ich gerne gemalt, auch um meinem Großvater nachzueifern, der wunderschöne Bilder in Öl malte. 1987 nahm ich Unterricht bei einer Kevelaer Künstlerin, um das Aquarellmalen zu erlernen. Sie gab mir einen Satz mit auf meinen Weg, der mich bis heute begleitet: „Male was du siehst, nicht was du weißt!“ Zwei Jahre später gründete ich eine Künstlergemeinschaft und wir machten unsere erste Ausstellung. Ich verkaufte die meisten meiner Bilder, doch ich war todunglücklich. Irgendwie waren die Bilder wie meine Kinder, ich konnte mich kaum von ihnen trennen. Nachdem sich die Künstlergemeinde aufgelöst hatte, malte ich jahrelang nur für mich selbst und für meine Freunde und meine Familie. Vor drei Jahren entdeckte ich das Acrylmalen und war sofort begeistert, denn man kann Acryl verwenden wie Aquarell oder auch wie ÖL. Ein guter Freund meldete mich ohne mein Wissen bei einer Ausstellung an. Ich hätte ihm am liebsten den Kopf abgerissen! Doch ich machte mit. Und auch diese Ausstellung wurde ein Erfolg. Seitdem male und male ich, die wundervolle Natur um mich herum, am liebsten aber die niederrheinische Landschaft. Inzwischen ist Malen kein Hobby mehr, sondern eine Passion. Mittlerweile bin ich freischaffende Künstlerin. Wenn ich male, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt, und ich wünsche mir, dass man das meinen Bildern auch ansehen kann.“

Ich finde, man sieht es ihren Bilder nicht nur an, man fühlt es auch!

Seit meiner letzten Lesung in Kevelaer bin ich stolze Besitzerin eines kleinen Gemäldes von Ulla, das den Namen „Kattendonk“ trägt und durch mein erstes Buch inspiriert wurde. Vielleicht fällt ihr zu „Niersbeck“ (mein Fantasiename für Mülhausen) ja auch ein kleines Gemälde ein? Für mein Pferdekapitel hat Ulla mir übrigens den Namen ihres Lieblings Butterblume geschenkt.

Besonders gefreut hat mich, dass Ulla als erste Testleserin meines neuen Buches an einigen Stellen so lachen musste, dass ihr Hund verblüfft zu bellen anfing. Ein größeres Kompliment kann ich mir gar nicht vorstellen!

Ich freue mich schon sehr auf meine Lesung in Kevelaer im Rahmen der Landpartie am Niederrhein, die am 10. und 11. Juni stattfindet. Spätestens dann sehen wir uns wieder!

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Wo in aller Welt liegt Kattendonk?

Die Orte in meinen beiden Niederrhein-Romanen wird man auf realen Landkarten vergeblich suchen, denn sie existieren ausschließlich auf der imaginären Vergangenheitskarte in meinem Kopf. Mit etwas Glück kann man sie aber trotzdem finden, am besten bei Dämmerung an besonders nebligen Herbsttagen. Kattendonk liegt unmittelbar an der alten Landstraße zwischen Grefrath und Hinsbeck, wo es niederrheinischer gar nicht sein kann, und beginnt gut tausend Schritte hinter dem ehemaligen Grefrather Krankenhaus. Grotekerk befindet sich einige Kilometer weiter auf der linken Seite derselben baumbestandenen Landstraße, kurz vor der Kurve mit den Bauernhöfen und der weißen Windmühle. Die Klosterschule Niersbeck mit dem malerischen Park, den mächtigen Bäumen und dem Schwanenweiher verbirgt sich gut versteckt hinter dem Fluss, der Grefrath von Oedt und Mülhausen trennt, und hat möglicherweise einige Gemeinsamkeiten mit dem 1888 gegründeten größten Gymnasium im Kreis Viersen, das sich dort heute rein zufällig befindet. Nur meine geliebte Dorenburg habe ich nicht verändert, denn sie lag schon immer in einer ganz besonderen Zeitfalte und öffnet mir heute bei jedem Besuch aufs Neue das Tor zurück in die Kindheit.

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