Just Cee – Halloween and Pumpkins

Halloween bei Cee und Uwe

Halloween war schon immer mein Lieblingsfest, aber das hat hier in Deutschland nie jemand verstanden. Bis auf Cee, sie hat mir die schönsten Halloween-Feste meines Lebens beschert! An Halloween verwandele ich mich jedes Jahr in eine Mischung aus Hexe und aufgeregtem kleinem Kind und würde mich am liebsten in die sechziger Jahre in die USA beamen, als noch nicht alles so kommerziell und bluttriefend war. Ich mag es archaisch und magisch. Cee hat mir von einem echten Spukhaus erzählt, zu dem sie als Kind nur mit starkem Herzklopfen gehen und Sweets sammeln konnte. „That was REALLY scary!“ Eigentlich hatten wir geplant, darüber ein Bilderbuch zu machen. Zu spät.

Illustration für „Marigard“ von Caroline Riedel

So ist auch mein Marigard-Roman, den Cee illustriert hat, ein Halloweenbuch, denn der Vater von Marigard ist Amerikaner und natürlich feiern sie „richtig“. Die Handlung beginnt mit Halloween und endet ein Jahr später am gleichen Tag. Die Familie Baker liebt es, sich zu verkleiden und denkt sich jedes Jahr die tollsten Kostüme aus.

Ich konnte das Geisterfest bisher nur wenige Male „richtig“ feiern, immer in Cees Haus, denn sie wusste genau, wie man Garten und Haus stilecht spooky und halloweeny macht. Es stimmte alles, der dämmrige Garten, die flackernden Kerzen, die haarige Riesenspinne im Busch, die leise Geistermusik, vor allem aber die weißhaarige Hexe und ihr geheimnisvoller Mann, der seinen Gästen mal mit schwarzem Netzumhang als eine Art Oktober-Neptun oder mit langen Hörnern, die unheimliche Schatten an die Wand warfen, wie ein Herbstteufel das Gartentörchen öffnete. Selbst unsere Enkel, die man normalerweise kaum beeindrucken kann, haben sich da gegruselt. Ich mich auch.

the wicked Witch of the West

Die Spinne mit den extrem langen, biegsamen, haarigen Beinen, die immer irgendwo anders baumelte, hat Cee mir voriges Jahr in einer riesigen Plastiktüte zusammen mit einer braunen Fledermaus, die jenseits von Halloween gar nicht sonderlich realistisch aussieht, den langen Teufelshörnern, schwarzen Spitzenhandschuhen (ohne Finger) und einem gigantischen schwarzen Spinnennetz vorbeigebracht. Ich fand es schon damals irgendwie traurig, es fühlte sich an wie ein schlechtes Omen, als sei Halloween in Riedels Garten für alle Zeiten vorbei. Leider hat mich mein Gefühl nicht getrogen.

Geistermädchen

Eines Nachmittags stand sie mit der Tasche vor unserer Tür. „Are you sure, you don’t want to keept them, Cee?“ „I have been tidying up. Had the feeling I should toss the ganze alte Krempel out of my life.” Ich wusste nicht, wohin mit der großen Tüte, und verstaute sie daher vorübergehend erst mal in der Waschküche. Leider hat das Kellerhochwasser im vorigen Sommer dann einen Teil der Sachen erwischt, aber Spinne und Fledermaus konnte ich zum Glück retten. Sie baumeln jetzt ganzjährig hier im Haus. Sehr zum Schrecken aller, die ahnungslos in die Nähe der Kellertür kommen. Die Spinne ist echt gewöhnungsbedürftig.

Cees Riesenspinne

Stilechtes Trick or Treat veranstalteten wir nur, wenn alle fünf (also auch die englischen) Enkel an Halloween bei uns versammelt waren. Sicher war es für Uwe und Cee ziemlich viel Arbeit, „But I really enjoy it! It’s such fun!“ Und unsere Enkel genossen es! „Oma, gehen wir dieses Jahr wieder zu DER HEXE?“ Ideal war natürlich auch, dass die American Witch „in dem Haus mit dem Turm“ einen unverkennbar amerikanischen Akzent hatte und jederzeit mühelos in ihre Muttersprache überwechseln konnte. Unsere englischen Enkel fanden das völlig normal. (Ähnlich ging es ihnen mit Nikolaus und Hans Muff alias Knecht Ruprecht, aber das ist wieder eine andere Geschichte, die einen eigenen Eintrag verdient.)

Wicked Witch of the West

Vor einigen Nächten war Caroline wieder in meinen Träumen. Ich glaube, mein Mann und ich befanden uns in Newcastle bei unseren englischen Enkeln, die offenbar einige Jahre jünger waren als in Wirklichkeit, gerade im richtigen Halloweenalter wie vor der Pandemie, die uns brutal zwei Jahre aus dem Familienleben gerissen hat.

