Peter Nicolaus: „Adventskalender – Faszination und Sammeln“

Weihnachtsüberraschung!

Zu meinen schönsten Weihnachtsgeschenken gehörte in diesem Jahr das schon lange erwartete große Buch über Adventskalender von Peter Nicolaus. Obwohl ich den Inhalt bereits kannte (in dem gut 300 Seiten starken Werk mit fast 700 farbigen Abbildungen finden sich auch einige kleine Beiträge von mir sowie das ein oder andere Foto von Kalendern aus unserer Sammlung), war ich sowohl überrascht als auch beeindruckt, als ich „Adventskalender – Faszination und Sammeln“ endlich in Händen hielt. Es gibt wenige Bücher, in denen man so wunderbar in Bildern und Farben schwelgen kann.

Adventskalender habe ich schon immer geliebt, und genau wie Peter hege ich eine Schwäche für bestimmte Illustratoren und Illustratorinnen, unter anderem Marigard Bantzer, Fritz Baumgarten, Else Wenz-Viëtor und Marianne Schneegans. Doch ich bin keine „richtige“ Sammlerin, dazu bin ich zu unsystematisch. Ich sammle einfach, was mir gefällt und was ich zufällig finde. Peter dagegen IST ein richtiger Sammler und verfügt als Adventskalenderexperte über große Erfahrung. Wie schön, dass er sein Wissen jetzt mit anderen teilt! Es gibt im Buch viele Tipps für das Sammeln von Adventskalendern, sowohl für gestandene Sammler als auch für „Anfänger“. Wo findet man sie, wie kann man sie preislich einordnen (bei allen Kalendern im Buch findet man einen Preis-Index, was äußerst hilfreich ist), woran erkennt man Raritäten, wie bestimmt man das Alter, was muss man über das Papier wissen, wie sollte man seine Schätze am besten archivieren und lagern?

Der Sammler Peter Nicolaus

Ich kann mich noch gut an meine erste Begegnung mit Peter Nicolaus erinnern. Kennengelernt habe ich ihn vor vielen Jahren in der virtuellen Welt, genauer gesagt bei ebay, wo er gelegentlich Adventskalender anbietet oder ersteigert. Damals konnte man noch sehen, wer die Mitbieter und „Konkurrenten“ waren, was nicht nur hilfreich bei der Preis- und Reaktionseinschätzung, sondern auch ganz nett war, weil man miteinander Kontakt aufnehmen, um Scans oder Kopien der (meist verpaßten) Objekte der Begierde bitten oder sich sogar aus der Ferne austauschen und „anfreunden“ konnte. Wenn Peter mitbot, konnte man sicher sein, dass es sich um ein besonders kostbares oder seltenes Stück handelte. Zudem fiel mir auf, dass er als Verkäufer absolut zuverlässig war, seine Kalender waren immer genau beschrieben, professionell präsentiert und exakt datiert, selbst die kleinsten Knicke und Schäden waren abgebildet und aufgelistet. Nach einigen Reinfällen, bei denen ich als Neuling Kalender erstanden hatte, die angeblich antik waren, in Wirklichkeit aber nur billige Nachdrucke, hatte ich meine Lektion gelernt. Wenn ich dem Braten nicht traute, bat ich Peter im Zweifelsfall einfach um seine Einschätzung. Er hat mir immer freundlich geantwortet, mich geduldig beraten und mir auf kompetente Weise geholfen.

Peter Nicolaus (privat)

Irgendwann bin ich ihm dann auch in Köln „begegnet“. Wieder nur „indirekt“. Eine ältere Dame löste krankheitsbedingt ihre Sammlung auf, und ich begab mich zu ihr auf die andere Rheinseite, um die Kalender anzusehen. „Tut mir leid“, sagte die Dame. „Aber die schönsten sind leider alle schon weg. Die hat gestern ein netter Mann gekauft, der extra aus Wuppertal kam. Sie raten nie, wie der mit Nachnamen hieß!“ Ich wußte genau, wen sie meinte, und die Dame reagierte angemessen verblüfft. „Ob der wirklich so heißt?“ überlegten wir. Wenn nicht, war das ja wohl ein tolles Pseudonym! Ein paar Schätze für mich waren zum Glück noch da, denn die hatte Peter wohl längst in seiner Sammlung. Irgendwann haben wir uns dann endlich auch „richtig“ getroffen und viele interessante Gespräche und Mailwechsel geführt. Auf Peters schöne Weihnachtskarte und die Einladungen zu seinen Ausstellungen freue ich mich jedes Jahr!

Kleine Sensationen

Detail aus „St Nikolaus der Weihnachtsmann“ (Peter Nicolaus)

Doch zurück zum Buch. Ging man bisher davon aus, dass der erste gedruckte Adventskalender „Die Weihnachtsuhr für Kinder“ von 1902 war, so sorgt der Autor im Kapitel „Adventskalenderschätze/Top-Raritäten“ gleich für eine kleine Sensation. In Wirklichkeit gab es nämlich noch einen früheren Kalender, „St. Nikolaus der Weihnachtsmann“, ein ungewöhnliches, detailliert gestaltetes Klappkunstwerk aus dem Jahr 1901. In echter Detektivarbeit ist es Peter Nicolaus gelungen, den bisher weithin unbekannten Ur-Adventskalender zu datieren und seine Entstehung zurückzuverfolgen.