Jetzt sind die Kinder zu groß für die magische Nacht. Die Oma allerdings nicht, ihr werden die Feste schrecklich fehlen. Und sie wird jedes Jahr ihre bittersüßen Erinnerungen haben.

Trick or Treat

Jedenfalls spielten wir in meinem Traum einträchtig mit Honka dem Krokodil. Plötzlich ging die Tür auf, mein Mann trat ins Zimmer und reichte mir lächelnd den Telefonhörer: „Für dich! Und du wirst dich sehr freuen!“ Erwartungsvoll nahm ich den Hörer und hätte ihn gleich fast fallen lassen, als ich die vertraute Stimme hörte. „Hi Bee! It’s me! Caroline!“ Die Stimme klang kräftig, fröhlich und absolut realistisch. Ich war froh, dass ich schon saß. „Oh my god, Cee! Are you still alive?“ Rief sie aus dem Krankenhaus an? Vielleicht war ja alles nur ein Irrtum gewesen und man hatte sie im letzten Moment retten können? „I’m so relieved! Uwe told me you were dead!” “That’s what they all think!” sagte Cees Stimme belustigt. “But I’m still around and very much alive as you can hear!” Ich hätte weinen können vor Freude. An dieser Stelle brach der Traum leider ab, doch er hat mich den ganzen Tag getröstet. Natürlich war es nur ein Traum, aber dazu muss man wissen, dass Telefone und Handys in meinen Träumen so gut wie NIE funktionieren. Ich kann überhaupt keinen anrufen, obwohl ich es immer wieder verzweifelt versuche, und werde selbst auch nur extrem selten auf diese Weise kontaktiert. In meinem ganzen Leben haben mich nur zwei Personen im Traum angerufen. Die eine ist meine Mutter, die zeitlebens leidenschaftlich gern (nie unter einer Stunde) telefonierte. Das war direkt nach ihrem Tod und nach dem Tod meines Vaters. Sie erinnert mich dann an Termine („Morgen hat Ingrid Geburtstag, vergiss das nicht) oder richtet mir etwas von meinem Vater aus, der genau wie ich Telefonieren gehasst hat. („Es geht ihm gut. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen“), die andere Person war Caroline. Irgendwie macht mir der Traum Hoffnung. Vielleicht gibt es ja immer noch eine Verbindung zwischen uns? Wir haben beide in Bildern gedacht, vielleicht….?

Beware, beware!

Halloween bei Caroline und Uwe war jedes Mal mein Highlight des Jahres, und ich war vorher genau so aufgeregt wie unsere Enkel. Etliche WhatsApps wurden im Vorfeld ausgetauscht.

Von mir: „Please don’t prepare too much!“ Von Cee: „No Aufwand = no party. Will bake a few cupcakes etc. Hope to find some corn-candy, the typical blöde sweet, but the traditional. Formally did the candied apples – we shall see.” Von mir: “When shall we eintrudeln? Sun goes down at quarter past 5 – it should be dämmerig genug after that. What do you think?” Cee ließ es sich nicht nehmen, richtig tolle Sachen aufzutischen, keine Ahnung, wo sie das alles auftrieb. „Just got home with the necessary “waffen” for greedy Halloweeners. Guess some time after 5:30 should offer the right kind of darkness? The usual troopers come later. Have been aquajogging = now platt. Must get started with treats right now!”

Kids and Pumpkins

Cees Hexe erinnerte mich an die wicked witch oft the West aus „Der Zauberer von Oz“, und der gruseliger Anblick verursachte selbst bei mir ein mulmiges Gefühl. Meine Verkleidung bestand meist nur aus einem langen spitzen lila Hexenhut mit Spinnennetz. Beim letzten Besuch habe ich mich mehr ins Zeug gelegt, trug eine Perücke mit langen schwarzen Haaren und eine Maske, und Cee hat mich tatsächlich im Halbdunkel des Vorgartens NICHT ERKANNT! Ich war total stolz auf mich!

Schon im Hof erwarteten uns große antike Kerzenleuchter, in der Nische grinste ein kunstvoll geschnitzer Pumpkin, meist mit langen spitzen Zähnen, und unsere Enkel waren aufgeregt und voller Vorfreude. Genau wie ich.

Halloween bei Cee und Uwe

Da es bereits dunkel war, habe ich von diesen unvergesslichen Abenden leider nur wenige Fotos – und eigentlich muss man die Stimmung ohnehin unbedingt mit allen Sinnen genießen. Thank you so much for everything, Cee. 

 

 

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