Frontansicht von „Advent Wunderschau“ (Peter Nicolaus)

„Ruprechts Advents-Wunderschau“ bildet ein weiteres Highlight bei den Top-Raritäten, denn der Kalender aus den 1930er Jahren ist höchst ungewöhnlich, da er gleichzeitig eine Art kompliziertes „Spielzeug“ ist. Das plastisch gestaltete Häuschen mit dem winzigen Briefkasten für die Wunschpost und der Tanne, aus der in der Adventszeit jeden Tag ein Sternchen herausgebrochen werden kann, ist mittels Batterie „richtig“ beleuchtet, verfügt über ein Glöckchen, das mit Hilfe eines Klingelknopfs zum Bimmeln gebracht werden kann, und zeigt Tagesbilder, die über eine Abrollvorrichtung präsentiert werden. Ein Traumstück!

Besondere Schätze und ausführliche Biografien

Detail aus Marigard Bantzers Kalender (BFL)

Mein Mann und ich lieben Adventsuhren. Peter auch. Er widmet ihnen gleich am Anfang des Buchs ein langes Kapitel, und mit einem gewissen Stolz entdecke ich dort unsere „Meyer-Adventsuhr“ mit dem russisch aussehenden Nikolaus. Bei den Drehscheibenkalendern findet sich ein anderes Prunkstück unserer Sammlung, nämlich der ungewöhnliche Marigard Bantzer-Kalender, von dem es bislang nur drei bekannte Exemplare gibt. Eins davon besitzt Peter, eins wir. Die Illustratorin wird im Buch übrigens im Kapitel mit den Künstler-Biografien noch ausführlich vorgestellt, dort findet man auch ihre anderen Kalender. Eine kleine Überraschung erwartet den Leser in just diesem Kapitel beim Eintrag zu Hannes Petersen, denn Hannes Petersen war trotz des Namens kein Mann! Überhaupt gefällt mir gut, dass Peter vielen Illustratoren und Illustratorinnen so ausführliche Einträge widmet. Auch eher unbekannten Adventskalendergestaltern wie der Wuppertaler Künstlerin Sulamith Wülfing, die nur einen einzigen Kalender gemacht hat, aber was für einen! Und es gibt sogar eine Seite zu Fritz Wegner, einen Künstler, den ich sehr schätze und von dem wir bei unseren Adventskalendervorträgen oft berichten. Wir haben vor Jahren all seine Kalender in einem kleinen schottischen Laden gekauft. Fritz Wegner musste bereits als Kind nach England emigrieren, nachdem er in der Schule eine Hitler-Karikatur gezeichnet hatte, und wurde später in seiner neuen Heimat ein bekannter Künstler und Buchillustrator.

Von Herbert Cange, Barbara Krokisius, Katrin Höngesberg, Emil Ernst Heinzdorff und Oskar Barthold hatte ich noch nie gehört, erst Peter Nicolaus hat sie mir nahe gebracht. Aber jetzt weiß ich endlich, von wem unser Kalender „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ stammt. Von Willy Müller-Gera!

Ich könnte noch viel zu diesem Buch schreiben, das ich seit Weihnachten immer wieder zur Hand nehme, um darin zu lesen oder einfach nur zu schauen. Es gibt darin auch allerlei Lesenswertes über „Adventskalender/thematisch“, „Adventskalender als Werbeträger“ und die wichtigsten Verlage, immer gefolgt von einem Anhang mit genauen Angaben zur zeitlichen und gestalterischen Einordnung.

Kindheitserinnerungen

Detail aus „Moralisierender Adventskalender“ (Peter Nicolaus)

Richtig gut gefällt mir auch das Kapitel mit den persönlichen und zum Teil anrührenden Erinnerungen von „ehemaligen Kindern“ an einen besonderen Adventskalender ihrer Jugend. Hier finden sich neben bekannten Stars wie „Die Christrose“ von Else Wenz-Viëtor und „Die Weihnachtsstadt“ von Willi Harwerth auch selbst gebastelte Einzelstücke, zum Beispiel ein Adventsschiff mit winzigen Schublädchen, das die damals elfjährige Schwester für ihren kleinen Bruder gestaltet hat, sowie der „moralisierende“ Adventsstern, der in der Erinnerung „Strenge Zeiten!“ die Hauptrolle spielt. Der kleinen Besitzerin hat er wenig Freude gemacht, denn hinter den Türchen verbargen sich keine hübsche Bilder, sondern unangenehme Ermahnungen („Sei nicht so genäschig“, „Lerne stets deine Aufgaben“,“Folge deinen Eltern“). Auch „Peter und Liesel“, ein für uns ganz besonders lieber Bekannter, denn er war mehrere Generationen lang der wichtigste Kalender in der Familie meines Mannes und wurde von seiner Tante Lotte und seiner Mutter eigens für die Kinder „nachgemalt“, weil das Original verloren ging, ist hier zu finden. Tante Lotte und meine Schwiegermutter hätten sich über die Bilder ihrer selbst gebastelten kleinen Kunstwerke sicher gefreut!

Nach dem augenzwinkernden „Jetzt schlägt’s aber 24!“ folgen weitere Tipps zum Sammeln und Aufbewahren von Adventskalendern. Abschließend gibt es eine kurze Reise in die Zukunft (wie mögen die Kalender unserer Kindeskinder wohl aussehen?), gefolgt von Literaturangaben und den „Credits“.  Schade, dass Peters Buch nicht noch 200 Seiten mehr – und noch viel mehr Bilder hat!

Zu bestellen ist das großformatige (30 x 24 cm), aufwändig gestaltete und überaus“gewichtige“ Buch (eindeutig zu groß und zu schwer für meinen Scanner!), das nur in einer kleinen Auflage erschienen ist und in Deutschland gedruckt und gebunden wurde, ausschließlich bei seinem Autor Peter Nicolaus und kostet 69,95 Euro zzgl. Porto. 

Kontakt: info@advent-art-verlag.de 

Der Autor hat jetzt auch eine eigene Website

Doppelseite aus „Adventskalender“ von Peter Nicolaus

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